Donnerstag, 15. November 2012

Fortsetzung folgt...

Das Tagebuch der Novizin endet hier. Aus der Novizin wurde eine Jungprofessin. Aber das Leben geht natürlich weiter. Und auch das Bloggen geht weiter - und zwar hier: nonnenleben.blogspot.de
An dieser Stelle ein dickes Danke an alle Leser hier! Es hat mir sehr viel Freude gemacht für Euch zu schreiben und ich hoffe Ihr bleibt dabei. Denn eins kann ich euch versprechen: Das Leben bleibt spannend!

Mittwoch, 14. November 2012

Tag 365: Profess

Heute während der Vesper war es soweit. Ich habe meine Profess abgelegt. Ich habe für zwei Jahre Beständigkeit Gehorsam und monastischen Lebenswandel versprochen. Nach Psalmen, Lesung und Responsorium des heutigen Hochfestes (Christkönig) wurde der Veni Creator Hymnus gesungen. 
Dann stand ich auf, trat in die Mitte und warf mich nieder. 

Prostratio - Geste totaler Hingabe
Dann fragte die Äbtissin: "Liebe Schwester, was erbittest Du?"
Worauf ich antwortete: "Die Barmherzigkeit Gottes und des Ordens." 

Nach einem Abschnitt der Regel des Heiligen Benedikt und einer kurzen Ansprache wurde ich befragt, ob ich wirklich bereit bin. Drei Fragen, auf die ich jeweils mit "Ich bin bereit" antworten musste:
"In der Taufe wurdest Du durch das Wasser und den Geist Gott geweiht. Bist du bereit, dich durch das neue Band der Ordensprofess enger an IHN zu binden?"
"Bist du bereit, Gehorsam, Beständigkeit in der Gemeinschaft und klösterlichen Lebenswandel zu versprechen, um Christus mit ganzer Hingabe nachzufolgen?"
"Bist du bereit, auf dem engen und schmalen Weg, den die Regel zeigt, entschlossen und beharrlich nach jener Liebe zu Gott und dem Nächsten zu streben, die, wenn sie vollkommen ist die Furcht vertreibt und in unsere Herzen durch den Heiligen Geist eingegossen wird?"

Auf diese Befragung folgte die eigentliche Ablegung der Profess. Ich las die von mir von Hand geschriebene Professurkunde vor und unterschrieb sie dann. Dabei hat meine Hand so gezittert, dass ich schon dachte ich schaffe es nie meine Unterschrift auf das Papier zu bringen. Aber irgendwann hatte ich es dann doch geschafft.
Unterschreiben der Professurkunde
Danach wurde der Friedenskuss ausgetauscht und ein Gebet für mich gesprochen und dann wurde ich umgekleidet. Das weiße Skapulier und Zingulum wurden durch Schwarze ersetzt. Ich glaube ich habe mich niemals so gefreut, wie in dem Moment, als mir das schwarze Skapulier übergestreift wurde. Mir war als würde ich platzen vor Freude.
Mit dem Magnifikat schloss die Vesper und es folgte die Feier mit meinen Gästen und Schwestern. Eine riesen Überraschung kam von meiner Schwester. Sie hatte mir eine Professtorte gebacken. Es war toll meine ganze Familie wiederzusehen. Dieser Tag war einfach der perfekte Abschluss meines Noviziates.
Danke an alle, die mich da durchgetragen und unterstützt haben!


meine Professtorte

Dienstag, 13. November 2012

Tag 364: Ende eines Noviziates

Christus - König - meines Lebens
Es ist soweit. 
Der Vorabend meiner Profess. 
Eine Woche wunderbarer Exerzitien liegt hinter mir und ein ganzes wunderbares Leben mit Gott vor mir. ER hat mir das Rüstzeug gegeben, um den Weg mit IHM zu gehen. Vor allem die Zusage: ICH bin da. ICH bin bei dir und ICH werde immer bei dir sein.
Was kann da noch schiefgehen?
Ich lege mich fest.
Nach dreieinhalb Jahren, die ich dieses Haus und dieses Leben jetzt kenne, entscheide ich mich. 
Ich bin mir sicher: Das ist es.

Montag, 12. November 2012

Tag 309: Altenheim oder Schule?

Es stimmt schon, wenn meine Mutter sagt, dass ich hier mit lauter alten Frauen zusammenlebe. Aber die meisten von ihnen sind unglaublich fit und rüstig für ihr Alter und ich kann so viel von ihnen lernen.
So ist es ein bisschen wie in einem Altenheim, aber für mich ist es vor allem eine Schule - meine Lebensschule.
Ich kann mir einfach nichts richtigeres vorstellen, als hier jetzt dieses Leben zu führen.
Und das geistliche Leben bleibt spannend. Immer wieder gibt es etwas zu entdecken . Dinge, die man vieleicht schon wusste, die im "Paket irgendwie mit drin waren, die man aber vorher nie so klar oder unter diesem oder jenem Aspekt gesehen hat.
Heute entdeckte ich z.B. folgenden Satz:
Wir sind etwas, was der Vater von sich her verschenkt hat.
Ist das nicht wunderschön?

Freitag, 9. November 2012

Tag 298: Geburtstag

von einer echten Geburtstagstorte konnte ich heute leider nur träumen...
Letztes Jahr, an meinem ersten Geburtstag im Kloster, starb eine Mitschwester. Als gestern vor der Komplet ihrer gedacht wurde, da dachte ich zuerst: "Was? Nein! Jetzt doch noch nicht - es ist doch noch lang hin...", aber dann kam es mir: "Nein, es stimmt: morgen habe ich Geburtstag." Das Päckchen von meinen Eltern stand ja auch schon in meiner Zelle und wartete darauf, dass ich es heute auspacke.
Ich hatte mich nur auf meinen Geburtstag gefreut und war in keinster Weise auf die Welle der Gefühle gefasst, die mich dann am Morgen erfasste. Ich hätte non-stop heulen können, ohne dass ich gewusst hätte warum. Es hat mich riesige Mühe gekostet mich während Laudes und Messe zusammenzureißen. Und nach nach dem Frühstück konnte ich dann im Kapitelsaal den Tränen freien Lauf lassen. Und nachdem sie irgendwann versiegt waren, ging es mir den Rest des Tages gut. 
Eine Mitschwester übernahm meinen Nachmittagsdienst, sodass ich mich eine Weile im Garten in die Sonne legen konnte. Die übrige Zeit des Tages ging - abgesehen, von zwei Stunden Unterricht, ein bisschen putzen und ein bisschen beisammen sitzen - komplett für's Telefonieren mit meiner Familie drauf.
Es war ein schöner Tag, der ein noch viel schöneres Jahr abschloss.
Ich bin gespannt, was das nächste Lebensjahr so alles für mich bereithält.

Donnerstag, 8. November 2012

Tag 295: Loslassen

Im Kloster lehren einen Kleinigkeiten, wie weit der geistliche Weg noch ist...
Es erstaunt und erschreckt mich immer wieder in unterschiedlichen Situationen, wie sehr ich mich darüber ärgern kann, wenn andere mir Gutes tun wollen. Egal, ob es darum geht meine gewaschene und gebügelte Wäsche selbst aus dem Wäscheraum zu holen, oder meinen Teller selbst der Mikrowelle zu entnehmen, wenn ich mir etwas aufwärme. Kommt mir jemand zurvor, so ärgere ich mich und fühle mich bevormundet, obwohl ich weiß, dass die Mitschwester in bester Absicht handelt. 
Man muss wirklich ein großes Stück Selbständigkeit aufgeben, wenn man ins Kloster geht. Andere entscheiden, wann man betet, was man isst und wo man arbeitet. Da fängt man scheinbar an sich an jedes noch so kleine Stück Selbständigkeit zu klammern. Ich muss lernen loszulassen. 
Meine Vorstellungen loslassen und wirklich offen werden für meine Mitmenschen, in denen Christus wohnt.

Mittwoch, 7. November 2012

Tag 294: Räumaktion

Nachdem ich einer Mitschwester beim Möbelrücken geholfen habe, hat mich das Fieber gepackt und ich habe gleich bei mir weitergemacht. Dabei war ich eigentlich glücklich gewesen mit meiner Einrichtung, aber sie hat sich jetzt schon lange, lange nicht geändert.
So wurde heute alles, was sich bewegen ließ, bewegt und an einen anderen Platz gestellt. Jetzt ist alles ungewohnt und ich bin mir noch nicht sicher, wie gut es mir gefällt. Ich werde es mal ein paar Tage auf mich wirken lassen. Ich glaube der Raum wirkt jetzt größer. 
Als nächstes werde ich meine Schränke ausmisten. Da hat sich wieder viel angesammelt, was ich nicht brauche. Wenn das alles raus ist, wird es vielleicht auch leichter Ordnung zu halten.

Dienstag, 6. November 2012

Tag 270: Peter und Paul

Wieder ein Hochfest. Diese Woche hat nur einen einzigen "De ea"-Tag (also ganz gewöhnlichen Tag ohne Gedenken).
Heute war ein Fernsehteam da. Es wurde eine kleine Sendung mit der Äbtissin gedreht. Am Nachmittag wurde ich dazu gerufen, um mit einigen anderen als Statisten im Hintergrund durchs Bild zu laufen. 
Bei dem Team war sogar jemand aus meiner Gegend dabei. Jemand, der hier - am anderen Ende von Deutschland - mein Dorf kennt! Das kommt wirklich selten vor.
Die waren alle sehr nett und nach fünf oder sechs Anläufen waren sie zufrieden mit dem, was sie für diese Szene im Kasten hatten.
Mein erster Fernseh-Auftritt! Aber er dauert nur wenige Sekunden und man wird mich kaum erkennen...

Montag, 5. November 2012

Tag 269: aufhören

Wann werde ich es wohl endlich lernen?
Aufzuhören, wenn die Zeit dazu gekommen ist.
Egal, ob ich ein Buch lese, einen Film sehe, arbeite, Vokabeln lerne oder schlafe - es fällt mir wahnsinnig schwer damit aufzuhören, wenn ich erstmal mittendrin bin.
Ich kann von Glück sagen, dass ich in einem Kloster lebe, denn so bin ich gezwungen immer wieder zu unterbrechen, um in der Gemeinschaft zu beten und zu essen.
So habe ich vielleicht eine Chance es irgendwann gelernt zu haben.

Freitag, 2. November 2012

Tag 267: das ganz Andere

noch immer stehe ich ganz am Anfang eines Weges
Wir leben im Kloster als eine Art Familie zusammen. Wir sind Schwestern und bleiben es wahrscheinlich bis zum Tod. Also egal welcher Art die Differenzen sein mögen, man muss lernen miteinander auszukommen. Konflikte müssen gelöst werden und es ist eher wie in der Familie, als unter Freunden und Kollegen.
Aber es gibt einen großen Unterschied zur leiblichen Familie: man muss lernen das ganz Andere im Anderen zu akzeptieren. Und das völlig Andere gibt es in der eigenen Familie eher nicht. Irgendwie haben leibliche Verwandte meistens doch die ein oder andere Ähnlichkeit.
Es ist wirklich ein spannendes Zusammenleben in der Gemeinschaft - und ein sehr Schönes.
Ich kann zwar eigentlich noch gar nicht so weit denken (und jetzt freue ich mich erstmal auf die zeitliche Profess), aber ich freue mich darauf als vollwertiges Mitglied aufgenommen zu werden (also eines Tages ewige Profess abzulegen).

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Tag 265: Johannes

Das zweite Hochfest am zweiten Tag der Woche. Und nächste Woche erwarten uns gleich noch zwei. Seit Ostern hatte das Feiern überhaupt kein Ende. Ich bin froh, wenn das erstmal wieder vorbei ist. Dann dauert es auch gar nicht mehr lange, bis ich nach Rom fliege.
Und bis zu meiner Profess ist es auch jeden Tag weniger lang hin. Ich habe mir schon eine Strichliste gemacht - für jeden Tag einen und immer am Morgen radier ich einen weg. Nur noch 152 Tage!
Es gibt so viele Gründe sich auf DEN Tag zu freuen!
Obwohl natürlich die Noviziatszeit eine ganz besondere und schöne Zeit ist.
Die Zeit bis zum großen Tag will ich als ganz persönliche "Exerzitien" nutzen, um möglichst tief geistlich zu wachsen.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Tag 264: Fronleichnam

...und genau zur Prozession war gutes Wetter. Den ganzen Nachmittag hat es dann nur geregnet. 
Es ist erstaunlich wie sehr ich noch immer meinem Willen und meinen Wünschen verhaftet bin.
Wie schnell sich Enttäuschung und Frustration in mir breitmachen, wenn etwas, auf das ich mich schon gefreut hatte, nicht eintritt.
Wie schnell ich mir die Laune verderben lasse, wenn ich etwas nicht bekomme.
Und das, wo ich doch auf nichts ein Anrecht habe. Ich sollte Gott für alles dankbar sein, auch dafür, wenn ER meine Pläne durchkreuzt, denn ER weiß, was das Beste ist.

Montag, 29. Oktober 2012

Tag 263: Maltag

Heute habe ich einen Brief, den ich ausnahmsweise schicken darf, schön verziert. Zunächst habe ich alle meine Buntstifte schön säuberlich gespitzt und gleich vom Drehen der vielen Stifte eine Blase am Finger bekommen.
Ich glaube das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Brief so rundherum mit Blumen-Ornamenten geschmückt habe. Irgendwie hat man im Noviziat Zeit und Inspiration ganz Neues auszuprobieren.
Am Abend habe ich dann noch ein Bild für eine Mitschwester zu ihrem Festtag gemalt. Ich schätze mal, dass ich zuletzt im Kindergarten für jemanden ein Bild gemalt habe - und genauso sieht das Ergebnis auch aus - aber immerhin werde ich damit meine Mitschwester zum Lachen bringen können und das ist doch auch was wert.
Tja, es gibt einfach unzählige Bereiche, in denen ich mich verbessern könnte....

Freitag, 26. Oktober 2012

Tag 262: ein neues Herz


Gertrudfenster in Helfta - ihr Herz ist SEIN Herz
Schon oft habe ich Gott gebeten, dass er mir ein neues, reines Herz schenke. Dass er das Herz aus Stein aus meiner Brust nehme und mir dafür ein Herz aus Fleisch gebe. Heute musste ich daran denken, dass Menschen, die auf der Warteliste für eine Herztransplantation stehen, bestimmte Auflagen erfüllen müssen. Sie dürfen z.B. nicht rauchen und keinen Schluck Alkohol trinken.
Vielleicht ist das im Geistlichen auch so, dass man bereit sein muss auf manches zu verzichten  - dass man manch alte Gewohnheit ablegen muss, da diese sonst das neue Herz sofort wieder krank machen würde. Ich hoffe, dass Gott mir dabei hilft meine schlechten Gewohnheiten abzulegen und mir die Kraft gibt auf alles zu verzichten, was dem Leben im Geist schadet.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Tag 261: reifen

Heute hatte ich ein Gespräch über meschliches Reifen. Über die Umstände, die es begünstigen oder hemmen wie Familie, Erziehung, natürliche Veranlagung und so weiter. 
Auf meine Frage, was man selbst - unabhängig von diesen Faktoren - dazu beitragen kann, dass man sich weiterentwickelt und reift, meinte meine Mitschwester, dass der Schlüssel dafür ist, dass man Herausforderungen als Herausforderungen erkennt und annimmt und sie nicht als Angriffe und Ungerechtigkeiten ansieht. Ich finde das hat sie schön gesagt.
Wenn ich stets der Meinung bin, dass sich die böse Welt gegen mich armes Opfer verschworen hat, dann kann ich mich nicht weiterentwickeln. 
Ganz anders dagegen, wenn ich in allem, was passiert und mir "angetan" wird, einen Anruf entdecke, der mich herausfordert aus meinen alten Grenzen - aus meinem bisherigen Ich.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Tag 260: Dreifaltigkeitssonntag

altes Antipendium mit Dreifaltigkeitsdarstellung
Das heutige ist eines der schönsten Festgeheimnisse. So waren auch die Antiphon- und Hymnentexte wunderschönen. Überhaupt der ganze Tag war schön.
Ich hatte mein erstes kurzes Gespräch mit unserer neuen Novizenmeisterin und alle meine Bedenken wurden zerstreut. Jetzt freue ich mich einfach nur noch auf die Zeit mit ihr. Dann gab es heute durchweg nur bestes Essen - das beste Müsli, Hähnchenschenkel und Gemüse und gebackenen Camembert mit Preiselbeeren und Birne.
Dann haben wir Sport gemacht. Heute nur Ball gespielt, - und wie! Und danach einen Film angeschaut. Außerdem hat es am Vormittag geschüttet, sodass ich am Abend nicht gießen musste.
Und zur Rekreation durften wir ins Parlatorium kommen, wo uns eine Schwester aus Bolivien von ihrem Leben und Alltag erzählt hat.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Tag 259: Änderungen stehen bevor

Heute haben wir erfahren, dass wir eine neue Novizenmeisterin bekommen.
Es wird sich dadurch ganz viel ändern. Nicht nur der Noviziatsunterricht - das ganze alltägliche Leben wird anders.
Obwohl ich es mir gewünscht hatte und sogar diese Schwester vorgeschlagen hatte, schaue ich jetzt mit einem lachenden und einem weinenden Auge in die Zukunft.

Montag, 22. Oktober 2012

Tag 257: Beichte

Und wieder und immer wieder die gleichen Fehler und Sünden, die ich begehe und dann beichte. Ein Grund für eines meiner größten Probleme ist - so glaube ich heute - dass ich noch nicht gelernt habe allein zu sein. Zu Hause war immer etwas los und auch danach habe ich immer Gesellschaft und Ablenkung gesucht.
Im Kloster und vor allem im Noviziat werde ich ganz neu und intensiv mit mir selbst und mit der Einsamkeit konfrontiert. Da ist kein Radio, kein Fernseher, die ich einschalten könnte, um die Stille des Alleinseins zu übertönen. 
Ich muss lernen diese Stille zu lieben und zu suchen. Ich muss lernen mir an meiner und Gottes Gegenwart genügen zu lassen. So werde ich lernen mein Problem in den Griff zu kriegen.
Bis dahin: Jeden Tag neu anfangen.

Freitag, 19. Oktober 2012

Tag 256: die Kraft Gottes

Heute musste ich wieder einmal schmerzlich erfahren, wie elend, klein und schwach ich bin. Sollte Gott trotzdem je durch mich Großes geschehen lassen, so hoffe ich, dass er mich das nicht vergessen lässt - dass ich die Lektion heute wirklich gelernt habe und nie stolz oder überheblich werde.
So oft ich es auch versuche - ich schaffe es nicht. Ohne IHN vermag ich nichts. Möge ER bei mir sein und in meiner Niedrigkeit seine Kraft stark werden lassen. Vielleicht muss ich lernen zu kämpfen, aber ich weiß nicht wie.
Aber ER hat mir wieder seine Treue erwiesen. Egal wie oft ich mich von IHM abwende und untreu werde - ER bleibt doch immer treu und lässt mich niemals fallen.
Das habe ich nicht verdient.
Ewig will ich IHM dafür danken.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Tag 255: Jahreskreis

Die Osterzeit ist vorbei und heute hat wieder die Zeit des Jahreskreises begonnen. Damit fallen einige Hallelujas beim Chorgebet weg und zumindest die ersten ein bis zwei Tage gibt es immer wieder etwas Verwirrung. (Der Mensch ist einfach so ein Gewohnheitstier...)
Unsere Sakristanin ist für eine Woche bei ihrer Familie und ich habe mit einer Mitschwester die Vertretung.
Außerdem sind jetzt Pfingstferien, sodass die Laudes eine halbe Stunde später beginnt. Sonst freue ich mich eigentlich immer über die Ferienordnung (ich bin der totale Langschläfer), aber diesmal passt sie mir nicht wirklich. Dadurch werden die Vormittage so kurz und ich weiß nicht, wann ich meine Betrachtung machen soll. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, sie auf den Abend zu verschieben (ich habe die Tendenz dann zu sagen: Ach, jetzt bin ich zu müde! Morgen vielleicht wieder....).
Wie gut, dass früher oder später der Alltag wiederkommt!

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Tag 254: schwimmen!

Es muss eine Ewigkeit her sein, seit ich das zuletzt gemacht habe und ich habe es vermisst. Heute früh bin ich um vier Uhr aufgestanden, um unbemerkt schwimmen zu gehen - in unserem Forellenteich. 
Er riecht nach Fisch, ist nicht sehr groß und hat einen sehr schlammigen Boden. Aber es war trotzdem herrlich! Ich habe es so genossen endlich mal wieder richtig im Wasser zu sein. Und die gelegentlichen "Tuchfühlungen" mit den Fischen nahm ich dafür gerne in Kauf.
 Ich habe sogar, als ich ihr davon erzählte, von der Äbtissin die Erlaubnis bekommen das ab und zu zu wiederholen. Aber ich weiß nicht, ob ich das tun werde. Jetzt ist das Verlangen erstmal wieder für eine Weile gestillt...
Am Nachmittag habe ich alle interessierten Schwestern zum Slackline-Ausprobieren eingeladen, aber es ist fast niemand gekommen.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Tag 253: Pfingsten

Selten habe ich mich so sehr auf das Pfingstfest gefreut, wie dieses Jahr. Und es fing eigentlich auch ganz gut an. Ich bin früh aufgestanden, habe in der Bibel gelesen und gebetet und mich auf den Tag gefreut. Vor allem in der heiligen Messe habe ich intensiv gebetet, dass der Heilige Geist unser aller Herzen erfüllen möge. Nach der Messe war ich im Kapitelsaal. Ich habe gebetet für die Heilung eines geliebten kranken Menschen. Und obwohl ich zunächst große Zweifel hatte, wurde ich immer sicherer, dass Gott wirklich dieses Wunder der Heilung vollbringen will. So endete diese Gebetszeit in einem großen Lobpreis.
Erst im Laufe des Nachmittags verdüsterte sich meine Stimmung. Mir war untersagt worden mit einer Konventschwester in den Garten zu gehen, und so stapfte ich eine Stunde lang allein durch den Garten. Dann war "Noviziatsrekreation", wobei nur die Hälfte des Noviziats anwesend war, eine Konventschwester dazukam und das Ganze dann im Wesentlichen daraus bestand der Unterhaltung zwischen ihr und der Novizenmeisterin zuzuhören.
Als ich dann in der Vesper war, war meine Stimmung auf einem Tiefpunkt. Ich dachte: "Ich will nur hier weg!" und gleichzeitig: "Will ich das wirklich?"
Plötzlich stand mir ein Leben vor Augen, das ich führen könnte, wenn ich ginge: Ein Job, eine Wohnung, ein Partner, eigene Kinder, niemand der mir vorschreibt mit ich meine Freizeit verbringen darf, essen was, wann und wo ich will, schwimmen gehen könnnen, und so weiter und so fort.
So war mein Pfingstfest plötzlich ein Kampf und voller Zweifel. Ich hätte nur heulen können. Was soll ich machen? Wirklich bleiben? Für den Rest meines Lebens? Oder meine Sachen packen und gehen? Und sagen: "Es war ganz nett, aber jetzt reichts mir."
Diese Entscheidung ist so verdammt schwer. Wir haben nur dieses eine Leben - woher soll man wissen, wie man das Beste daraus macht?
Das Verlangen nach einem anderen Leben war heute groß.
Nach einem Partner, der mich in den Arm nimmt und spürbar liebt.
Nach einem Leben ohne die Einschränkungen des Klosterlebens.
Aber als ich nach der Komplet zum Beten ging, um mein Herz vor dem Herrn auszuschütten, da konnte ich kaum mehr glauben am Nachmittag so gedacht zu haben. Warum sollte ich von hier fort wollen? Hier dieses Leben zu führen ist es, was ich mehr als alles andere will. Egal wie sehr ich etwas anderes vermisse - das hier wird immer das kleinere Übel - das kleinere Vermissen - sein.

Montag, 15. Oktober 2012

Tag 251: Fuhrpark

 Unser Kloster besitzt einen Fuhrpark ganz eigener Art. Dazu gehören - ganz klassisch - einige Autos, die den Schwestern zur Verfügung stehen, um zum Arzt und in den Urlaub zu fahren. 
Setzt man sich eine Weile in den Garten, so sieht man dort Angestellte und Schwestern mit unterschiedlich modernen bzw. klapprigen Drahteseln fahren. Dort findet sich auch mindestens ein kleiner Traktor für verschiedenste Garten- und Transportabeiten. 
Ein Teil unseres 'Klosterfuhrparks'
Ganz besondere Fahrzeuge sind schließlich die Rollatoren der alten Schwestern. Kommt man relativ knapp zum Chorgebet (was bei mir öfter mal vorkommt), so sieht man neben der Treppe zum Chor fein säuberlich aufgereiht einen Rollator neben dem anderen. Eine Schwester meinte mal: "Es fehlen nur noch die Markierungen auf dem Boden für die 'Parkplätze'."
So hat jedes Alter sein Fahrzeug...

Freitag, 12. Oktober 2012

Tag 250: Klappe halten

Gestern durften zwei junge Frauen einen kompletten Tag mit uns verbringen. Von der Laudes bis zur Komplet mit uns Beten, Essen, Arbeiten und Reden. Die zwei waren wirklich ganz nett. In der Mittagspause waren wir zusammen mit der Slackline im Garten. Dabei haben wir uns natürlich auch unterhalten und ich habe gefragt, was sie spontan denken, was das Schönste und was das Schwierigste am Leben im Kloster ist. 
Ich gebe zu, ich war von der Antwort überrascht. 
Sie lautete:
 Das Schönste: dass die anderen endlich mal die Klappe halten. 
Und das Schwierigste: selbst auch die Klappe halten zu müssen.
Damit haben sie gar nicht so Unrecht.

Als ich die Frage vor längerer Zeit mal einer Mitschwester gestellt habe, hat sie geantwortet: 
Das Schönste: Die radikale Hingabe. 
Das Schwierigste: Das Ausharren.
Später hat sie sich korrigiert und gesagt: 
das Schwierigste: der rechte Umgang mit der großen Freiheit.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Tag 248: Die Fahrstuhl-Gang

Wegen der Rnovierungsarbeiten essen wir zur Zeit nicht im Refektor. Der Raum, der vorübergehend in einen Speisesaal umgewandelt wurde liegt ein Stockwerk tiefer. So müssen alle Schwestern, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, auf dem Weg vom Gebet zum Essen den Fahrstuhl benutzen.
Auf den Gängen herrscht striktes Stillschweigen, aber interessanterweise beginnen die Schwestern sofort zu reden, wenn sie den Fahrstuhl betreten, selbst, wenn die Tür zum Gang noch offen ist.
Dann ist es immer eine ziemliche Aktion, bis sie gewartet haben, dass auch wirklich alle "an Bord" sind. Während der Fahrstuhl nach unten fährt ziehen alle anderen Schwestern im "Refektor" ein und stellen sich an ihre Plätze.
Ein Moment der Stille.

Und dann marschiert geschlossen die "Fahrstuhl-Gang" ein.
Und dann kann das Tischgebet beginnen...

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Tag 247: Gewitter zum Zweiten

Schon wieder ein Gewitter. Und was für eins! Ich bin mir nicht sicher, ob ich schon mal ein so heftiges Gewitter miterlebt habe. Es war so lang und so laut. So viele Blitze. Einer davon hat in unseren Kirchturm eingeschlagen. Das war vielleicht ein Donner!
Nur gut, dass der Blitzableiter seinen Zweck erfüllt hat. Es hat nur heute früh die Elektronik etwas gesponnen, aber sonst ist nichts weiter geschehen. Am Nachmittag war dann gleich wieder ein Gewitter. Nicht so nah und stark, aber doch so heftig, dass wir zwischen Vesper und Nokturn in den Kapitelsaal umgezogen sind, um ruhiger beten zu können. Diese rohen Gewalten der Natur sind unheimlich faszinierend.
Heute kann ich zwei Punkte abhaken!

Dienstag, 9. Oktober 2012

Tag 246: 3-Punkte-Programm

Ich hatte mich mit einer allabendlichen (schriftlichen) Gewissenserforschung versucht. Es war ein guter Ansatz den nächsten Tag besser zu meistern. Aber er scheiterte meist daran, dass es abends zu spät wurde und ich es dann doch nicht gemacht habe. Da ich seit knapp zwei Wochen imm früh genug aufstehe, um morgens noch zu beten, will ich es jetzt so rum probieren: Ich überlege mir am Morgen drei Punkte, die ich an diesem Tag tun will. Ich schreibe sie auf und versuche den Tag so zu gestalten, dass ich sie im Laufe des Tages der Reihe nach abhaken kann.
Heute war ein erster Versuch und ich bin kläglich gescheitert. Aber das heißt ja dann wenigstens, dass es nur besser werden kann.
Also: morgen neuer Versuch!

Montag, 8. Oktober 2012

Tag 245: Umzug am Chor

30 Tage lang gedenken wir vor der Komplet einer verstorbenen Mitschwester. Danach erst wird ihr Platz am Chor und im Refektor geräumt. Da jede den Platz einnimmt, der ihr nach ihrem Eintrittsalter zusteht, bedeutet dies, dass nach Ablauf der dreißig Tage alle Schwestern, die jünger sind, umziehen müssen. In der Regel einen Platz vor und auf die gegenüber liegende Seite.
Heute fand ein solcher Umzug statt. Es ist gewöhnungsbedürftig auf der anderen Seite zu sitzen und ich habe leider nicht mehr die gleichen Sitznachbarn. Aber das gehört zu den Dingen, die man nicht ändern kann und über die man sich nicht beschwert. 
Und: der nächste Umzug kommt bestimmt....

Mittwoch, 26. September 2012

Sendepause

Ich möchte alle treuen Leser um etwas Geduld und Verständnis bitten, da ich mich für einige Tage nicht melden werde. Ich darf ein paar Tage in einem anderen Kloster verbringen und werde dort Stille und Gebet ganz ohne Internet genießen.
Ich wünsche allen gesegnete Tage und hier geht es dann Ende nächster Woche weiter.
Danke euch allen!

Tag 241: Gewitter

Während wir in der Komplet waren hat es angefangen zu gewittern mit schönen Blitzen und lautem Donner und viel Regen. Herrlich! Gewitter ist einfach etwas Tolles. Aber es war eine neue Erfahrung für mich bei so einem heftigen Gewitter in einer Kirche zu sein. Eine schöne neue Erfahrung.
Ich bin danach noch raus in einen Schuppen gegangen um etwas zu erledigen und während es draußen in Strömen goss habe ich drinnen gesungen.
Einen Lobpreis auf meinen Gott und Herrn.

Dienstag, 25. September 2012

Tag 240: Wenn Kinder fragen...

Heute abend sollte ich unsere Sakristanin vertreten. Und die kleinen Ministranten haben mir einige Fragen gestellt.
Ob ich denn schon als Kind eine Schwester war und ob ich das nie ausziehe, was ich anhabe. Was ich denn zum schlafen trage und warum ich Schwester werden wollte.
Wie erklärt man das einer Erst- oder Drittklässlerin?
Ich glaube ich brauche noch viel Erfahrung im Zeugnis ablegen vor Kindern. Im ersten Moment bin ich immer so überrascht über ihre Fragen, dass ich gar nicht weiß, was ich sagen soll. Erst später kommen mir dann Ideen. 
Es ist wirklich ein Lernprozess - welche Antworten können Kinder nachvollziehen, womit können sie etwas anfangen und womit überhaupt nicht?

Montag, 24. September 2012

Tag 239: Sonntag!

In den letzten Tagen habe ich es tatsächlich geschafft schon früher aufzustehen, als notwendig, um vor der Laudes noch zu beten. Es ist wunderschön.
Obwohl ich mich frage, wie lange ich das wohl so durchziehen werde. Ob ich das auf Dauer schaffe, oder ob es nur eine Phase ist, die bald wieder vorübergeht. (Das ist leider meistens bei mir der Fall...)
Heute bin ich also wieder früher aufgewacht und hatte genug Zeit zum beten. Trotzdem habe ich es geschafft während der Predigt der Messe wach zu bleiben und aufmerksam zuzuhören (das ist nicht immer der Fall...)
Mit dem Mittagessen hat wieder mein einwöchiger Tischdienst angefangen und da wir heute außerdem Refektordienst hatten, habe ich danach gleich für's Abendessen gedeckt. 
Dann habe ich mir die Slackline geschnappt und bin raus in den Garten gegangen. Unterwegs habe ich noch gedacht wie dumm es war, den frischen Habit anzulassen, aber ich bin das Risiko eingegangen mir Grasflecken einzuhandeln und es ist zum Glück alles gut gegangen.
Eine Mitschwester hat mitgemacht und wir hatten einen wirklich schönen Nachmittag!

Sonntag, 23. September 2012

Lectio: Piet van Breemen zum Gebet

Ich habe in diesen Tagen ein Buch von Piet van Breemen gelesen. Ganz allgemein kann ich diesen Autor wärmstens empfehlen. Hier ein kleiner Abschnitt aus dem Buch "Gerufen und gesandt":
Ein Gebetsleben führen heißt, aufmerksam sein, auf Gott warten, innerlich leer und still werden. Beten heißt nicht, sich selbst reden hören, sondern vielmehr, sich so still machen, dass Gottes Wort vernehmbar wird. Gebet ist nicht ein Ausschütten des Herzens in einem gefühlsgeladenen Wortschwall, es ist vielmehr ein beharrliches Suchen nach Gott und nach dem Weg zu Ihm, ein Suchen, das nicht nachlässt, mag das Herz nun voll oder leer sein. Gebet ist durchaus nicht immer spontan; es fordert oft ernste Willensanpassung. Es ist eine Vertrautheit mit dem Unsichtbaren, eine Hingabe, Preisgabe, eine Bereitschaft, alles zu tun, was ER verlangt, ein Staunen über Seine Güte, ein wachsendes Einswerden mit seinem Wort, eine Einsamkeit mit Gott und um Gottes willen, eine sich immer mehr vertiefende Stille, in deren Fülle wir vorstoßen möchten.

Freitag, 21. September 2012

Tag 237: Beerdigung

Heute war die erste Urnenbeisetzung auf unserem Friedhof. Da es so etwas noch nie gab waren einige Unklarheiten da, was die Zeremonien betraf - aber nichts Gravierendes und es war eine schöne und würdige Feier.
Auch das Wetter hat mitgespielt. Nachdem es wochenlang viel zu trocken war, hatte es die ganze Nacht und am Morgen geregnet. Während der Beerdigung blieb es trocken und als sie vorbei war hat es wieder für den Rest des Tages geschüttet.

Momentan habe ich wieder etwas Heimweh. Zuletzt von zu Hause gehört habe ich an Ostern und ich habe das Gefühl, dass das ewig her ist. Sehnsuchtsvoll warte ich auf einen Brief von meinen Eltern.

Donnerstag, 20. September 2012

Tag 236: Lobpreis

Den ganzen Tag blieb ich von tiefer Freude und einem völlig neuen Bewusstsein der Gegenwart Gottes erfüllt. Bei allem, was ich tat hatte ich ein Gebet im Herzen und auf den Lippen. Ich pries IHN stumm inmitten der anderen und laut wann und wo immer ich mich allein wähnte. Ich sang zu IHM mit mir unbekannten Worten und Melodien. Noch immer weiß ich nicht, ob ich da nicht einfach irgendetwas erfinde, aber ich weiß ganz sicher, dass selbst wenn dem so wäre, es mir gut tut und mich näher zu Gott hinzieht.
Ich denke mehr an IHN im Laufe des Tages und freue mich einfach ohne Ende über seine Liebe und Herrlichkeit.
Der Heilige Geist wohnt in mir - in jedem Getauften - und ER wirkt mit Macht, wenn wir es zulassen.

Mittwoch, 19. September 2012

Tag 235: Geisttaufe

Schon mal drum gebeten?
Ich nie. Bis heute!
Und was geschah?
Nicht viel - könnte man sagen.
Alles hat sich verändert - könnte man auch sagen.
Ich habe in Zungen gebetet. Oder habe ich mir nur selbst etwas vorgemacht und irgendwelche Laute gestottert, weil ich es wollte?
Spielt es eine Rolle?
Ich habe mich neu und ganz bewusst Gott hingegeben.
Mich IHM geöffnet und ausgeliefert.
Ich gehöre IHM allein.
Will IHN lieben, IHM dienen und treu sein - alle Tage bis in Ewigkeit.
Das ist wirklich alles, was zählt.
Und ganz gewiss wohnt und wirkt in mir sein Heiliger Geist und wartet auf mein Mitwirken am Werk Gottes.

Dienstag, 18. September 2012

Tag 234: abwechslungsreich

Heute vormittag habe ich das erste Mal jemand anderem so richtig die Haare geschnitten. Aus Not lernt man wirklich so einiges im Kloster! Aber es hat Spaß gemacht und das Ergebnis kann sich sehen lassen ... auch wenn es das gar nicht muss mit dem Schleier.
Dann war ich wieder in der Bibliothek beschäftigt. Nach dem Mittagessen habe ich mich zu ein wenig Fernsehen hinreißen lassen. Dann hatten wir wieder eine kleine Singstunde und dann habe ich mich mit dem Thema der Gottsuche für mich und in der Regula Benedicti für den Noviziatsunterricht auseinandergesetzt.
Nach der Komplet und dem Gießen habe ich jetzt noch italienisch Vakabeln gelernt. Vokabeln lernen ist auch so etwas, was ich stundenlang tun kann, ohne dass mir langweilig wird. Aber das wird's im Kloster sowieso nie.

Montag, 17. September 2012

Tag 233: Aussprache

Heute hatte ich mit einer Schwester eine Aussprache, vor der ich schon seit ein paar Tagen Angst hatte. Aber sie war viel besser, als ich erwartet hatte. Es ist verblüffend, in was für Vorstellungen man sich verrennen kann, wenn man nicht miteinander redet. Und wie unterschiedlich doch die Wahrnehmungen sein können!
Das Leben hier im Kloster ist wirklich eine lehrreiche Schule für uns alle. Man muss sich mit Menschen auseinandersetzen, die anders sind, und die man sonst einfach meiden würde. Man muss lernen einen Weg zur Gemeinschaft mit ihnen zu finden, um wirklich mit ihnen zu leben.

Freitag, 14. September 2012

Tag 232: ein ungewöhnlicher Wunsch

Ich schätze mal so etwas ist hier noch nie vorgekommen. Unsere verstorbene Schwester hatte den Wunsch verbrannt zu werden. Da ihr offensichtlich sehr daran gelegen war, wird man diesem Wunsch nachkommen. Sie wird morgen aus der Reha-Klinik, wo sie gestorben ist, nach Hause gebracht. Hier wird dann so wie sonst auch die Aussegnung sein und dann wird im Laufe der Woche der Sarg zum Krematorium gebracht und Ende der Woche wird die Beerdigung sein.
Ganz normal, nur dass statt eines Sarges eine Urne ins Grab hinabgelassen werden wird.
Diese Ankündigung hat heute viele Schwestern überrascht - um nicht zu sagen geschockt. Es ist doch ein sehr ungewöhnlicher Wunsch für eine Ordensschwester. Aber sie war auch eine ungewöhnliche Schwester.

Donnerstag, 13. September 2012

Tag 231: erneuter Todesfall

Vor wenigen Tagen ging der sogenannte Dreißiger für unsere im letzten Monat verstorbene Mitschwester zu Ende. Es ist eine Zeit, in der sie noch sehr präsent, da ihr Platz am Chor und im Refektor freigehalten wird und jeden Tag beim Totengedenken ausdrücklich ihr Name genannt wird.
Heute in der Früh ist nun wieder eine von uns gegangen. Sie war schon länger schwer krank und wollte nichts anderes mehr als sterben. Eine Mitschwester meinte dann heute zu mir: Wenn der Tod kommt, dann holt er immer gleich drei. So unwahrscheinlich ist das mit unserer Altersstruktur gar nicht.
So schaut man sich um und fragt sich, wie schnell der Konvent zusammenschrumpfen wird und wie sich das Leben wohl ändert, wenn wir ein ganzes Stück weniger geworden sind.
Sicher ist jedenfalls, dass ich hier in den nächsten Jahren sehr viel mehr mit dem Thema Tod konfrontiert werde, als das "draußen" der Fall wäre.

Mittwoch, 12. September 2012

Tag 229: Mittagspause

jetzt kann man in unseren Bäumen "abhängen"
Seit neuestem gibt es eine tolle Möglichkeit in der Mittagspause "die Seele baumeln" zu lassen. In unserem herrlichen Garten hängt jetzt von einem Baum eine Art Sessel, oder Affenschaukel. Darin zu sitzen und sanft hin und her zu schwingen ist wunderbar gemütlich und vor allem bei dem momentanen Sonnenschein und hohen Temperaturen einfach eine Wohltat.
Alles rundherum ist grün - Blumen blühen und Vögel zwitschern. Da kann man leicht die Zeit vergessen und einfach nur genießen.
Am Besten wäre es, wenn den Sommer über am Tag strahlender Sonnenschein und etwa jede zweite Nacht Regen wäre. Dann bräuchte ich nicht viel im Innenhof zu gießen. Obwohl - eigentlich ist eine ganz schöne Aufgabe...

Dienstag, 11. September 2012

Tag 228: Thérèse

Wir haben heute mal den alten Film (von 1986) über die heilige Thérèse von Lisieux angeschaut. Man muss zugeben, dass er sehr eigen ist. Völlig ohne Filmmusik und mit ganz schlichten Kulissen.
Er ist wohl kaum in allen Details ganz lebensecht, aber er schein mit doch ein Gefühl vom Karmel zu vermitteln. Mich hat dieses Gefühl einmal mehr bestätigt, dass ich hierhin und nicht dorthin berufen bin. (Wirklich nichts gegen den Karmel - aber es sind einfach unterschiedliche Berufungen)
Aber Thérèse ist eine beeindruckende Heilige. Vor allem die Biographie von Waltraud Herbstrith, die ich über sie gelesen habe, hat sie mir näher gebracht. 
Und ich wünschte ich könnte mehr wie sie Christus auch in den Menschen, die ich nicht leiden kann, sehen und lieben.

Montag, 10. September 2012

Tag 227: Geburtstag

Heute hatte eine Mitschwester Geburtstag. Ich habe ihr ein kleines Ständchen gesungen und wir haben gemeinsam Mohrenkopf-Brötchen gegessen. Es war ein wirklich nettes Beisammensein zur Feier des Tages.
Ansonsten gab es mal wieder einen mittelgroßen Krach im Noviziat. Es ist mir einfach ein Rätsel, wie man aus einer Kleinigkeit eine so große Sache machen kann und wie man es schafft ständig alles auf sich zu beziehen und persönlich zu nehmen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht die geringste Ahnung, wie ich mich verhalten soll.
Ich habe nie jemanden erlebt, der mir so wenig gute Absichten zutraut.

Sonntag, 9. September 2012

Lectio: Gertrud von Helfta

Ein paar Zeilen aus dem Buch der Geistlichen Übungen von Gertrud von Helfta:

O Liebe, die du nicht Licht trägst, sondern Gott trägst: gleich jetzt mögest du zu mir kommen reichlich und freigebig, dass ich durch dich schmelze süß dahin. Von mir, zu einem Nichts geworden, möge ich vollkommen in dich fließen ganz und gar, dass ich mich von jetzt an niemals mehr in mich zurückziehn mag in dieser Zeitlichkeit; statt dessen möge ich durch den Leim der Liebe mit dir zusammengefügt bleiben in Ewigkeit.

Freitag, 7. September 2012

Tag 226: Studium?!

Es ist wieder kalt geworden. Aber die Freude bleibt. Der Alltag ist ein Geschenk und jeden Tag darf ich leben in dem Bewusstsein, dass Gott mich liebt.
Im Moment mache ich mir ziemlich viele Gedanken darüber, dass ich wahrscheinlich nach dem Noviziat wieder an die Uni muss.
Es gibt so viele gute Gründe dafür, dass ich das nicht will. Aber wenn es doch sein muss, bin ich sicher, dass Gott noch viel mehr und bessere Gründe dafür hat.
Obwohl ich IHM wirklich vertraue, fällt mir ein vollständiges und rückhaltloses Ja dazu schwer - obwohl ich durchaus auch positive Seiten daran sehen kann.
So habe ich also völlig gemischte Gefühle, was das angeht. Jedenfalls muss ich ständig daran denken, sodass es für den Moment mit meiner inneren "Noviziatsruhe" erstmal aus ist...

Donnerstag, 6. September 2012

Tag 224: neues Projekt

Bild von Sieger Köder, ziert jetzt mein Ringbuch
Ich habe gerade ein Buch gelesen, das beschreibt, wie man ein Gebetstagebuch führt. Ich kann ehrlich gesagt kaum erwarten es in die Tat umzusetzen und so mit dem Stift in der Hand in den Dialog mit Gott einzutreten. Der erste Schritt bestand nun darin ein Ringbuch zu diesem Zweck schön herzurichten. Ich habe es eingebunden, mit Bildern und Trennblättern versehen und freue mich jetzt über mein "Kunstwerk". 
Es ist unterteilt in die Abschnitte Wort Gottes, Lob und Dank, Fürbitte, Bitten und Umkehr und Vergebung.
Ich habe das Gefühl, dass es sich zu einem wahren Schatz für mich entwickeln kann und ein weiterer wichtiger Schritt auf meinem Weg zu Gott ist.

Mittwoch, 5. September 2012

Tag 221: Frucht bringen

Wir haben heute im Noviziatsunterricht eine Gruppenmeditation zu Joh 15,1-17 gemacht. Manche Geringe.danken haben mich den Tag hindurch begleitet und es folgt eine kurze Essenz dessen, wohin mich meine Gedanken geführt haben.

Auf keinen Tag habe ich ein Recht. 
Jeder einzelne ist mir geschenkt.
Gott schenkt ihn mir aus Geduld, in der Hoffnung, dass ich vielleicht doch noch zu IHM umkehre und Frucht bringe.
Aber jeden Moment könnte es soweit sein, dass ich "abgehauen" und "aus der Stadt geworfen" werde. Ich habe nur diesen einen Tag - heute - diesen einen Augenblick - jetzt - um das Richtige zu tun.
Das, was war, kann ich nicht mehr ändern und das was vor mir liegt habe ich nicht in der Hand. Aber diesen Moment kann ich gestalten.
Und das Wichtigste dabei: Alles tun, um immer mehr in der Liebe zu wachsen.

Dienstag, 4. September 2012

Tag 220: Konzert

Die heutige Maiandacht war verbunden mit einem Konzert.
Wegen der Proben in der Kirche haben wir unser Chorgebet in den Kapitelsaal verlegt. Die Akustik und die Atmosphäre darin sind ganz anders und es ist immer wieder nett darin zu beten.
Das Konzert war wunderschön. Orchester, Duos, Chöre und Musik zum Gänsehaut-kriegen. Die Stücke umrahmten die Gebete, Betrachtungen und Anrufungen und erst ganz am Schluss, nach dem Segen, wurde geklatscht.
Ich habe selten vorher erlebt, dass während des Auszugs des Priesters und der Ministranten die Kirche erfüllt war von Applaus. Aber den hatten sich die Musiker(innen) wirklich redlich verdient.

Montag, 3. September 2012

Tag 219: zum Umfallen müde

Aber was kann man auch anderes erwarten, wenn man die ganze Nacht kaum ein Auge zumacht. Ich bin tatsächlich erst eingeschlafen, als die ersten meiner Mitschwestern schon wieder aufgestanden waren. Aber dafür muss ich sagen, hab ich den Tag eigentlich ganz passabel rumgekriegt. Mein Kopf war zwar die ganze Zeit ziemlich zermatscht und beim Abtrocknen am Mittag ist mir ein bisschen schwummrig geworden, aber ich habe meinen Chordienst akzeptabel gemeistert, Gymnastikstunde gehalten und den Noviziatsunterricht überstanden, obwohl ich die ganze Zeit an nichts anderes denken konnte, als ans Schlafen!

Freitag, 31. August 2012

Tag 216: Rechenschaft

Ich habe etwas begonnen, was man wohl tägliche Gewissenserforschung nennt. Dabei geht es mir nicht darum eine Liste der am Tag begangenen Sünden zu erstellen. Ich lege schriftlich Rechenschaft darüber ab, wie der Tag war. Dabei freue ich mich über das, was gut gelaufen ist und mache mir bewusst, was ich falsch gemacht habe oder besser hätte machen können.
Außerdem schreibe ich Dinge auf, die ich am nächsten Tag erledigen will oder muss. Damit habe ich konkrete Aufgaben, deren Erfüllung ich am folgenden Abend überprüfen kann.
Mal sehen, wie lange ich hierbei die Selbstdisziplin halten kann. Aber für den Augenblick scheint es mir für mich sehr nützlich und hilfreich zu sein.
Es hilft mir nicht alles immer rauszuschieben bis es gar nicht mehr anders geht.

Donnerstag, 30. August 2012

Tag 214: Selbsterkenntnis



Wie lernt man sich selbst wirklich gut kennen? So, dass man auch die dunklen Seiten offen und ehrlich betrachten kann, für die man doch normalerweise blind ist? Wie erkenne ich meine eigene Sündhaftigkeit, um dann gestützt auf die Gnade Gottes Fortschritte auf dem Weg zur Heiligkeit zu machen?
Ein erster Schritt soll jetzt die Selbstbeobachtung sein. Ein aufmerksames Achtgeben auf das was und warum ich sage, tue und denke. Was stört mich warum an anderen und was lerne ich daraus über mich?
Als Tugend für diesen Monat habe ich die Schweigsamkeit gezogen. Nur sagen, was unbedingt notwendig ist und/oder der Liebe dient.
Das ist wirklich ein große Herausforderung für mich!

Dienstag, 28. August 2012

Tag 213: Schokoladen-Überdruss



Noch vor zwei Wochen hätte ich so etwas für völlig unmöglich gehalten.
Es war das Ende der Fastenzeit und mein Verlangen danach, endlich wieder Schokolade zu essen, groß. Aber jetzt ist es so weit: Ich habe soviel Süßes gegessen, dass ich es für den Augenblick nicht mehr sehen kann. Man sollte es wirklich nicht für möglich halten, dass man in einem Kloster soviel Schokolade innerhalb so kurzer Zeit bekommt...

Tag 212: Patrona Bavariae


Statue zu Ehren der Patrona in München
Da gestern der letzte Tag der Osteroktav war wurde dieses, den Bayern so wichtige Hochfest auf heute verlegt. Damit hatten wir jetzt drei Tage hintereinander gesprochenen Tisch und man hat das Gefühl aus dem Feiern gar nicht mehr raus zu kommen. Langsam wird es wirklich Zeit, dass der Alltag wieder einkehrt.
Jetzt im Mai gibt es praktisch keine Rekreationen, da die Komplet früher ist und sich die tägliche Maiandacht anschließt. Das macht den Mai in der Regel zu einem relativ anstrengenden Monat.
Mir persönlich ist da der Oktober mit dem Rosenkranz nach der Komplet lieber.
Aber schön ist der Mai schon auch.

Montag, 27. August 2012

Tag 211: Äbtissinnentausch

Der Äbtissinnenstab markiert ihren Platz am Chor
Unsere Äbtissin ist für ein paar Wochen verreist, um eine wichtige Angelegenheit zu klären. Gleichzeitig haben wir gerade Besuch einer Äbtissin eines anderen Klosters. Sie bleibt für ein paar Tage und sitzt im Refektor auf dem Platz unserer Äbtissin. Das ist wirklich merkwürdig, wenn dort plötzlich jemand ganz anderes ist.
Das macht neu bewusst, wie sehr die Person einer Äbtissin ein Kloster - eine Gemeinschaft - prägt.
Sicher trägt jede einzelne Schwester zum Charakter eines Hauses bei, aber keine so stark wie die Äbtissin. Angesichts dessen muss ich sagen, bin ich froh, dass dieses Amt in der Regel nicht so häufig wechselt.

Freitag, 24. August 2012

Tag 210: Morgen ist wieder ein Tag!

...so waren die letzten Worte des heutigen Tages einer Mitschwester an mich. Damit hat sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Und es sind Mitschwestern wie sie, die es überhaupt erst möglich machen auszuhalten - da zu bleiben und weiter zu machen. 
Irgendwie habe ich es heute geschafft zu verschiedenen Leuten im falschen Moment das falsche zu sagen. Von morgens bis abends war meine Stimmung mies und ich habe es nicht geschafft das in den entscheidenden Momenten zu verbergen, so dass wohl bei manchen heute der Eindruck von mir als patziger und frecher Novizin entstand.
Zwischendurch habe ich wirklich überlegt meine Sachen zu packen und zu gehen.

Donnerstag, 23. August 2012

Tag 208: Psalter

Es ist üblich für eine verstorbene Mitschwester den Psalter, oder drei Rosenkränze oder drei Kreuzwege zu beten.
Ich habe mich diesmal für den Psalter entschieden und zwar in der Übersetzung von Martin Buber. Dadurch ist der Text ungewohnt fremd und es fallen mir beim Beten ganz neue Dinge, Beziehungen und Bewegungen auf. Es ist wirklich schön, den so bekannten Text (immerhin beten wir durch das Stundengebet alle zwei Wochen den kompletten Psalter) so anders zu lesen und zu beten.

Mittwoch, 22. August 2012

Tag 207: schon wieder schön

Es klingt vielleicht furchtbar langweilig, aber auch heute war wieder ein wunderschöner Tag. Wir haben außerplanmäßig Sport gemacht, um aufzuholen, was wir über Ostern verpasst haben. 
Zu Mittag gab es schrecklich leckeren Fisch, so dass ich mich habe hinreißen lassen zu viel zu essen. Aber dafür habe ich die Erlaubnis bekommen in Zukunft am Vormittag zu fasten und beim Frühstück nur eine Tasse heiße Milch mit Honig zu trinken. 
Nach dem Mittagessen haben wir uns wieder zur Singprobe getroffen, und es ist schön zu sehen, dass wir langsam lernen aufeinander zu hören.

Montag, 20. August 2012

Tag 205: Ostermontag

Letztes Jahr dachte ich: schlimmer kann's nicht werden.
Heute denke ich: besser kann es kaum werden!
Ostern dieses Jahr war einfach wunderschön!!
Ich war wieder viel im Garten, am Vormittag zum "Emmausgang" (zwei Schwestern spazieren Rosenkranz betend durch den Garten), habe kurz zu Hause angerufen, wo groß gefeiert wird und habe es genossen bei gesprochenem Tisch an einem anderen Tisch zu sitzen als sonst.
In der Messe war die Rede davon, dass uns Vorurteile davon abhalten können die Wahrheit zu erkennen. Wie wahr!
Und zum Frühstück gab es mein Lieblingsmüsli, Mittags zum Nachtisch Erdbeerkuchen und am Abend Schokolade für alle!

Sonntag, 19. August 2012

Tag 204: Alleluja!

der heutige Tag begann mitten in der Nacht
Was für ein Tag! Kurz nach drei in der Früh aufgestanden. Um vier begann dann die Osternacht. Sie wurde zuerst in der fast völlig dunklen Kirche gesungen verkündet. Dann zogen wir in Prozession (ich durfte mit dem Kreuz vorangehen) in den hinteren Teil der Kirche, wo das Osterfeuer entzündet wurde. Die Mette dauerte etwa zweieinhalb Stunden und dann gab es festliches Frühstück. Das einzige Mal im Jahr, dass dabei gesprochen wird.
Dann war ein bisschen Luft und um 9.10 Uhr ging es mit der Terz weiter, auf die das Hochamt folgte. Den Nachmittag war ich fast komplett im Garten - nur unterbrochen vom Nachmittagskaffee.
Und wir haben Osternester gesucht! Es war einfach herrlich!

Er ist wahrhaft auferstanden! Halleluja!

Samstag, 18. August 2012

Tag 203: Karsamstag

einige der Eier, die jetzt den Osterbrunnen in unserem Kirchhof zieren
Die Spannung steigt. Die Vorfreude steigt.
Bald schon, in wenigen Stunden feiern wir die Osternacht.
Der Osterbrunnen ist fertig, die Kirche aufs festlichste geschmückt und alle in froher Erwartung.
Heute waren die letzten Lamentationen für dieses Jahr und ich habe sie nochmal so richtig genossen. Zur Vesper sind wir an unseren "Sommer-Bet-Platz" umgezogen und es ist schön wieder so viel Luft zu haben, auch wenn wir leider wegen der Renovierung nur bis Montag bleiben können.
Es ist erstaunlich, wie sehr ich mich in dem Jahr, das ich jetzt hier bin, an den Gedanken gewöhnt habe für den Rest meines Lebens hier zu bleiben.

Freitag, 17. August 2012

Tag 202: Karfreitag

In der Mitte der Nacht bin ich mit einer Mitschwester aufgestanden, um Gott zu loben und anzubeten. Worte können einfach nicht beschreiben, was dabei in einem vorgeht.
Eine Freundin ist heute angekommen, um die Ostertage hier mitzufeiern und so habe ich das Schweigen gebrochen, obwohl Einkehrtag war. Aber wie schön war es sie nach so langer Zeit wiederzusehen und umarmen zu können!
Am Mittag war ich im Garten. Es war wieder unglaublich schönes Wetter und fast zu heiß. Ich habe beobachtet, wie Kaulquappen die Häuser von Wasserschnecken säubern, und dann wie Enten Kaulquappen fressen.
Die Karfreitagsliturgie war ergreifend und nachdem ich die Kartage des letzten Jahres in keiner guten Erinnerung habe, kann ich dieses Mal sagen, dass ich mich schon auf das nächste Mal freue.

Donnerstag, 16. August 2012

Tag 201: Gründonnerstag

Beginn der wunderschönen Kartags-Antiphon (Vertonung von Phil 2,8-9)
Jetzt haben sie begonnen die Kartage! Der Tagesablauf, die Liturgie, die Mahlzeiten - alles anders als sonst.
In der Früh die Nokturnen mit den wunderschönen lateinischen Lamentationen und den herrlich langen Lesungen. Den ganzen Tag über am Ende jeder Hore das "Christus factus est". Am Nachmittag haben wir im Garten bei herrlichem Sonnenschein einen Buchskranz gebunden für den Weihwasserbottich der Osternacht. Danach war die Fußwaschung.
Begleitet von wunderschönen Gesängen wäscht und küsst die Äbtissin zwölf Schwestern die Füße. Das macht wirklich nochmal anders bewusst, dass Gott uns dient(e) und auch wir einander dienen sollen.

Mittwoch, 15. August 2012

Tag 200: vom Fasten

so etwas hätte sich Benedikt wohl nicht im Traum vorstellen können....
Heute habe ich einen sehr interessanten Artikel über das Fasten gelesen. Benedikt schreibt in seiner Regel ganz klar wie oft und wann gegessen werden soll. Diese Regelungen werden schon lange in allen benediktinischen Klöstern ignoriert. Heute gibt es praktisch kein Kloster mehr, in dem nicht drei Mal am Tag gegessen wird.
Der Artikel geht allen Gründen nach, die dafür vorgebracht werden und zeigt auf, dass es möglich und sinnvoll wäre, ein strengeres Fasten zu halten. Ich denke es ist wirklich wert, mal darüber nachzudenken.

Ansonsten stand ich heute unter anderem vor dem Tabernakel auf dem Hochaltar, um das Kreuz darüber zu verhängen. Ein bisschen komisch war das schon...

Dienstag, 14. August 2012

Tag 199: geschenkte Tage

Wirklich jeder Tag ist ein Geschenk. 
Und ich darf es nutzen und füllen. 
So viele Stunden jeden Tag, über die ich frei verfügen kann. In denen ich Sinnvolles tun kann, das mir das gute Gefühl gibt etwas getan zu haben, statt meine Zeit verplempert zu haben. Da sind die Bücher zu räumen, da die Bücher zu lesen, die Konstitutionen zu formatieren, die Sprachen zu lernen, die Natur zu genießen, die Gegenwart Gottes zu erspüren, die Weste zu stricken, die Beziehungen zu pflegen, die kleinen Hilfsdienste zu erledigen....
Wie schön ist doch nicht einkaufen, nicht waschen, nicht kochen, nicht fernsehen, nicht telefonieren, nicht im Internet surfen, nicht Vollzeit arbeiten zu müssen!
Das Leben als Novizin ist wirklich der pure Luxus!

Montag, 13. August 2012

Tag 198: Gewöhnung

Gestern, am Palmsonntag zogen wir in Prozession durch unseren schön restaurierten Kreuzgang mit wunderbaren Gesängen und herrlicher Akustik. Dann die bewegende Lesung der Passion mit verteilten Rollen in der Messe....
Es war wieder einfach schön.

So langsam wird die tägliche morgendliche Betrachtung zur Gewohnheit und ich möchte sie nicht mehr missen. Am Abend freue ich mich schon bei dem Gedanken am nächsten Tag wieder bei IHM verweilen zu dürfen. Es ist nicht immer gleich einfach auszuhalten und gesammelt zu bleiben. Heute kamen mir wieder jede Menge ungebetener Gedanken und Bilder, aber trotzdem gibt es mir etwas und ich habe das Gefühl, dass es mein Leben - meinen Alltag - reicher macht.
Jetzt, wo es Abends länger hell ist, geh ich öfter nach der Komplet noch in den Garten. Das sind auch ganz kostbare Momente.

Samstag, 11. August 2012

Tag 196: morgen geht's los

Mit dem morgigen Palmsonntag beginnen die bewegendsten, intensivsten und anstrengendsten Tage des Jahres im Kloster. Ich hoffe, dass ich sie etwas mehr genießen kann als das letzte Mal. Vor einem Jahr war ich gerade erst angekommen. Alles war neu und so wahnsinnig viel und ich konnte gar nicht alles aufnehmen und war total erschlagen und k.o. Mal sehen, wie es beim zweiten Mal so wird.
Heute habe ich wieder ein wenig italienisch gelernt, wir haben gesportelt und gesungen. Also rundum wieder ein guter und schöner Tag.

Freitag, 10. August 2012

Tag 195: Wenn es anderen schlecht geht

Ich glaube generell bin ich eher unsensibel, aber wenn es jemandem sehr schlecht geht, dann merke sogar ich das. Aber ich weiß einfach überhaupt nicht was ich dann tun soll. Habe ich irgendetwas falsch gemacht, so dass ich Leid verursacht habe und sollte ich mich entschuldigen? Sollte ich so tun, als merkte ich nichts und dächte alles wäre in Ordnung und so abwarten, bis es wieder vorübergeht? Sollte ich Fragen stellen und Ratschläge erteilen? Trösten ohne zu wissen, was das Problem ist? Ich weiß es einfach nicht. Woher soll ich wissen, ob jemand seine Ruhe haben will, oder nur so tut und eigentlich jemanden zum reden bräuchte? Und wie zeigt man jemandem, dass man bereit ist zuzuhören und einfach da zu sein?

Dienstag, 7. August 2012

Tag 194: Beerdigung

Sie begann am Aufbahrungsort. Von dort aus zogen wir in stiller Prozession zum Friedhof. Während der Sarg ins Grab hinab gelassen wurde sangen wir das "Suscipe me Domine" (Nimm mich auf, oh Herr), das jede Schwester bei ihrer ewigen Profess singt. Das ganze war eine schlichte und schlöne Feier. Im Anschluss war das Requiem.
Danach ging der Tag seinen ganz gewöhnlichen Gang. Sie hat ihr Ziel erreicht und wir müssen hier weitermachen in der Hoffnung eines Tages auch in Gottes Herrlichkeit einzugehen. Ich weiß, dass noch viele Beerdigungen in dieser Gemeinschaft vor mir liegen, aber das beunruhigt mich nicht. Gott ist mit uns. Und egal, wie sehr der Konvent noch schrumpft: Wir sind nicht hier um das Kloster am Leben zu halten, sondern um Gott zu dienen!