Samstag, 31. Dezember 2011

Rückblick: Wie kam ich hierher?

Seit knapp zwei Jahren lebe ich im Kloster. Hier bin ich mit Abstand die jüngste Schwester. Unsere älteste Mitschwester ist siebzig Jahre älter als ich. Noch vor einigen Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass es so kommen würde.
Als ich Abitur gemacht habe waren meine beruflichen Ziele ganz woanders und privat wollte ich eine Familie gründen mit vielen Kindern. Ich begann also mein Studium und zog mit meinem Freund zusammen.
Es lief alles gut und ich hätte rundum glücklich sein können. Aber irgendwie war da so ein bestimmtes nagendes Gefühl, das immer stärker wurde. Das Gefühl: Das kann doch nicht alles gewesen sein...
Ich spürte, dass mir etwas fehlt, ohne dass ich hätte benennen können was. Ich machte mich auf die abenteuerliche Suche nach dem Sinn des Lebens und fand zu Gott. Das änderte mein Leben von Grund auf. Ich hatte den gefunden, nach dem sich meine Seele die ganze Zeit gesehnt hatte. Und einmal von Seiner Liebe berührt, wollte ich immer mehr davon. Er zog mich immer tiefer in seinen Bann. Er umwarb mich und lockte mich.
Die Zeit der Entscheidungsfindung war furchtbar. Ich war hin und her gerissen. Ich fragte mich: "Wenn ich mich gegen diesen Weg entscheide, werde ich dann immer das Gefühl haben, versagt zu haben? Wenn ich mich dafür entscheide, werde ich mich dann immer fragen, ob es mit einer Familie viel schöner wäre?"
Als die Entscheidung dann gefallen ist, ging es mir gleich viel besser. Seit dem habe ich einen tiefen Frieden damit. Wenn ich heute zurückblicke auf das Jahr 2011, dann tue ich dies voll Dankbarkeit. Es war ein wunderschönes Jahr. Ich bin glücklich und freue mich schon auf das, was noch kommen wird.
Ich hoffe, dass es euch auch so geht und wünsche euch allen ein gesegnetes Neues Jahr!

Freitag, 30. Dezember 2011

Tag 25: Lernbereit

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Wassertropfen auf einer Distel am Wegesrand
Eine der Hauptaufgaben für mich während des Noviziates ist es lernbereit zu sein. Das Ziel dabei muss sein eine Lebenshaltung einzuüben, die das ganze Leben prägt. Immer bereit zu sein aus dem, was geschieht eine Lehre zu ziehen. Offen zu sein für Anregungen von außen. Achtsam und kritisch in der Selbstwahrnehmung. 
Ich habe heute, zum wiederholten Male, etwas vergessen, was eine Mitschwester sehr verärgert hat. Statt mich einfach nur über ihren Rüffel zu ärgern, habe ich mich gefragt, warum ich das jedes Mal vergesse und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich die Erfahrung, etwas total zu vergessen, machen musste, um mich besser in andere hinein versetzen zu können. Häufig spüre ich, wie Unwillen und Unverständnis in mir aufsteigen, wenn andere etwas vergessen. Heute wurde ich gedemütigt, damit ich in Zukunft mit mehr Geduld und Verständnis reagieren kann, weil ich jetzt weiß, wie es ist, wenn einem das passiert.
Es passiert viel zu leicht, dass man selbstgerecht ist und meint man wäre besser als die anderen. Immer wieder muss ich mich hinterfragen und genau hinschauen, ob mein Verhalten, meine Reaktionen gut sind, oder ob ich nicht genau das, was mich bei anderen stört, selber tue.
Ich muss immer lernbereit bleiben und darf nie in meinem Denken und Handeln erstarren.

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Tag 24: Rekreation

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Spielkarten für die Erholung
Rekreation: Wieder-Neu-Schaffung. Ist das nicht ein schönes Wort für die Zeit der Erholung, des gemütlichen Beisammenseins? Unser Alltag gliedert sich in Zeiten des Gebets und der Arbeit. Und da unter tags während der Arbeit nicht gesprochen werden sollte, wenn es nicht notwendig ist, gibt es im Laufe des Tages relativ wenig Möglichkeiten zum reden. Das ist auch ganz gut so. Vor allem über das Schweigen beim Essen bin ich wirklich froh. Zum einen freut man sich dann umso mehr an Hochfesten, wenn gesprochener Tisch ist und zum anderen gibt es ja auch nicht so viel zu erzählen. Wahnsinnig viel Neues und Spannendes erlebt man an einem normalen Klostertag in der Regel nicht und dann sitzt man ja auch immer neben den gleichen Schwestern, das beschränkt zusätzlich den Gesprächsstoff.
Einmal am Tag gibt es aber dann doch die Möglichkeit dazu. Die Rekreation ist immer zwischen Abendessen und Komplet. Die Schwestern sitzen in lockerer Runde zusammen, viele machen eine Handarbeit und es findet in entspannter Atmosphäre ein Austausch statt. Manche Schwestern nutzen die Zeit um ein Spiel zu spielen. Ich habe von ihnen Canasta gelernt und freue mich jedesmal, wenn ich die Gelegenheit habe eine Runde zu spielen. Meistens reicht es nicht für eine ganze Runde und dann kann man schon auf den nächsten Tag hinfiebern, wenn das Spiel fortgesetzt wird und endlich rauskommt, wer gewinnt.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Tag 23: Das Licht der Welt

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Die Kerze - Symbol für Christus das Licht der Welt
In früheren Zeiten brannte im Schlafsaal der Benediktiner die ganze Nacht über ein Licht. Benedikt begründet das in seiner Regel mit der ständigen Gegenwart Christi, an die uns das Licht erinnern soll. Da das elektrische Licht, im Gegensatz zur Kerze, die damals dazu verwendet wurde, kein Zeichen für Jesus ist, wird das heute (zumindest bei uns) nicht mehr gemacht. Ganz abgesehen davon, dass wir nicht mehr alle in einem Raum schlafen. 
Was unterscheidet aber das elektrische Licht vom Kerzenlicht? Warum symbolisiert das eine das wahre Licht der Welt und das andere nicht?

Das Kerzenlicht hat eine andere Qualität. Es kann verbreitet werden. Man kann es teilen, ohne dass es weniger wird. So wie die Liebe. Man kann an einem Licht viele Lichter entzünden. So wie auch die Botschaft Jesu „ansteckend“ ist. Die Flamme der Kerze ist ein Teil eines Feuers. Und heißt es nicht von Gott er sei wie verzehrendes Feuer? Die Kerze verzehrt sich. Sie gibt, was sie hat, ganz hin für die anderen. Genau das hat unser Retter getan. Und es ist das, was wir hier im Kloster konkret umsetzen wollen. Völlige Hingabe. Alles was wir haben und sind einbringen - nicht zum eigenen Vorteil, sondern aus Liebe. Liebe zu Gott und darin Liebe zu allen Menschen. Für sie alle wollen wir leuchten und brennen. Wir wollen Licht und Orientierung und Wärme geben. Wir wollen Glauben entfachen und andere anstecken mit Begeisterung für den HERRN der Welt.
Weil er unser Licht ist und unser Dunkel erhellt, können auch wir anfangen zu strahlen und auszustrahlen in die Welt.

Dienstag, 27. Dezember 2011

Tag 22: Unter Omas

Eine unserer alten Schwestern beim Rosenkranzbeten
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Mir ist heute bewusst geworden, dass ich hier mit einigen Omas zusammen lebe. Dabei ist Omas in keiner Weise abwertend, sondern liebevoll gemeint.
Es soll auch nicht respektlos und verniedlichend verstanden werden, aber rein biologisch muss man doch zugeben, dass etliche Schwestern in einem Alter sind, in dem sie problemlos (meine!) Großmütter sein könnten. Wobei es nicht das Alter war, das mir heute aufgefallen ist, sondern so manche Eigenarten. Natürlich ist klar, dass wir alle, in jedem Alter, unsere Macken haben. Aber beim Beobachten, wie eine Schwester ihr Brot in den Tee tunkte, weil sie mit den dritten Zähnen nicht mehr so fest beißen kann, musste ich unwillkürlich an ein Kind denken, das im Gespräch mit Freunden sagt: „Meine Oma macht immer...“
Irgendetwas hat jede Oma immer gemacht. Es sind Kleinigkeiten, Besonderheiten, die mich immer wieder schmunzeln lassen. Das kann die unglaubliche Menge Zucker sein, die im Frühstückstee versenkt wird, oder das Apfelmus im Glas, das mit Wasser gemischt getrunken wird, oder der Zucker, der über die Nudeln verteilt wird, oder die Brotkruste, die zum beißen in gleichmäßigen Abständen eingeschnitten wird, oder, oder....
Ich habe das Gefühl, dass man über die Oma immer sagt, was sie immer tut, während man von der Mutter vor allem im Gedächtnis behält was sie immer sagt.
Jeder hat Angewohnheiten nicht nur das Handeln, sondern auch das Denken und Sprechen betreffend. So gibt es zu jedem auch bestimmte Themen und Sätze, die so typisch für diese Person sind, dass man sie ganz unwillkürlich mit ihnen verbindet.
In mehrfacher Hinsicht habe ich hier nicht nur viele Schwestern, sondern auch viele Mütter und Großmütter gefunden. Wobei diese Bezeichnungen fast nie exklusiv sind - oft finden sich zwei oder alle drei in einer Person.
Und jede einzelne habe ich fest ins Herz geschlossen.

Freitag, 23. Dezember 2011

Lectio: Dankbarkeit

Ein Ausschnitt aus dem Buch: "Erfüllt von Gottes Licht - Eine Spiritualität des Alltags" von Piet van Breemen:
"Dankbarkeit schafft eine positive Einstellung dem Leben gegenüber und erschließt eine frohe Art und Weise, Gott in allem zu finden. Dankbare Menschen sind angenehme Menschen, mit denen wir alle gern zu tun haben. Es sind Menschen, die das Leben glücklicher und reicher machen - ihr eigenes und das Leben anderer; Menschen, die auch unter schwierigen Umständen den Mut nicht verlieren, sondern ihr Herz wachsam halten gegenüber den finsteren Mächten, die uns in die Tiefen ziehen möchten. Wenn einem Menschen die Dankbarkeit zur zweiten Natur geworden ist, braucht man sich um seine psychische Gesundheit keine großen Sorgen mehr zu machen. Man kann nicht dankbar und unglücklich zugleich sein.
Dankbarkeit besagt, dass ich jemanden in mein Leben eintreten lasse. Das früher häufiger gebrauchte Wort französischen Ursprungs, Präsent, deutet an, dass der Geber in meinem Leben präsent, anwesend, ist. Und das ist auch der eigentliche Grund des Geschenkes: Der Schenkende möchte dem Beschenkten gegenwärtig sein. Ein Geschenk wirklich annehmen heißt, den Schenkenden zulassen."

Damit möchte ich allen ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen. Der Friede Gottes möge Einzug halten in allen Herzen und wenn die Augen glänzen beim Anblick der Geschenke unter dem Weihnachtsbaum, dann denkt daran, dass das größte Geschenk in dieser Nacht von Gott selbst kommt - dass es Gott selbst ist.

Tag 21: Rückzug

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Mit Reif überzogenes Gras in der Morgensonne
Es ist kalt geworden. Richtig kalt. Schaut man morgens aus dem Fenster, ist alles mit weißem Reif bedeckt. In unserer Kirche, die nicht heizbar ist, beginnt man langsam dem Atem zu sehen. Und es zieht von einer Seite so kalt, dass ich ein ganz steifes Genick bekommen habe. Ich freue mich schon auf den ersten Advent, wenn wir zum Chorgebet umziehen ins Warme.
Und ich freue mich auf den ersten Schnee. Ich weiß, dass er mit Wehmut verbunden sein wird, aber trotzdem wunderschön. Das erinnert mich daran, dass der Raum, in dem unsere Chorkleider und Chormäntel hängen Flockenkammer heißt. Als Novizin bin ich komplett weiß, wie eine Schneeflocke. Oder, wenn man meine Statur bedenkt, vielleicht eher wie ein Eisbär. Auch faszinierende Tiere, die ein dickes Fell haben und die meiste Zeit alleine verbringen.
Die Zeit in der Einsamkeit liebe ich besonders. Es ist etwas wunderbares, dass das Klosterleben einem so viel Zeit für sich ermöglicht. Zeit um zur Ruhe zu kommen, zu lesen, nachzudenken und vor allem zu beten. Bei Gott zu sein und seine Gegenwart zu erspüren. Sich IHM ganz hin zu halten und von IHM alles erhalten. Gnade in Fülle. Freude aus der Tiefe. Kraft für alle Herausforderungen. Es sind die Stille und die Einsamkeit, die frei und offen machen, die klar sehen lassen und mir helfen mich zu finden. Gott zu finden. In mir.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Tag 20: Verpflichtet

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mein zweiter selbst-geknüpfter Mini-Rosenkranz
Es heißt ja, dass Adel verpflichtet. Das, was man damit zum Ausdruck bringt ist, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe von Menschen ein bestimmtes Verhalten verlangt. Das gilt selbstverständlich auch für die Gruppe von Menschen, die sich als Christen bezeichnen. Das Bekenntnis zum HERRN verlangt von uns ein dem entsprechendes Leben. In noch einmal verstärkter Weise erwartet man das entsprechende Tun von denjenigen, die sich öffentlich dazu bekennen ihr ganzes Leben radikal vom Evangelium her bestimmen zu lassen. Da wir als Ordensleute genau dies mit dem Tragen unserer Ordenskleidung tun, könnte man auch sagen, dass der Habit verpflichtet.
Unsere Äbtissin erzählte uns einmal von einem Mönch, der in zivil in eine Videothek ging. Er ging in die Erwachsenenabteilung und weil er sich (zu Recht!) schämte einen pornographischen Film auszuliehen, klaute er ihn. Und wurde dabei erwischt.
Mit Habit wäre ihm das wohl eher nicht passiert. Das Gewand ist in der Versuchung ein gewisser Schutz, da er uns ständig an die Verhaltensnormen erinnert, zu deren Einhaltung wir uns verpflichtet haben, als wir uns für dieses Leben in der radikalen Nachfolge Christi entschieden haben.
Dabei kann es natürlich nicht darum gehen, dass wir tun, was richtig ist, allein weil die anderen es erwarten. sondern dass wir es aus innerer Überzeugung tun, egal ob jemand anwesend ist um unser Tun zu bewerten oder nicht, sondern einfach nur, weil es eben das Richtige ist. Aber es ist eben doch eine Hilfe.
Wenn ich den Habit anziehe mache ich mir bewusst, was die Konsequenzen meiner Entscheidung für das Ordensleben sind. Ich kann nicht mehr alles tun und lassen wonach mir gerade der Sinn steht. Nicht weil es mir irgendwer verbietet, sondern weil ich dieses Leben wähle – mit allem, was dazu gehört.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Tag 19: Frühling im Herzen

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Herbstlaub im Garten
Das war eine seltene Leistung. Ich habe das Lern-Pensum, das ich mir für den Tag vorgenommen hatte geschafft. Jede freie Minute habe ich gelesen. Jetzt bin ich total müde. Man glaubt gar nicht wie ermüdend das sein kann.
Gestern im Garten habe ich mir die erste Zecke eingefangen seit ich hier bin. Draußen beobachtet man im Moment nur Sterben. Alle Blätter fallen zu Boden und auch die letzten und hartnäckigsten Blumen geben es nach und nach auf. Alles Leben zieht sich zurück.
In meinem Inneren fühle ich mich im Moment eher ein paar Monate voraus im Frühling. Da ist noch nicht die Fülle und Vielfalt des Sommers, aber auch nicht die Kälte und Trostlosigkeit des Winters. Es sind gerade die ersten Tage, an denen die Sonne an Kraft gewinnt. Man kann erahnen, dass vieles im Werden ist und bald hervorbrechen wird; dass Neues entsteht und wächst. Nach und nach wird das überall erwachende Leben spürbar. Es ist noch nicht viel zu sehen, aber es liegt Verheißungsvolles in der Luft.
Ich bin ein junger Mensch, der sich noch nicht selbst voll gefunden und fest definiert hat. Aber ich habe die Entscheidung getroffen, dass ich mich auf meinem Weg zu mir selbst von einem anderen prägen lasse. Dass ich mich auf IHN einlasse um mich in IHM zu finden und mich von IHM her zu definieren.
Bedenkt man, dass mir nur dieses eine Leben gegeben ist, so ist es ein Wagnis. Sieht man allerdings, dass ER mich von Ewigkeit her geliebt hat und mich besser kennt, als ich mich selbst, so ist es eine logische Konsequenz. Ich überlasse mich IHM und vertraue IHM von ganzem Herzen.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Tag 18: Regentag

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völlig unbeeindruckt vom Wetter - unsere Enten
So langsam werde ich richtig als Nonne eingekleidet – auch mit allem Zubehör. Gestern durfte ich Wintermäntel probieren und heute, passend zum Wetter, noch einen Regenmantel. Selbstverständlich ist alles schwarz und knöchellang.
Jeden Tag während meines Noviziates – so ist zumindest der Plan – gehe ich mindestens eine halbe Stunde raus in den Garten. Bisher war es nie ein Problem und es tut einfach gut. Heute war es das erste Mal, dass es dabei so richtig geschüttet hat. Auch das war herrlich. Einfach mit Regenjacke und Kapuze da zu stehen und zu beobachten, wie Wasser in Wasser fällt (der Regen in unseren Forellenteich) und Kreise zieht - einfach schön. Wasser hat etwas unheimlich Beruhigendes und Faszinierendes.
Auch den Enten machte das Wetter überhaupt nichts aus und es waren sogar einige Schwestern im Garten bei der Arbeit zu entdecken.
Fast täglich steht für uns am Nachmittag Noviziatsunterricht auf dem Programm. Dabei haben wir Fächer wie: Liturgie, Hausgebräuche, Theologie, Haus- und Ordensgeschichte und die Regel des Hl. Benedikt. Ich habe sogar bei meinem Ordenseintritt einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, in dem diese Inhalte und versicherungstechnische Dinge geregelt wurden. Ich befinde mich also ganz offiziell gerade in der Ausbildung zur Ordensfrau. Sicher eine Ausbildung mit schlechter Bezahlung, aber dafür umso besseren Chancen auf Übernahme in einen unbefristeten Vertrag...

Montag, 19. Dezember 2011

Tag 17: Neuer Auftrag - Lernen!

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Heute Mittag in unserem Kloster-Garten.
Ein rundherum sonniger Tag. Draußen im Garten und drinnen im Herzen. Nach dem Frühstück und nach dem Abendessen habe ich die alten Schwestern auf der Krankenstation besucht, um einen guten Morgen bzw. eine gute Nacht zu wünschen und in der Rekreation haben wir eine Runde Canasta gespielt. Am Vormittag habe ich mich wieder vom Physiotherapeuten einrenken lassen und nachdem ich gestern eine neue Matratze bekommen habe, hoffe ich, dass es jetzt das letzte Mal war und ich in einigen Tagen keine Rückenschmerzen mehr habe.
Und putzen muss ich in der nächsten Zeit (außerhalb meiner eigenen vier Wände) auch nicht mehr.
Ich darf den Würzburger Fernkurs machen und in etwa fünf Wochen ist die mündliche Prüfung des Grundkurses. Das Lernen, das deshalb für mich in den nächsten Wochen auf dem Programm steht, verlangt noch etwas Übung. Immer wieder flüchte ich in die Zerstreuung. Beim Putzen letzte Woche gab es ganz klare Vorgaben, was jeweils an einem Tag vollbracht werden muss. Jetzt muss ich mir in jeder Woche und an jedem Tag selbst einteilen wie viel und was ich lerne. Vom Studium her weiß ich schon, dass das umso besser klappt je näher der Prüfungstermin rückt...
Ich fürchte, dass es schon etwas anders sein wird, als Ordensfrau geprüft zu werden, als vorher. Wenn es um mein Fach gehen würde, da würde ich mich sicher fühlen und die meisten Leute überraschen. Aber es geht um Theologie und da erwarten die Leute automatisch, dass ein Nonne sich auskennt - dabei bin ich doch noch totaler Anfänger. Ich hoffe ich schaffe es den Stoff gut durchzuarbeiten und mich nicht zu blamieren.

Samstag, 17. Dezember 2011

Lectio: Augustinus über das Wort

Hier ein kleiner Abschnitt aus einer Predigt des heiligen Augustinus, den ich sehr schön finde. Die Predigt handelt von Johannes dem Täufer, der Stimme, die in der Wüste ruft. Augustinus meditiert darin die Begriffe Wort und Stimme und er sagt:
"Wenn ich denke, was ich sagen will, ist das Wort schon in meinem Herzen. Wenn ich aber zu dir sprechen will, suche ich, wie das Wort auch in dein Herz eintreten kann, das in meinem schon vorhanden ist. Während ich überlege, wie das Wort meines Herzens zu dir gelangen und in deinem Herzen wohnen kann, nehme ich die Stimme zu Hilfe und spreche zu dir; der Klang der Stimme bringt den Sinn des Wortes zu dir. Wenn der Klang den Sinn zu dir getragen hat, vergeht der Laut; das Wort aber, das der Laut zu dir gebracht hat, ist in deinem Herzen, ohne mein Herz verlassen zu haben."
Damit wünsche ich allen einen gesegneten vierten Advent. Denken wir daran, dass Jesus Christus in unserem Herzen ist, ohne das Herz seines Vaters je verlassen zu haben.

Freitag, 16. Dezember 2011

Tag 16: Schildkröte sein

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mein Schildkröten-Schlüsselanhänger für den Klausurschlüssel
Es gibt so einiges zu lernen im Kloster. Eines, was man ziemlich schnell schaffen sollte, ist, sich einen dicken Panzer zuzulegen. Man darf sich nichts daraus machen, wenn über einen geredet wird. Das ist natürlich und unausweichlich. Man muss mit Kritik umgehen können, und zwar auch mit völlig ungerechtfertigter. Also nichts, keine verletzenden Worte, keine missbilligenden Blicke und keine Nicht-Beachtung darf man persönlich nehmen oder zu nah an sich ran lassen. In gewisser Weise braucht man einen Panzer wie eine Schildkröte, um das Innere zu schützen. Und gleichzeitig am Besten ein Gedächtnis wie eine Eintagsfliege was Verletzendes angeht, um nicht nachtragend zu werden. Wenn man dann noch jedes wohltuende Wort, jeden aufmunternden Blick und jedes von Herzen kommende Lächeln wie einen Schatz bewahrt und nicht vergisst, dann kann man das Zusammenleben vielleicht meistern. Es ist wirklich eine große Herausforderung auf so engem Raum in Gemeinschaft zu leben. Und damit ist nicht nur der beschränkte Platz gemeint, sondern auch die begrenzten zwischenmenschlichen Begegnungsmöglichkeiten und der strenge Tagesablauf mit all seinen Regeln.
Es gibt in einer solchen Gemeinschaft die Menschen, an denen man sich reibt, die einen stören und einem immer wieder Geduld und Großherzigkeit abverlangen. Und dann gibt es solche, bei deren Anblick einem das Herz aufgeht, die einen immer wieder zum Strahlen bringen. Letztere sind es, die die geknickten Rohre nicht abbrechen lassen; an denen man sich immer wieder neu aufrichten kann; die Kraft geben. Aber auch die Ersteren sind ein Geschenk, für das wir dankbar sein müssen, denn nur Reibung, hartnäckiges Schleifen, kann Rohdiamanten zum Funkeln bringen.
Das wichtigste ist wohl, dass man unter dem Panzer weich bleibt. Empfänglich für Gott und erfüllt von Liebe zu IHM. Wenn ER die Mitte bleibt, dann können wir alles ertragen.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Tag 15: Chormantel-Tag

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Mit Habit und Chormantel
Am Tag nach meiner Einkleidung sind alle Chorkleider in die Wäsche gegeben worden. So hatten wir zu allen Gebetszeiten nur den Habit an. Nach und nach sind die Chorkleider wieder gekommen und heute, zum Kirchweih-Tag war das erste Mal wieder am Schwarzen Brett Chorkleid angeschrieben. Ich kam damit in den Genuss mal wieder meinen Chormantel umhängen zu dürfen.
Ich liebe den Chormantel. Er ist aus herrlich glattem Stoff und man kann damit so richtig mit wehenden Fahnen dahin rauschen. Als ich ihn ausgezogen hatte, hatte ich noch eine ganze Weile das Gefühl, dass er mich umschließt. Und genau das ist das entscheidende Wort. Der weite Umhang ist ein Zeichen für die weite Liebe Gottes, die uns von allen Seiten umschließt. ER umhüllt uns mit seiner Gnade und seinem Segen.
Mit unserer Kleidung wollen wir das, was uns Tag für Tag trägt, sichtbar machen. Und zugleich erinnert sie uns immer wieder an dieses Geheimnis und führt uns durchs Äußerliche innerlich hin zu Gott. Zur Begegnung mit dem lebendigen Gott.
Das ist eins der Dinge, dich ich so wunderbar am klösterlichen Leben finde. Nichts ist einfach so. Es hat alles seinen Sinn. Seine tiefere Bedeutung. Und alles ist darauf hin ausgerichtet, dass wir in der Beziehung zu Gott wachsen. Dass wir reifen und immer mehr in die Menschen verwandelt werden, die Gott in uns sieht. Dass wir zu unserem letzten Ziel, zur Heiligkeit gelangen.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Tag 14: Alt werden

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ein altes deutsch-lateinisches Brevier
Die Predigt heute hat mir gut gefallen. Er sprach unter anderem von der Demut. Demütig zu sein bedeutet nicht gebückt herum zu laufen und sich einzureden, man könne und wisse nichts und sei nichts wert, obwohl dem nicht so ist, und man es nicht so empfindet. Die Demut ist nichts Künstliches, sondern ein Anerkennen unserer Begrenztheit. Ein offener und ehrlicher Blick auf sich selbst, der sieht, was man kann und auch was man nicht kann. Ein Einsehen der Tatsache, dass ich nicht alles kann, nicht alles weiß und für manches Hilfe brauche. Es bedeutet ein Annehmen der Grenzen und Abhängigkeiten. Ich musste dabei an unsere alten Mitschwestern denken, die in so Vielem auf fremde Hilfe angewiesen sind. Gerade vor ein paar Tagen war eine von ihnen ganz geknickt, weil ihr bewusst wurde, was sie alles nicht mehr kann. Ich glaube wir werden deshalb langsam alt, damit wir Zeit haben demütig zu werden. Solange man noch jung ist, kann man sich gut einreden unabhängig zu sein und die eigene Stärke täuscht darüber hinweg, dass man nicht alles in der Hand hat. Man meint alles tun und erreichen zu können. Die ganze Welt liegt einem zu Füßen. Dieser Zustand ist allerdings nicht von Dauer. Sei es, dass ein harter Schicksalsschlag eintrifft, der mit einem Mal klar macht, dass wir über fast nichts Macht haben, sei es, dass wir stetig mit dem Alter abbauen und mehr und mehr einsehen müssen, dass das Leben vergeht, ohne dass wir alles getan und erreicht haben.
Es gibt alte Menschen, die damit richtig gut umgehen, die die Hilfe gerne annehmen und kein Problem mit ihrer Situation haben. Die allermeisten unserer alten Mitschwestern sind solche durchweg positiven und vorbildhaften Beispiele. Andere dagegen werden grob, unfreundlich und misstrauisch. Ich habe mich manchmal gefragt woran das liegt.
Ich glaube in der Demut liegt der Schlüssel. Wir müssen wahre Demut erlernen um in Würde und liebenswürdig zu altern. Die Demut lässt uns in unseren Grenzen glücklich sein, statt ständig ohnmächtig dagegen anzurennen und Frustration auszulösen.
Die Demut ist es, die die weisen Alten von den grantigen Alten unterscheidet.

Dienstag, 13. Dezember 2011

Tag 13: Näh-Tag

Jedes meiner Kleidungsstücke muss mit meiner Nummer versehen werden.
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Es war schwer. So richtig schwer. Aufzustehen. Ich hatte das Gefühl, dass mir alles weh tut und ich so erledigt bin, dass ich einfach nicht aufstehen kann. Irgendwie habe ich es doch geschafft. Ich glaube fast, dass der ganze Himmel mit allen Engeln und Heiligen mithelfen musste um mich aus dem Bett zu scheuchen. Mein Blick fiel auf den Gekreuzigten und ich gab IHM meinen Tag und meine Liebe - das gab mir genug Kraft.
Nach dem Frühstück habe ich mich dann aber nochmal hingelegt. Ich wusste, dass der Vormittag nicht so gefüllt sein würde, wie die letzten und dachte mir: es reicht auch noch um acht Uhr anzufangen zu arbeiten. Als dann der Wecker wieder geklingelt hat, war es noch schwerer aufzustehen, als beim ersten Mal. Beim ersten Mal wusste ich ja: ich stehe auf um in den Chor zu gehen und Gott zu loben und zu preisen. Diesmal wusste ich, ich muss aufstehen, um zu putzen. Wiederum war es nur der Blick auf den HERRN und das sprechen mit IHM: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“, was mich hochgebracht hat.
Und dann, als ich angefangen hatte zu putzen, war es überhaupt nicht schlimm. Mit Freude im Herzen, einem Lied auf den Lippen und einem Lächeln für alle, die mir begegneten erledigte ich meine Arbeit und hatte danach sogar noch eine Stunde Zeit, um diverse Kleidungsstücke einzumerken. All unsere Wäsche wird zusammen gewaschen. Um sie auseinander halten zu können, hat jede von uns eine Nummer. Und diese Nummer muss in alles eingenäht werden. In jeden einzelnen Socken. Ganz fertig bin ich noch nicht, aber so langsam bekomme ich Übung.
Während der Messe heute hatte ich total Hunger. Bei jedem Wort des lateinischen Magnifikats kam mir ein anderes Gericht in den Sinn. Je nachdem, nach was es klang. Naja, das zeigt wohl nur, dass ich noch weit davon entfernt bin Latein zu können.

Montag, 12. Dezember 2011

Tag 12: Frei sein

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ein Stück der Klausurmauer
Im Noviziat zu sein bedeutet vor allem eines: Frei zu sein. Ich bin noch an kein Versprechen gebunden und könnte jeden Tag, jeden Augenblick sagen: „Es ist doch nicht das meine, ich gehe wieder.“ Aber nicht nur in dieser Hinsicht bin ich frei. Ich bin auch frei von allen Sorgen um das tägliche Brot, das monatliche Einkommen, die Kleidung und vieles mehr. Und frei von allen sozialen Verpflichtungen außerhalb des Klosters. Das klingt vielleicht blöd, aber es ist wirklich ein Stück Freiheit. Ich kann mich über Post, die kommt einfach nur freuen, ohne dass ich danach Wochen lang mit einem schlechten Gewissen herum laufen muss immer mit dem Gedanken: „ Ich müsste eigentlich endlich mal antworten...“ Es weiß jeder Bescheid, dass ich einfach mal für ein Jahr nicht antworten darf und werde. Heute kam der erste Brief für mich an, der an meinen neuen Namen adressiert war. Von jemanden, den ich kaum kenne und von dem ich keine Post erwartet habe. Und es war nicht die erste Post dieser Art. Es ist spannend, wer sich da plötzlich so alles bei einem meldet.

Die Frage, die sich natürlich stellt ist: Frei sein wofür? Darauf gibt Benedikt ganz klar Antwort: Frei sein (vacare) für Gott. Ich mache mich frei um ganz für ihn da zu sein. Ihm meine Aufmerksamkeit und meine Liebe zu schenken. Das heißt nicht, dass ich den ganzen Tag nichts zu tun hätte und ohne Unterlass in der Kirche wäre. Nein, meine Tage sind gefüllt. Meist randvoll. Aber bei all dem was ich zu tun habe bleibe ich innerlich frei für Gott. Mein ganzer Alltag soll mir helfen mich immer wieder neu an IHM auszurichten.

So ist das Noviziat wirklich eine kostbare Zeit, die eine Freiheit schenkt, welche viele in der Welt nicht als solche erkennen, die jedoch viel wertvoller ist als jene von allen so hoch geschätzte Freiheit immer und überall tun und lassen zu können, was man gerade will.

Freitag, 9. Dezember 2011

Tag 11: Kleidungs-Tücken

Eine einfache Rechnung im Kloster
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Es ist kalt geworden. Beim Gang durch den Garten und auch am Chor musste ich ein Jacke anziehen. Das an sich ist ja noch nicht tragisch. Eine schön mummelige Fleece-Jacke ist was feines...gäbe es da nicht ein Problem: den Schleier! Man kann sich kaum vorstellen, wie der an diesem Material klebt. Die ganze Zeit hat man das Gefühl, dass jemand hinten am Schleier zieht und man traut sich kaum den Kopf zu bewegen, weil man denkt, dass man sonst jeden Augenblick „oben ohne“ dasteht.
Auch sonst bietet so manche Gelegenheit für Versehen. Die Ärmel sind zum Beispiel bis zum Ellenbogen doppelt. Dort sind sie an zwei Stellen angeheftet. Wirklich ideal um an Türgriffen und ähnlichem hängen zubleiben. Das geschieht dann meist auch noch so schwungvoll, dass der Faden reißt und man den Ärmel neu anheften muss. Das ist mir letzte Woche innerhalb weniger Stunden gleich zwei mal passiert.
Das Skapulier ist wieder eine Sache für sich. Es bleibt schon mal schnell in einer Schublade stecken und beim Hinsetzen und Hinknien muss man gut aufpassen, dass man es schön glatt ausbreitet, damit man nicht lauter Falten rein drückt. Sonst heißt es hinterher: „Wie laufen Sie denn herum?“
Aber es bleibt dabei: Ich fühle mich schrecklich wohl in meinem neuen Gewand und gebe es nicht mehr her. Es ist total bequem, es sieht gut aus und so langsam lösen sich sogar die Verspannungen in meinen Schultern.
Und heute hatte ich beim Putzen ein echtes Vorher-Nachher-Erlebnis. Dafür muss man einfach nur die Fenster auf einer Baustelle putzen...

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Tag 10: Putztag

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einer unserer Treppenaufgänge
Staub wischen, Staub saugen, abstauben. Ich glaube ich habe noch nie so viel geputzt an einem Tag wie heute. Das komische dabei war, dass alles vorher sauber aussah und hinterher sauber aussah, aber das Wasser hinterher dreckig war. Es hat wahrscheinlich doch seine Berechtigung, dass alles so oft geputzt wird. Als ich anfing dachte ich, ich werde damit nie fertig. So viele Räume, Treppen und Gänge. Ich musste einfach an einer Stelle loslegen und Schritt für Schritt weitermachen im Vertrauen darauf, dass ich so irgendwann an meinem Ziel ankomme. Und auch wenn es mir oft elend langsam vorkam, so Stückchen für Stückchen, so hatte ich doch nach Stunden endlich alles geschafft. Man scheint doch weit zu kommen, wenn man beharrlich dabei bleibt.
Auch in meinem geistlich Leben muss ich das lernen. Allzu oft habe ich es zu eilig und will sofort am Ziel angekommen sein. Ich muss lernen geduldig Schritt für Schritt zu gehen und beharrlich dabei zu bleiben im Vertrauen darauf irgendwann anzukommen.
Zwischendurch ließ ich mich dann noch kurz vom Physiotherapeuten in die Mangel nehmen, der eine Gelenkblockade gelöst hat, die mir die letzten drei Wochen Rückenschmerzen bereitet hat. Immer wieder hat er gesagt ich soll keine Angst haben. Es ist verrückt, aber irgendwie hatte ich Angst, dass es hinterher mehr weh tun könnte als vorher. Wir sind scheinbar lieber bereit bei dem zu bleiben, was wir kennen (selbst wenn es Schmerzen sind), als dass wir uns vertrauensvoll auf etwas völlig Unbekanntes einlassen. Das ist eine Tatsache, die ich mir immer wieder bewusst machen muss, um dieses Leben in der rechten Weise zu führen. Da es im Grunde genau dies verlangt: ein ständiges vertrauensvolles Einlassen auf den Unbekannten. Den Unbegreifbaren. Den Undenkbaren. Aber auch den ganz Nahen.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Tag 9: Schuhlos

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Füße einer Nonne
Ich und meine Füße, wir lieben es auf Schuhe zu verzichten. Deshalb konnte ich heute gar nicht anders, als barfuß in den Garten gehen, als ich sah, wie die Sonne scheint. Es war einfach wunderbar. Obwohl ich glaube, dass ich ein paar Bauarbeiter ziemlich irritiert habe. Die haben vielleicht geschaut. Als hätten sie noch nie jemanden ohne Schuhe gesehen. Eine Nonne ist doch auch nur ein Mensch. Manchmal denke ich, dass es richtig schade ist, wie normal das Klosterleben ist, wenn man drin steckt. Wenn man nur mal für kurz reinschnuppert, oder irgendwo eine Nonne oder einen Mönch sieht, dann hat man direkt Ehrfurcht. Irgendwie ist das was ganz Besonderes. Wenn man aber in einem Kloster lebt und Tag für Tag nur Nonnen um sich hat, dann verliert es die Außergewöhnlichkeit. So freue ich mich jedes mal, wenn es mich wieder umhaut und mir klar wird, dass ich in einem Kloster bin. Wenn die Schwestern in Zweierreihen vor mir zum Refektor (der Speisesaal im Kloster) ziehen oder wenn ich die Sonne auf dem Wasser des Brunnens im Kreuzgarten funkeln sehe. Dann wird mir wieder bewusst, dass es ein besonderes Leben ist. Ein - wie ich finde - besonders Schönes.

Nach meinen Runden in die verschiedensten Winkel des Gartens habe ich mich in die Wiese gelegt und den Sonnenschein auf meinem Gesicht genossen. Man hätte fast meinen können es wäre mitten im Sommer. 
Als ich dann aber im Chor während der Vesper meinen Füßen kurz etwas Freiheit gönnen wollte und sie neben die Schuhe stellte, bekam ich gleich einen Rüffel von der Seite: „Schuhe anlassen!“

Naja, damit muss ich wohl leben. Als ich noch Kandidatin war, gingen meine Röcke bis auf den Boden und keiner konnte es sehen, wenn ich unten Frischluft tankte, aber mit dem Habit geht das nicht mehr. Aber lieber heiße Füße, als keinen Habit!

Dienstag, 6. Dezember 2011

Tag 8: Gottes Kind

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meine neue Kerze
Vorneweg ein bisschen was Kulinarisches. Heute Mittag gab es Kartoffelbrei mit Mandarinen. Gut, ich gebe zu: es gab grünen Salat mit Mandarinenstücken und Kartoffelbrei mit Fleisch und Soße. Da ich aber gerne meinen Salat mit dem Kartoffelbrei mische, gab es für mich eben genau dies: Kartoffelbrei mit Mandarinen. Eine interessante Mischung. Eigentlich gar nicht so schlecht.
Zum Abendessen gab es dann gebackenen Käse mit Pfirsisch. Auch nicht schlecht. Es gibt immer wieder mal was Neues hier für meinen Gaumen. Das ist glaube ich auch ganz gut so. Da man sich ja nicht aussuchen kann, was man isst, wäre es furchtbar jede Woche immer nur das gleiche vorgesetzt zu bekommen.
Diese Kerze habe ich heute, an meinem Oktav-Tag, geschenkt bekommen. Zur Einkleidung - von jemandem, der leider nicht dabei sein konnte. Auf der Rückseite stehen das Datum meiner Einkleidung und mein neuer Name und darüber steht: „Freu dich, Gott ist bei dir“
Das kann ich wirklich. Mich freuen und glücklich schätzen. Ich bin ein Kind, das der Sonne entgegen läuft. Ein Kind, das sich der Ewigkeit beim Vater entgegen streckt. Das weiß um Seine bedingungslose Liebe und Güte. Sein Kind zu sein heißt wirklich geliebt zu sein. Und zwar genau so, wie ich bin. Ich muss mich nicht verstellen oder gar erst perfekt werden. Er liebt mich jetzt, mit allem, was ich bin und Er hat mich schon immer geliebt. Während meiner Exerzitien hat mich diese Erfahrung ziemlich umgehauen. Als mir klar geworden ist, wie sehr Er mich liebt, auch in allem, was ich falsch mache, kamen mir die Tränen. Ich habe geweint vor Glück und Dankbarkeit. Gott ist bei mir und ich bin nie allein.

Montag, 5. Dezember 2011

Tag 7: Singtag

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alte handgeschriebene Choralnoten
Viele Dinge mache ich so oft und viel wie selten zuvor. Zum Beispiel das Umziehen. Vor meiner Einkleidung habe ich morgens vom Schlafanzug in Tageskleidung gewechselt und am Abend wieder zurück. Jetzt ziehe ich morgens meinen Habit an, dann nach dem Frühstück meine Kleiderschürze zum Arbeiten, zum Mittagsgebet und Essen wieder den Habit, danach wieder die Kleiderschürze für in den Garten, für den Unterricht am Nachmittag und das „Abendprogramm“ (also Vesper, Abendessen, Rekreation und Komplet) wieder den Habit und am Schluss wieder in den Schlafanzug. Und jedesmal tue ich es mit Hingabe und Freude. Im Ernst: Ich hatte noch nie so viel Freude daran mich umzuziehen. Diese Gewänder anlegen zu dürfen ist wirklich etwas Besonderes.

Etwas anderes, das ich jetzt öfter tue als vorher ist das Singen. Heute war es so viel wie wohl noch nie. Abgesehen von dem, was wir beim Chorgebet sowieso gemeinsam singen, hatten wir am Vormittag Singstunde für das Noviziat. Anschließend hatte ich meinen ersten Einzelunterricht als Vorbereitung auf meinen nahenden Chordienst und am Abend war Chorsingstunde, zu der ich ab jetzt auch immer gehen soll. So langsam werden mir diese schwarzen Quadrate vertraut, die mir am Anfang so fremd waren. Und so schön moderne Lieder sein mögen, auf den Choralgesang möchte ich nicht mehr verzichten. Er hat so etwas Geheimnisvolles und Erhebendes, etwas Feierliches und Friedliches, das einen nicht „außer sich bringt“, sonder tiefer in sich lockt und die Türen des Herzens für Gott aufschließt.

Samstag, 3. Dezember 2011

Lectio: Das Fundament des christlichen Lebens

Mit dem folgenden Textausschnitt und seiner Kernaussage Gott statt seiner Werke zu wählen, möchte ich euch allen einen gesegneten zweiten Adventssonntag wünschen. Vertraut IHM und lasst euch von IHM neu in eurem Glauben und in eurer Hingabe stärken!
Der Text ist aus dem Buch "Hoffnung die uns trägt - Die Exerzitien des Papstes" von F. X. Nguyen van Thuan:

"Während meiner langen Qual von neun Jahren Isolationshaft, in einer Zelle ohne Fenster, manchmal tagelang elektrischem Licht ausgesetzt, manchmal in der Finsternis, hatte ich das Gefühl, in der Hitze und Feuchtigkeit zu ersticken, und ich war nahe daran, den Verstand zu verlieren. Ich war ein noch junger Bischof, mit acht Jahren pastoraler Erfahrung. Ich konnte nicht schlafen. Der Gedanke, die Diözese verlassen zu müssen, so viele Werke, die ich für Gott begonnen hatte, zugrunde gehen zu lassen, folterte mich. Mein ganzes Sein war von Auflehnung geschüttelt.
Eines Nachts hörte ich aus der Tiefe meines Herzens eine Stimme, die zu mir sagte: 'Warum quälst du dich so? Du musst unterscheiden zwischen Gott und den Werken Gottes. Alles, was du begonnen hast und fortsetzen möchtest - Pastoralbesuche, Ausbildung von Seminaristen, Ordensleuten, Laien Jugendlichen, der Bau von Schulen, von Foyers für Studenten, Missionen für die Evangelisierung der Nichtchristen - all das ist ein ausgezeichnetes Werk, es sind Werke Gottes, aber sie sind nicht Gott! Wenn Gott will, dass du das alles loslässt, dann tu es sofort, und hab Vertrauen auf ihn! Gott wird die Dinge unendlich viel besser tun als du. Er wird seine Werke anderen anvertrauen, die wesentlich fähiger sind als du. Du hast allein Gott gewählt, nicht seine Werke!'
Dieses Licht hat mir einen neuen Frieden gebracht, der meine Denkweise völlig veränderte und mir half, physisch eigentlich unerträgliche Momente zu überstehen. Von jenem Augenblick an erfüllte eine neue Kraft mein Herz, und sie hat mich all die 13 Jahre meiner Gefangenschaft hindurch begleitet. Ich spürte meine menschliche Schwäche, erneuerte diese Wahl angesichts schwerer Situationen, und der Friede hat mich nie verlassen.
Gott wählen, und nicht die Werke Gottes. Das ist das Fundament des christlichen Lebens, zu allen Zeiten. Und es ist gleichzeitig die gültigste Antwort auf die Welt von heute. Es ist der Weg, auf dem sich die Pläne des Vaters für uns, für die Kirche und für die Menschheit unserer Zeit verwirklichen können."

Freitag, 2. Dezember 2011

Tag 6: Mein Herr und Gott

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Rose im Klausurgarten
Wir hatten heute wieder Latein-Unterricht. Beim mündlichen Übersetzen von Beispielsätzen habe ich so konsequent die Worte Dominus und Deus mit der jeweils anderen Bedeutung übersetzt, dass ich die anderen zum Lachen gebracht habe. Aber irgendwie hat das ja nur gezeigt, dass es für mich wirklich das gleiche ist, dass es für mich nur einen Herrn gibt, meinen Gott. Keine anderen Herren, die über mich herrschen und keine anderen Götter, die ich anbete, haben in meinem Leben Platz. Nur dem dreieinigen Gott, dem Schöpfer aller Dinge, der Mensch geworden ist, um uns alle zu erlösen, gehöre ich.

Bei meinem Spaziergang im Garten kam ich heute an dieser gelben Rose vorbei, die Erinnerungen an meine Exerzitien geweckt hat. Jeden Tag kam ich an genau diesem Strauch vorbei und habe mich an einer Rosenblüte erfreut und beobachtet, wie sie sich immer weiter entfaltet. Heute war sie abgeschnitten, aber dafür hatte sich nun diese entfaltet. Alles hat seine Zeit.

Die Exerzitien waren eine ganz intensive Zeit randvoll mit Gottes Nähe und Gesprächen mit IHM. Verglichen damit ist die Woche, die nun hinter mir liegt richtig leer und trocken gewesen. Ich habe das Gefühl, dass die Exerzitien und dann der Tag meiner Einkleidung so reich an Gnaden waren, dass ich im Moment gar nicht mehr aufnahmefähig bin und erstmal eine Weile davon zehren muss, bevor ich mich wieder neu füllen lassen kann. Ich weiß, dass ER uns unendlich beschenken kann, aber ich merke, dass ich mich nur allzu begrenzt beschenken lassen kann. Als endliches, kleines Geschöpf trete ich vor meinen Schöpfer. Und bitte IHN, dass ER mich öffne und entfalte, dass ich so wie die Blume dann immer mehr Sonne aufnehmen kann, immer mehr seiner Gnade in mein Herz strömen lassen kann.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Tag 5: Zur Ehre Gottes

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Krönchenmuttergottes
Wir befinden uns am Beginn des Monats Oktober. Und das ist, meiner Meinung nach ein ganz besonders schöner Monat. Die Natur draußen wird rot-golden und jeden Abend nach der Komplet beten wir gemeinsam einen Rosenkranz. Dabei sind alle Lichter aus, und nur die Kerzen vor unserem Marienbild brennen. Einen besseren Ausklang des Tages kann man sich kaum vorstellen.
Es gibt in unserem Haus den Brauch, dass eine Marienfigur, die sogenannte Krönchenmuttergottes, jeden Monat eine andere Schwester besucht. Die Aufgabe der Novizin ist es immer die Muttergottes mit einer Kerze zu der jeweiligen Schwester zu begleiten. Am Tag meiner Einkleidung kam diese Marienfigur zu mir. Das war und ist richtig schön. Man zieht vorher einen Zettel aus einem kleinen Schatzkästchen, auf dem eine Tugend vermerkt und umschrieben ist, um die man dann in diesem Monat besonders bittet. Ich zog die Tugend des Eifers für die Ehre Gottes. Ich musste sofort daran denken, wie eine meiner Freundinnen auf mein Interview reagiert hat. Sie meinte ganz spontan: „Was meinst du, wie du damit für die Ehre Gottes wirken kannst!“
Ich freue mich sehr, dass ich ausgerechnet diese Tugend gezogen habe. Gottes Ehre zu mehren soll mein erstes und wichtiges Streben sein. So bitte ich nun jeden Tag gemeinsam mit meiner himmlischen Mutter, dass mir Gott die Gnade dieser Tugend schenken möge.

Mittwoch, 30. November 2011

Tag 4: Schwer zu tragen

Mein Habit auf der Waage
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Wie gesagt, ich fühle mich in meinem Habit rundum wohl und möchte ihn um nichts in der Welt mehr hergeben. Aber: Seit ich ihn habe sind meine Schultern total verspannt. Als mir der Gedanke kam, dass es daran liegen könnte, dass jetzt das Gewicht all meiner Kleidung auf eben jenen lastet, wollte ich wissen wie schwer meine neues Gewand denn nun eigentlich ist. Ich habe mich also einmal mit Unterrock, Habit und Skapulier gewogen und einmal ohne. Es sind tatsächlich 1,5 kg, die diese drei Dinge auf die Waage bringen. Zum Vergleich: Ein T-Shirt und die Kleiderschürze (also die Arbeitskleidung) wiegen gerade mal 400 Gramm. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es eigentlich ein ganz schönes Bild. Wenn ich zum Gebet gehe, habe ich jetzt schwerer zu tragen, als ich gewohnt bin. Das kann mich immer wieder daran erinnern, dass ich nicht nur mich selbst und meine Sorgen vor Gott trage, sondern stellvertretend für die ganze Welt vor IHN trete und für alle bete.
Eine wirklich große Aufgabe, aber auch eine Ehre. Und es ist gut zu wissen, dass es noch viele gibt, die mittragen. In und außerhalb des Klosters. Im Gebet sind wir alle miteinander verbunden.

Dienstag, 29. November 2011

Tag 3: Der Ernst des Lebens

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In unserer Klosterbibliothek
Er hat also begonnen - der Ernst des Lebens. Ließ ja nicht lange auf sich warten ;-)
Windlichter durfte ich sauber machen und in Nischen aufstellen und anschließend alte Bücher einsortieren. Was man da für Schätze entdeckt, ist immer wieder verblüffend. Bildbände mit Kupferstichen, die die Landschaften und Kulturen sämtlicher Erdteile vor hundert Jahren darstellen. Ein ebenso altes Experimentalphysikbuch mit Zeichnungen zu den Versuchsaufbauten und vieles mehr. Ich könnte Stunden zubringen diese alten Bücher zu durchstöbern. Aber der geregelte Tagesablauf im Kloster verhindert Gott sei Dank, dass ich mich total in irgendwas verliere, darüber die Zeit vergesse und den ganzen Tag zu nichts anderem komme. Wenn die Glocke schlägt heißt es alles beiseite legen und zum Chorgebet eilen.
Eine Schwester aus einem anderen Kloster, die zu Besuch war und heute wieder abgereist ist, hat sich nach dem Mittagessen auch bei mir verabschiedet und mir dabei ein Kompliment gemacht, das mich wahnsinnig gefreut hat: „Dieses Haus hat gute Schwestern verdient. Und bei Ihnen habe ich das Gefühl, dass Sie wirklich eine sind.“ Das aus ihrem Mund will schon was heißen. Sie ist nicht der Typ Mensch, der das einfach nur so sagen würde.
Eine gute Schwester. Naja, im Werden. Aber vielleicht bin ich ja auf dem richtigen Weg. Noch bin ich weit davon entfernt mich daran gewöhnt zu haben jetzt Schwester zu sein. Am Telefon musste ich heute so lange überlegen, wie ich mich jetzt melden muss, dass sich die Anwesenden schon lustig gemacht haben. Auch wenn mich jemand so anspricht fühlt es sich noch total unecht an. So als würden sie mich nur Spaßes halber so nennen, um dann bald wieder normal mit mir umzugehen. Ich rechne die ganze Zeit damit, dass der Spuk bald vorbei ist und alle plötzlich wieder meinen Taufnamen nutzen. Ich bin echt gespannt, wie lange es dauern wird, bis es richtig in mir angekommen ist, dass ich jetzt einfach wirklich so heiße. Bis der Name ganz normal ist.
Am Nachmittag hatte ich die erste richtige Lateinstunde meines Lebens. Das war toll. Ich hoffe, ich kann mir die Motivation die nächsten zwei Wochen, in denen die Lehrerin (sie ist als Gast im Kloster) im Hause ist, und darüber hinaus erhalten. Wer weiß, vielleicht kann ich dann irgendwann Texte von Bernhard im Original lesen?

Montag, 28. November 2011

Tag 2: Kranzltag

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In unserem Klostergarten
Obwohl es leider keine Kranzl mehr gibt (früher bekamen die Schwestern an ihrem Einkleidungstag einen Blumenkranz auf den Kopf gesetzt), gibt es glücklicherweise den Kranzltag noch. Und nachdem der gestrige Tag so vollgestopft war, dass ich in der Nacht kaum schlafen konnte, hatte ich ihn auch bitter nötig. Meine Novizenmeisterin meinte am Morgen: “Heute machen Sie sich mal noch einen gemütlichen Tag, ruhen sich aus und räumen auf und morgen fängt dann der Ernst des Lebens an.“
Das Wetter war passend: herrlich sonnig und unglaublich warm. Da konnte ich gar nicht anders als barfuß in den Garten gehen und die Slackline mal wieder spannen. Es war wirklich zum genießen. Ich konnte sogar noch drei andere Schwestern zu ein paar Schritten auf der Line überreden. Sie waren ziemlich begeistert und fühlten sich gleich wieder wie Kinder.
Heute gab es nochmal richtig viel Post für mich anlässlich meiner Einkleidung. Auch von Leuten, die ich nur flüchtig kenne und womit ich gar nicht gerechnet hätte. Vor allem aber ein lang ersehnter Brief aus Frankreich. Meine liebe Freundin hatte sich einige Monate nicht gerührt und ich hatte mir Sorgen gemacht. Zumindest weiß ich jetzt, dass sie noch dort ist und auch auf dem Weg ist eine Ordensfrau zu werden. Von ihr zu hören hat den sonst schon rund herum perfekten Tag abgerundet.
Die Mitschwestern haben mir alles so liebe Zeilen geschrieben und so schöne Karten vor die Tür gelegt. Ich war eine ganze Weile damit beschäftigt sie alle zu lesen. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen von nun an zu dieser Gemeinschaft zu gehören. So richtig dazu zu gehören. Schwester unter Schwestern.
Der Habit und die Kleiderschürze fühlen sich so an, als ob es schon immer so hätte sein sollen und als hätte ich sie schon ewig. Nur an den Schleier, an den muss ich mich noch gewöhnen. Immer etwas auf dem Kopf, über den Ohren, das hinten so lang runter hängt und womöglich noch an diversen Stellen drückt. Ob das wohl so wie mit einer Brille sein wird, dass man ihn irgendwann gar nicht mehr wahrnimmt?

Samstag, 26. November 2011

Tag 1: Einkleidung

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Mein Haken
Beginn eines neuen Lebens. Mit neuer Kleidung und neuem Namen. Noch fühlt sich alles komisch an und ich brauche ewig bis ich reagiere, wenn mich jemand mit meinem neuen Namen anspricht.
Aber wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, dann sehe ich plötzlich eine Schwester. Ich fühle mich ja nicht anders als vorher, aber ich sehe ganz anders aus. Und wie eine der alten Schwestern es sagte: „Viel schöner, als wie vorher!“
Die Einkleidung selbst war total schön. Und auch wenn mir danach meine ganze Familie heulend im Arm lag war ich erfüllt von unbändiger Freude. Ich habe Ja gesagt zu Gottes Ruf an mich und will mich IHM völlig überlassen. Ohne Angst. Mit grenzenlosem Vertrauen.
Und ich weiß gewiss, dass ER mir gibt, was ich brauche und dass ER mich niemals verlassen wird. Die Tage der Exerzitien haben mir nochmal neu bewusst gemacht wie endlos, pausenlos und grenzenlos SEINE Liebe zu mir ist. Ganz für IHN da sein zu dürfen ist ein gigantisches Geschenk.
Der Gottesdienst im Anschluss an die Einkleidung war auch einfach schön. Voller Dank für unseren Vater und Schöpfer.
Ich weiß, dass meiner Familie mein Schritt weh tut, aber ich hoffe, dass sie alle irgendwann sagen können, dass es eine gute Entscheidung war und sie mich dadurch nicht verloren haben. Auch mit neuem Namen und Gewand bin ich noch immer ihre Tochter, Schwester und Tante und werde es bleiben.
Ich wähle ein anderes Leben, als sie sich für mich vorgestellt haben, aber nicht, weil sie nicht gut genug gewesen wären, im Gegenteil gerade so eine geniale Familie zu haben gibt mir die Kraft diesen Weg gehen zu können. Deshalb DANKE!! an alle, die mich bisher begleitet haben und alle, die weiter für mich da sind.