Mittwoch, 30. November 2011

Tag 4: Schwer zu tragen

Mein Habit auf der Waage
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Wie gesagt, ich fühle mich in meinem Habit rundum wohl und möchte ihn um nichts in der Welt mehr hergeben. Aber: Seit ich ihn habe sind meine Schultern total verspannt. Als mir der Gedanke kam, dass es daran liegen könnte, dass jetzt das Gewicht all meiner Kleidung auf eben jenen lastet, wollte ich wissen wie schwer meine neues Gewand denn nun eigentlich ist. Ich habe mich also einmal mit Unterrock, Habit und Skapulier gewogen und einmal ohne. Es sind tatsächlich 1,5 kg, die diese drei Dinge auf die Waage bringen. Zum Vergleich: Ein T-Shirt und die Kleiderschürze (also die Arbeitskleidung) wiegen gerade mal 400 Gramm. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es eigentlich ein ganz schönes Bild. Wenn ich zum Gebet gehe, habe ich jetzt schwerer zu tragen, als ich gewohnt bin. Das kann mich immer wieder daran erinnern, dass ich nicht nur mich selbst und meine Sorgen vor Gott trage, sondern stellvertretend für die ganze Welt vor IHN trete und für alle bete.
Eine wirklich große Aufgabe, aber auch eine Ehre. Und es ist gut zu wissen, dass es noch viele gibt, die mittragen. In und außerhalb des Klosters. Im Gebet sind wir alle miteinander verbunden.

Dienstag, 29. November 2011

Tag 3: Der Ernst des Lebens

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In unserer Klosterbibliothek
Er hat also begonnen - der Ernst des Lebens. Ließ ja nicht lange auf sich warten ;-)
Windlichter durfte ich sauber machen und in Nischen aufstellen und anschließend alte Bücher einsortieren. Was man da für Schätze entdeckt, ist immer wieder verblüffend. Bildbände mit Kupferstichen, die die Landschaften und Kulturen sämtlicher Erdteile vor hundert Jahren darstellen. Ein ebenso altes Experimentalphysikbuch mit Zeichnungen zu den Versuchsaufbauten und vieles mehr. Ich könnte Stunden zubringen diese alten Bücher zu durchstöbern. Aber der geregelte Tagesablauf im Kloster verhindert Gott sei Dank, dass ich mich total in irgendwas verliere, darüber die Zeit vergesse und den ganzen Tag zu nichts anderem komme. Wenn die Glocke schlägt heißt es alles beiseite legen und zum Chorgebet eilen.
Eine Schwester aus einem anderen Kloster, die zu Besuch war und heute wieder abgereist ist, hat sich nach dem Mittagessen auch bei mir verabschiedet und mir dabei ein Kompliment gemacht, das mich wahnsinnig gefreut hat: „Dieses Haus hat gute Schwestern verdient. Und bei Ihnen habe ich das Gefühl, dass Sie wirklich eine sind.“ Das aus ihrem Mund will schon was heißen. Sie ist nicht der Typ Mensch, der das einfach nur so sagen würde.
Eine gute Schwester. Naja, im Werden. Aber vielleicht bin ich ja auf dem richtigen Weg. Noch bin ich weit davon entfernt mich daran gewöhnt zu haben jetzt Schwester zu sein. Am Telefon musste ich heute so lange überlegen, wie ich mich jetzt melden muss, dass sich die Anwesenden schon lustig gemacht haben. Auch wenn mich jemand so anspricht fühlt es sich noch total unecht an. So als würden sie mich nur Spaßes halber so nennen, um dann bald wieder normal mit mir umzugehen. Ich rechne die ganze Zeit damit, dass der Spuk bald vorbei ist und alle plötzlich wieder meinen Taufnamen nutzen. Ich bin echt gespannt, wie lange es dauern wird, bis es richtig in mir angekommen ist, dass ich jetzt einfach wirklich so heiße. Bis der Name ganz normal ist.
Am Nachmittag hatte ich die erste richtige Lateinstunde meines Lebens. Das war toll. Ich hoffe, ich kann mir die Motivation die nächsten zwei Wochen, in denen die Lehrerin (sie ist als Gast im Kloster) im Hause ist, und darüber hinaus erhalten. Wer weiß, vielleicht kann ich dann irgendwann Texte von Bernhard im Original lesen?

Montag, 28. November 2011

Tag 2: Kranzltag

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In unserem Klostergarten
Obwohl es leider keine Kranzl mehr gibt (früher bekamen die Schwestern an ihrem Einkleidungstag einen Blumenkranz auf den Kopf gesetzt), gibt es glücklicherweise den Kranzltag noch. Und nachdem der gestrige Tag so vollgestopft war, dass ich in der Nacht kaum schlafen konnte, hatte ich ihn auch bitter nötig. Meine Novizenmeisterin meinte am Morgen: “Heute machen Sie sich mal noch einen gemütlichen Tag, ruhen sich aus und räumen auf und morgen fängt dann der Ernst des Lebens an.“
Das Wetter war passend: herrlich sonnig und unglaublich warm. Da konnte ich gar nicht anders als barfuß in den Garten gehen und die Slackline mal wieder spannen. Es war wirklich zum genießen. Ich konnte sogar noch drei andere Schwestern zu ein paar Schritten auf der Line überreden. Sie waren ziemlich begeistert und fühlten sich gleich wieder wie Kinder.
Heute gab es nochmal richtig viel Post für mich anlässlich meiner Einkleidung. Auch von Leuten, die ich nur flüchtig kenne und womit ich gar nicht gerechnet hätte. Vor allem aber ein lang ersehnter Brief aus Frankreich. Meine liebe Freundin hatte sich einige Monate nicht gerührt und ich hatte mir Sorgen gemacht. Zumindest weiß ich jetzt, dass sie noch dort ist und auch auf dem Weg ist eine Ordensfrau zu werden. Von ihr zu hören hat den sonst schon rund herum perfekten Tag abgerundet.
Die Mitschwestern haben mir alles so liebe Zeilen geschrieben und so schöne Karten vor die Tür gelegt. Ich war eine ganze Weile damit beschäftigt sie alle zu lesen. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen von nun an zu dieser Gemeinschaft zu gehören. So richtig dazu zu gehören. Schwester unter Schwestern.
Der Habit und die Kleiderschürze fühlen sich so an, als ob es schon immer so hätte sein sollen und als hätte ich sie schon ewig. Nur an den Schleier, an den muss ich mich noch gewöhnen. Immer etwas auf dem Kopf, über den Ohren, das hinten so lang runter hängt und womöglich noch an diversen Stellen drückt. Ob das wohl so wie mit einer Brille sein wird, dass man ihn irgendwann gar nicht mehr wahrnimmt?

Samstag, 26. November 2011

Tag 1: Einkleidung

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Mein Haken
Beginn eines neuen Lebens. Mit neuer Kleidung und neuem Namen. Noch fühlt sich alles komisch an und ich brauche ewig bis ich reagiere, wenn mich jemand mit meinem neuen Namen anspricht.
Aber wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, dann sehe ich plötzlich eine Schwester. Ich fühle mich ja nicht anders als vorher, aber ich sehe ganz anders aus. Und wie eine der alten Schwestern es sagte: „Viel schöner, als wie vorher!“
Die Einkleidung selbst war total schön. Und auch wenn mir danach meine ganze Familie heulend im Arm lag war ich erfüllt von unbändiger Freude. Ich habe Ja gesagt zu Gottes Ruf an mich und will mich IHM völlig überlassen. Ohne Angst. Mit grenzenlosem Vertrauen.
Und ich weiß gewiss, dass ER mir gibt, was ich brauche und dass ER mich niemals verlassen wird. Die Tage der Exerzitien haben mir nochmal neu bewusst gemacht wie endlos, pausenlos und grenzenlos SEINE Liebe zu mir ist. Ganz für IHN da sein zu dürfen ist ein gigantisches Geschenk.
Der Gottesdienst im Anschluss an die Einkleidung war auch einfach schön. Voller Dank für unseren Vater und Schöpfer.
Ich weiß, dass meiner Familie mein Schritt weh tut, aber ich hoffe, dass sie alle irgendwann sagen können, dass es eine gute Entscheidung war und sie mich dadurch nicht verloren haben. Auch mit neuem Namen und Gewand bin ich noch immer ihre Tochter, Schwester und Tante und werde es bleiben.
Ich wähle ein anderes Leben, als sie sich für mich vorgestellt haben, aber nicht, weil sie nicht gut genug gewesen wären, im Gegenteil gerade so eine geniale Familie zu haben gibt mir die Kraft diesen Weg gehen zu können. Deshalb DANKE!! an alle, die mich bisher begleitet haben und alle, die weiter für mich da sind.