Mittwoch, 7. Dezember 2011

Tag 9: Schuhlos

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Füße einer Nonne
Ich und meine Füße, wir lieben es auf Schuhe zu verzichten. Deshalb konnte ich heute gar nicht anders, als barfuß in den Garten gehen, als ich sah, wie die Sonne scheint. Es war einfach wunderbar. Obwohl ich glaube, dass ich ein paar Bauarbeiter ziemlich irritiert habe. Die haben vielleicht geschaut. Als hätten sie noch nie jemanden ohne Schuhe gesehen. Eine Nonne ist doch auch nur ein Mensch. Manchmal denke ich, dass es richtig schade ist, wie normal das Klosterleben ist, wenn man drin steckt. Wenn man nur mal für kurz reinschnuppert, oder irgendwo eine Nonne oder einen Mönch sieht, dann hat man direkt Ehrfurcht. Irgendwie ist das was ganz Besonderes. Wenn man aber in einem Kloster lebt und Tag für Tag nur Nonnen um sich hat, dann verliert es die Außergewöhnlichkeit. So freue ich mich jedes mal, wenn es mich wieder umhaut und mir klar wird, dass ich in einem Kloster bin. Wenn die Schwestern in Zweierreihen vor mir zum Refektor (der Speisesaal im Kloster) ziehen oder wenn ich die Sonne auf dem Wasser des Brunnens im Kreuzgarten funkeln sehe. Dann wird mir wieder bewusst, dass es ein besonderes Leben ist. Ein - wie ich finde - besonders Schönes.

Nach meinen Runden in die verschiedensten Winkel des Gartens habe ich mich in die Wiese gelegt und den Sonnenschein auf meinem Gesicht genossen. Man hätte fast meinen können es wäre mitten im Sommer. 
Als ich dann aber im Chor während der Vesper meinen Füßen kurz etwas Freiheit gönnen wollte und sie neben die Schuhe stellte, bekam ich gleich einen Rüffel von der Seite: „Schuhe anlassen!“

Naja, damit muss ich wohl leben. Als ich noch Kandidatin war, gingen meine Röcke bis auf den Boden und keiner konnte es sehen, wenn ich unten Frischluft tankte, aber mit dem Habit geht das nicht mehr. Aber lieber heiße Füße, als keinen Habit!

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