Dienstag, 31. Januar 2012

Tag 49: Blick nach vorn

Heute in einem Jahr werde ich, so Gott will, meine Profess ablegen. Noch ein Jahr. Was diese Monate wohl noch alles bringen werden? Wie wohl mein erstes Weihnachten im Kloster - mein erstes Weihnachten ohne meine Familie wird? Wie es sein wird, wenn kurz darauf drei Novizinnen im Haus sind? 

Manchmal kommt mir unser Leben hier im Kloster so gewöhnlich vor. Aber ab und zu, wie heute beim Vesper-Responsorium, kommen Augenblicke, in denen man das Gefühl hat in einer anderen Welt zu sein. Dann scheint etwas vom Himmel durch in unseren Alltag.

In einer Woche beginnt der Advent und endlich haben die Temperaturen draußen eine der Jahreszeit angemessene Tiefe erreicht.
In zwei Wochen werde ich das erste Mal in Ordenskleidung mein Kloster verlassen, in einen Zug steigen, und zu einem Kurs fahren. Es ist die Studienwoche mit mündlicher Prüfung vom Würzburger Fernkurs. Ich werde nie mehr in Zivil einfach in der Menge untertauchen. Bin mal gespannt, wie das wird.

Montag, 30. Januar 2012

Tag 48: Lebens-Mittel Schlaf

Es geht mir besser – viel besser. 

Wenn ich in den letzten zwei Wochen etwas gelernt habe, dann wie wichtig ausreichender Schlaf ist. Die Umstellung von meinem völlig freien und ungeregelten Studenten-Dasein zum monastischen Tagesablauf ist viel gewaltiger und anstrengender, als ich für möglich gehalten hätte. Allein der Tagesrhythmus kostet mehr Kraft, als man denkt und nur, wenn ich genug schlafe, bringe ich sie auf.
Und mir ist neu bewusst geworden, wie eng physische und psychische Stärke zusammenhängen. Wenn ich erschöpft, kraftlos und übermüdet bin, dann bin ich viel weniger in der Lage die anderen mit Geduld und Liebe mit ihren Schwächen zu ertragen. Ich bin dann schneller gereizt und leichter verletzt.

Genauso wichtig zum Überleben im Kloster scheint mir das persönliche Gebet zu sein. Man läuft ständig Gefahr es zu vernachlässigen, da man so viel anderes zu tun hat und ja eh ständig am Beten ist. Nimmt man sich aber konsequent Zeit und lässt sich für eine Stunde am Tag nichts anderes wichtiger sein, als bei Gott zu verweilen, so werden dies die allerkostbarsten Stunden, aus denen man grenzenlos Kraft und Freude schöpfen kann.

Sonntag, 29. Januar 2012

Albert Einstein über Jesus

Im heutigen Evangelium sagt ein Dämon zu Jesus: "Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes." Das darf uns einladen an diesem Sonntag darüber nachzudenken, ob auch wir wissen, wer Jesus ist. Wer ist er und was bedeutet das für uns?
Seit nunmehr zweitausend Jahren legen Menschen auf der ganzen Welt beeindruckende Zeugnisse über ihren persönlichen Glauben an Jesus Christus ab. 
Ich möchte heute eines vorstellen, das zwar nicht von einem Christen stammt, aber mich trotzdem beeindruckt. Es ist bewegend den tiefen Glauben eines so genialen Menschen zu sehen.
Albert Einstein (1879-1955) sagte einmal: “Ich bin ein Jude, aber das strahlende Bild des Nazareners hat einen überwältigenden Eindruck auf mich gemacht. Es hat sich keiner so göttlich ausgedrückt wie er. Es gibt wirklich nur eine Stelle in der Welt, wo wir kein Dunkel sehen. Das ist die Person Christi. In ihm hat sich Gott am deutlichsten vor uns hingestellt.”

Freitag, 27. Januar 2012

Tag 46: Erleichterung

Licht im Dunkel.
Morgen darf ich ausschlafen! 
Ich hatte endlich ein Gespräch mit meiner Novizenmeisterin und es ist ein solcher Druck von mir abgefallen, dass mir fast vor Erleichterung die Tränen gekommen wären. 
Außerdem ist im Moment die Äbtissin eines anderen Klosters zu Besuch und ich habe mich riesig gefreut, dass ich bei der Führung durchs Haus übersetzen durfte. Es hat gut getan mit ihr zu reden, auch wenn wir nicht groß geredet haben. Allein ihre Gegenwart hat mich wieder ein bisschen aufgebaut. 
Und gestern von der Mutter einer Mitschwester in den Arm genommen zu werden hat auch sehr gut getan.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Tag 45: antriebslos


Ich habe heute kurz mit einer unserer Angestellten gesprochen. Sie sagte, dass sich alle jungen Schwestern, die seit sie da ist eingetreten sind, während des Noviziatsjahres sehr verändert hätten. Sie hätten sich grundlegend geändert und ihre natürliche Offenheit und Fröhlichkeit verloren.
Ich weiß, dass viele von ihnen wieder gegangen sind, und vielleicht wird man nur so missmutig und zieht sich in sich zurück, wenn man merkt, dass es nicht der richtige Platz ist, aber vielleicht wird man auch reifer und ernster, weil man lernen muss, dass Nachfolge Christi immer auch Kreuzesnachfolge bedeutet.
Ich bin selbst seit einigen Tagen ziemlich motivationslos und griesgrämig. Obwohl ich meinen Schwestern damit sicher Unrecht tue, habe ich das Gefühl einfach nur immer funktionieren zu müssen, ohne dass sich jemand wirklich für mich und dafür, wie es mir geht, interessiert. Ich sehne mich danach mal für einen Tag keine Pflichten erfüllen zu müssen, einfach mal für einen Tag nicht funktionieren zu müssen. So sehr, dass ich immer mal wieder mit dem Gedanken spiele einfach krank zu werden. Eine kleine Grippe, die mir eine kurze Pause verschafft. Ich fühle mich urlaubsreif und würde am liebsten ausbrechen aus all den Zwängen. Mich ins Auto setzen und einfach nur stundenlang ohne Ziel fahren.
Ich wusste ja, dass das Noviziat nicht immer nur leicht und schön sein kann, aber ich habe trotzdem nicht erwartet, dass es so schwer werden würde. Im Moment frage ich mich, ob die Freude wohl je wiederkommt.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Tag 44: Heimweh


Die Kieselsteine auf unserem Friedhof zwischen den Gräbern
Heute war ich zum ersten Mal überhaupt froh und dankbar für die barocke Ausgestaltung unserer Kirche. Die gewaltige und machtvolle Größe und Erhabenheit vermochten mir Trost und Kraft zu spenden. Ich hätte nicht gedacht, dass mich so heftiges und schmerzhaftes Heimweh überkommen würde. Noch dazu so plötzlich und ohne Vorwarnung. 
Wie gerne würde ich mich von meinen Eltern in den Arm nehmen lassen! Vielleicht bin ich verrückt, aber ich habe mich auf den Friedhof zwischen zwei Gräber gelegt und gebetet, dass ich nicht sterben muss, bevor ich meine Familie wiedergesehen habe. Es dauert noch ein ganzes Jahr, bis es soweit ist. Und es wird nicht mehr so sein wie vorher.
Das tut weh und manchmal habe ich das Gefühl, um meine Jugend zu trauern und zu weinen.
Aber ich bleibe bei meiner Entscheidung, da alles andere keinen Sinn machen würde. Allein Christus ist der Grund und das Ziel meines Lebens ist. Ich wähle IHN mit aller Konsequenz.
Aber heute hoffe ich in meinem Herzen, dass das Noviziat, von dem ich im Kopf weiß, dass es eine geschenkte und kostbare Zeit ist, schnell zu Ende gehen möge.

Dienstag, 24. Januar 2012

Tag 42: monastisch


Im Unterricht fiel in dieser Woche der Satz: "Monastisch heißt vornehm".
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich monastisch leben kann, wenn das so stimmt. Sicher, es gibt Einiges, das man weder als Nonne, noch als vornehmer Mensch tut, aber ich würde es trotzdem keinesfalls gleichsetzen. Und ich glaube auch nicht, dass eines von beiden das andere beinhaltet oder voraussetzt.
Monastisch zu leben bedeutet für mich in erster Linie dem Lob Gottes den höchsten Rang einzuräumen. Es heißt in einer Gemeinschaft unter Regel und Abt zu leben und Christus zu dienen. Es heißt beständig und treu zu sein. An einem Ort zu bleiben um dort tiefe Wurzeln zu schlagen, die einen immer weiter wachsen lassen.
Ich würde das Adjektiv monastisch zur Charakterisierung einer Lebensform und vornehm zur Charakterisierung einer Verhaltensform verwenden. Wobei ich denke, dass man sich nicht vornehm verhalten muss, um monastisch zu leben.
Ein Mönch ist bereit jede Arbeit zu tun, egal wie er dabei aussieht, oder wie schmutzig er dabei wird, wenn es notwendig ist...
...aber wer weiß, vielleicht verstehe ich auch nur etwas anderes, als meine Lehrerin, unter dem Begriff vornehm....

Montag, 23. Januar 2012

Tag 41: erschöpft


Ich bin fix und fertig. Abgeschlagen und kraftlos. Ich habe einen Tiefpunkt erreicht - sowohl physisch, als auch mental - der mich morgens, wenn der Wecker klingelt, nur noch denken lässt: „Ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht...“ Aber es hilft nix - ich muss. Also stehe ich auf und bewältige den Tag, wobei ich jedesmal, wenn ich zwischendurch zwei Minuten zum Luft holen habe, denke: „Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr...“
Ich fühle mich ausgelaugt und antriebslos.
Der Grund: chronischer Schlafmangel. Alles, wonach ich mich sehne, ist mal einen Tag auszuschlafen. Keinen Wecker zu stellen und stundenlang im Bett liegen, bis ich wieder richtig erholt bin.
Naja, vielleicht lerne ich irgendwann früher ins Bett zu gehen.

Freitag, 20. Januar 2012

Tag 40: peinlich!


Auf der Strecke gebliebene Äpfel
Tja, heute ist etwas passiert, das war mir so richtig peinlich.
Alles und jeder hat ja so seine Schattenseiten. Und wir alle geben uns meistens die größte Mühe sie zu verbergen. Wir entwickeln Strategien um zu vermeiden, dass unsere dunklen Geheimnisse entdeckt werden. Manchmal geht das so weit, dass wir mehr Kraft darauf verwenden zu vertuschen, als wir benötigen würden zu verändern. Wir wollen nicht, dass jemand erfährt, was unser Problem ist. Es wäre uns peinlich und wir haben Angst davor dann mit anderen Augen gesehen zu werden. Angst davor, man könnte uns deswegen weniger schätzen und mögen. Nur einem Menschen, zu dem wir sehr großes Vertrauen haben, von dem wir wissen, dass er uns bedingungslos akzeptiert, können wir auch unsere Schwächen anvertrauen.
Und ich glaube, wenn es irgendwie geht, sollte man das auch tun.
Es ist eine echte Hilfe jemanden zu haben, der darum weiß. Und ganz bestimmt ist es weniger peinlich, von sich aus zu erzählen, als wenn der andere es zufällig entdeckt. Meine Schattenseite (oder zumindest eine davon) wurde heute zufällig von meiner Novizenmeisterin erblickt. Sie war erstaunt (oder eher geschockt) und mir war es natürlich furchtbar peinlich, aber andererseits bin ich auch ganz froh, dass sie jetzt Bescheid weiß. Denn im Grunde heißt das ja, dass sie mich jetzt besser kennt und mir besser helfen - mich besser auf meinem geistlichen und menschlichen Weg begleiten -  kann. Immerhin kämpfe ich ja schon seit Jahren - ja eigentlich soweit ich mich erinnern kann - damit und ich schaffe es einfach nicht so zu werden, wie ich gerne wäre. Also vielleicht kann sie mir helfen. 

Donnerstag, 19. Januar 2012

Tag 39: Der Ton macht die Musik


Bäume oder Steine - je nach Blickwinkel....Schimpfen oder helfen - je nach Tonfall
Aus Fehlern soll man ja lernen. Und am Besten nicht nur aus den eigenen Fehlern, sondern auch aus den Fehlern anderer. Ich wurde heute in völlig unangemessener und unberechtigter Weise zurechtgewiesen. Eigentlich wollte die Schwester mich nur an etwas erinnern, oder nachfragen, ob ich daran gedacht hätte. Statt dessen ging unter der Annahme, dass ich es vergessen hätte (was diesmal nicht der Fall war) ein Donnerwetter auf mich nieder. Das hat mir wieder klar gemacht wie sehr es bei dem, was wir sagen nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Verpackung ankommt. 
Man sollte sich wirklich immer wieder bewusst machen, wie wichtig es ist, das, was man sagen möchte, in angemessener Weise zu sagen. Also zu einem angemessenen Zeitpunkt mit angemessenen Worten und angemessenem Tonfall. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich jemanden freundlich auf etwas hinweise oder wegen der gleichen Sache lautstark mit ihm schimpfe. 
Dabei wird der freundliche Ton nicht nur für den Angesprochenen besser sein, der die Kritik in dieser Weise viel leichter annehmen kann, sondern auch für mich, da ich so überlegter und fairer handle. Ganz abgesehen von der Stimmung und Atmospäre allgemein. 
Gerade im Kloster scheint dies ein wichtiger Aspekt zu sein. Wir leben auf engem Raum zusammen und müssen einen gesunden und wohlwollenden Umgang miteinander pflegen. Zunächst weil wir vom Evangelium, gemäß dem wir leben wollen, angehalten sind, unser Bestmögliches für Frieden zu tun. Aber auch einfach weil wir in einer vergifteten Atmosphäre nicht mehr leben und atmen können.
Tja, leider ist keiner von uns perfekt und oft reagieren wir anders als wir vielleicht eigentlich wollten. So gibt es überall Probleme, aber nie einen Grund aufzugeben und aufzuhören nach unseren Idealen zu streben.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Tag 38: Hüte deine Zunge


Ein paar kleine Worte. Auf den ersten Blick wirken sie so harmlos. Und doch: Einmal ausgesprochen lassen sie sich nicht wieder einfangen. Und sind sie erst freigesetzt, so können sie, auch wenn gar keine böse Absicht vorhanden war, eine immense Schadenswirkung entfalten. Sie können schmerzhaft verletzen, Misstrauen säen, Parteiungen verursachen und Atmosphäre vergiften. Vor allem aber können sie weiter reisen, als wir ihnen zugetraut hätten. Und das Schlimme daran ist, dass sie meist schon beim zweiten oder dritten Hören ganz anders ankommen, als sie ursprünglich gemeint waren.
Ich habe etwas gesagt, und bereue es schwer. Vor allem deshalb, weil unter den Folgen dieser Worte jemand anderes leiden musste. Wenn ich vorher gewusst hätte, was sich aus diesem Gespräch entwickeln würde, dann hätte ich es wohl nicht geführt. Aber im Grunde wissen wir das nie vorher. Dies sollte mir wirklich eine Lehre sein, so dass ich in Zukunft  nicht mehr so leichtsinnig alles Mögliche ausplaudere, sondern statt dessen mit dem Psalmisten beten: Herr, stelle vor meinen Mund eine Wache! 

Dienstag, 17. Januar 2012

Tag 37: Achtsamkeit

Ich habe in den letzten Tagen in verschiedensten Situationen bei meinen Mitschwestern eine derart verblüffende Begabung für Mimik und Gestik beobachtet, dass ich direkt mal mit ihnen Pantomime spielen möchte. Ich glaube es wäre der reinste Genuss.
Wahrscheinlich ist es nicht einfach Begabung sondern auch monastisches Training. In einer Welt, in der jedes unnötige Wort vermieden werden soll und an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten striktes Stillschweigen zu wahren ist, wird man wohl automatisch lernen immer besser ohne Worte auszudrücken, was man dem anderen gerade mitteilen möchte. Und man kann viel mehr mitteilen ohne etwas zu sagen, als die meisten Leute denken.
Die heutige Welt macht sehr viele Worte, häufig auch um nichts. Sie sagt, was sie gerade denkt und hält nicht mit ihrer Meinung zurück. Dabei geht vielen das Gespür für die nonverbale Kommunikation verloren. Wir sind es so gewohnt alles auszusprechen und in Worte gepackt geliefert zu bekommen, dass wir meist  kleinsten Veränderungen gegenüber-  in Blick, Haltung und Verhalten - unaufmerksam sind.
Ich lerne hier im Kloster ganz neu auf meine Mitmenschen zu hören, auch wenn ich nichts von ihnen höre.

Montag, 16. Januar 2012

Tag 36: zu warm

Heute war es auffallend warm draußen und als ich dann blühende Gänseblümchen im Garten entdeckte wurde mir bewusst, dass es wohl schon einige Tage zu warm für den November war. Auch an manchen Bäumen sind frische Triebe zu sehen. Jeder Gärtner weiß, dass zu viel Wärme zur falschen Zeit schädlich für das Wachstum der Pflanzen ist. Die Bäume stellen sich normalerweise durch die zunehmende Kälte im Herbst auf den Winter ein. Sie ziehen sich ganz in sich zurück und sammeln ihre Kräfte um sich dann im Frühjahr umso prachtvoller zu entfalten.
Vielleicht kann man sagen, dass das Noviziatsjahr so etwas wie der Winter für das geistliche Leben ist. Nicht auf Grund einer geistlichen Dunkelheit und Kälte, sondern weil es eine Zeit des Rückzugs ist. Ein nach Innen gehen um Kräfte zu sammeln. Um dann danach umso frischer und blühender in die Welt hinaus zu wirken.
Und vielleicht sollte ich zwischenmenschliche Kälte einfach als kleine Erinnerung von Gott verstehen, dass für mich gerade Winter ist.
Immer nur Wärme und Anerkennung würden wohl dazu führen, dass ich, so wie die Bäume gerade draußen, zu früh Knospen nach außen treiben würde, die dann nur umso schmerzhafter im Frost absterben würden.

Samstag, 14. Januar 2012

Lectio: Aelred über die Freundschaft

In dieser Woche feierten wir den Gedenktag des heiligen Aelred von Rievaulx. Er hat ein wunderschönes und lesenswertes Buch über die geistliche Freundschaft geschrieben. Es ist in Dialogform verfasst und beginnt schon mit den netten Worten: "Hier sind wir beide, ich und du, und ich hoffe, als dritter ist Christus bei uns."
Das Buch zeigt, dass im 12. Jahrhundert eine sehr hohe Meinung von der geistlichen Freundschaft herrschte. Dass es enge Freundschaften unter Mitgliedern einer Klostergemeinschaft gab, und dies als kostbar geschätzt wurde. Etwas, das im letzten Jahrhundert, so scheint es mir, leider in vielen Klöstern in Vergessenheit geraten ist. Freundschaften waren verpönt und noch heute ist es in manchen Klöstern verboten mit anderen über private Dinge zu sprechen. Die geistliche Freundschaft ist ein Schatz, der, sehr zu meiner Freude, von unserer Generation neu entdeckt werden darf.
Aelred schreibt unter anderem:
"Dem Freunde möchtest du vertrauen wie deinem anderen Ich, und nie ihm etwas verbergen, von ihm niemals etwas fürchten. Wer dazu geeignet ist, ist zuerst zu suchen, dann zu erproben, und schließlich und endlich darfst du ihn zulassen. Freundschaft muss ganz fest sein, von der Ewigkeit geprägt, unerschütterlich. Man darf nicht je nach Laune seine Freunde wechseln."
"Denn mein Freund muss eine gegenseitige Liebe, ja mein und sein Herz beschützen, alle Geheimnisse getreulich schweigend behüten, alle Fehler, die ihm nicht verborgen bleiben, ertragen und nach Kräften bessern, sich freuen mit dem Fröhlichen, weinen mit dem Weinenden, und fühlen als seine Sache, was des Freundes ist. Freundschaft ist demnach die Tugend, die zwei Seelen durch das Band der Liebe und des Wohlgefallens so fest verknüpft, dass aus beiden eine wird."
Er geht weiterhin darauf ein, wie man damit umgehen soll, wenn ein Freund einen Vertrauensbruch begeht und er erörtert die Frage, ob man dem Freund zu einer besseren Position verhelfen soll, wenn man dazu in der Lage ist.
Er schließt das Buch ab mit folgenden Worten: 
"Im Himmel wird die Freundschaft, die wir hier auf Erden nur wenigen schenken können, auf alle übertragen und von allen wiederum Gott zurückgeschenkt, denn Gott ist alles in allem."

Freitag, 13. Januar 2012

Tag 35: Gott allein genügt

Ein Satz, den ich oft gehört, gelesen und gedacht habe. Ein Satz, den ich glaube – sonst hätte ich mich gar nicht auf das Leben im Kloster einlassen können. Aber verinnerlicht in seiner ganzen Tiefe und Konsequenz habe ich ihn noch lange nicht. 
Heute war es der Entzug geschwisterlicher Liebe und menschlicher Anerkennung, der mir wieder einmal bewusst gemacht hat, wie sehr ich noch an anderen Dingen hänge. Von ihnen ab-hänge. Von Dingen, die nicht Gott sind.
Gott in seiner ganzen dreifaltigen Fülle schenkt sich mir doch, wieso ist mir das noch nicht genug? Was kann man mehr wünschen und erhoffen als seine endlose Liebe? Er neigt sich meinem Herzen zu und kennt und liebt mich durch und durch. Und ist es nicht gerade seine Gegenwart, die mich erfüllt und mir Kraft schenkt?
Auf ihn darf ich hoffen und bauen – er lässt mich nicht im Stich. Er gibt mir alles, was ich brauche. Alles, was ich brauche um mein Ziel zu erreichen: das Eingehen in seine Herrlichkeit.
Es ist schon fast beschämend, wie schnell man manchmal die Hoffnung aufgibt. Vor allem die Hoffnung darauf, dass sich jemand ändert. Dann hört oder sagt man schnell: Die ist halt so - die war schon immer so - und die wird sich auch nicht mehr ändern. Aber diese Hoffnung aufgeben, das bedeutet doch diesen Menschen aufzugeben. Warum sollten wir das tun, wo wir doch wissen dürfen, dass Gott keinen Menschen, keines seiner geliebten Kinder aufgibt?!
Ich möchte immer mehr lernen meine Mitmenschen durch die Augen Gottes zu sehen. Das Gute zu sehen, das schon da ist, und das noch werden kann.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Tag 34: Schwebend


Sonne -- draußen und drinnen
Es mag komisch klingen, aber das Leben hier ist so schön, dass ich glatt eintreten würde, wenn ich es nicht schon getan hätte. 
Ich habe das Gefühl, dass seit ich hier bin, nur die Sonne scheint. Sicher, es gab auch Tage, an denen es nur geregnet hat, aber die Sonne in meinem Herzen ist nie untergegangen. Auch an den Tagen, an denen es schwerer war, hat mich nie der innere Frieden verlassen, der mich so sicher sein lässt am richtigen Ort zu sein.
Und in gewisser Weise geht mir jeden Tag ein anderes Licht auf, weil mir immer wieder irgendetwas klar wird, das mir vorher nicht bewusst war, oder über das ich bisher noch nicht nachgedacht hatte.
Es gibt wirklich nichts, über das ich mich ernsthaft beschweren könnte. Und wenn es etwas gibt, das mir das Leben schwer macht, so bin ich das wohl selbst. Ich stelle fest, dass ich noch weit davon entfernt bin so zu leben, wie ich es mir wünschen würde. Aber auch das ist kein Grund betrübt zu sein. Ich befinde mich auf dem Weg – im Werden. Und ich weiß, dass jemand mit mir geht und mir hilft. Ich kann und muss nicht vollkommen sein - nur bereit es jeden Tag ein bisschen mehr zu werden.
Das Leben im Kloster macht mich glücklich und erfüllt mich. Es ist nicht das, was ich schon immer wollte, aber das, wofür ich schon immer gedacht war und gemacht bin.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Tag 33: noch da?

Die letzte Rosenblüte dieses Jahres

Schon lange sind unsere Zierrosen, mit denen wir die Kirche schmücken für den Winter zurecht geschnitten. Über Nacht haben die Bäume massiv Blätter verloren, so dass es jetzt richtig kahl ist in unserem Garten. Aber an der ein oder anderen Ecke kann man noch ein Blüte finden, die einen um so mehr freut.
Im Sommer erfreut man sich an der üppigen Vielfalt und nimmt oft einzelne Blumen gar nicht unbedingt wahr. Jetzt, wo keine mehr da sind, bleibt man stehen, sobald man eine entdeckt, und ist erstaunt über ihre Widerstandskraft und Hartnäckigkeit.
Ich glaube es geht vielen Menschen genauso, wenn sie eine Nonne sehen. Sie sind erstaunt und wundern sich, dass es so etwas heute noch gibt. Vor allem dann, wenn es sich um eine junge Nonne handelt, denn das bedeutet ja, dass sie sich erst vor kurzem für das Leben im Kloster entschieden hat. Und so etwas tut man doch heute nicht mehr.
Der Anblick einer jungen Ordensfrau scheint so selten geworden zu sein wie der, einer blühenden Rose im beginnenden Winter. Aber es gibt uns noch. Und ich bin sicher, dass es uns immer geben wird. Ich glaube sogar, dass es bald zu einem neuen "Frühling" mit vielen blühenden Rosen kommen wird.

Dienstag, 10. Januar 2012

Tag 32: Gott im Aufzug


Der Aufzug - Raum für Gott!?
Ich musste heute an eine Begebenheit denken, die schon eine ganze Weile zurückliegt. Ich habe mit einer Kerze unseren Priester begleitet, der unseren alten Schwestern die Krankenkommunion gebracht hat. Auf dem Weg in die Krankenabteilung sind wir Aufzug gefahren. Es kam mir ganz komisch vor mit dem Allerheiligsten in den Aufzug zu steigen. Das gewandelte Brot, der Leib Christi, Jesus Christus selbst, in seiner ganzen Fülle.
Als ich darüber nachdachte ist mir aufgegangen, dass es eigentlich gar keinen Grund gibt, warum mir das komisch vorkommen sollte. Immerhin glaube ich ja, dass Gott überall gegenwärtig ist. Und zwar vor allem in den anderen Menschen. In jedem einzelnen begegne ich Christus selbst. Und es kam mir noch nie komisch vor mit einem anderen Menschen im Aufzug zu sein.
Ich glaube es war der Gedanke, dass die unendliche und erhabene Größe Gottes mit mir in einem Aufzug „eingesperrt“ war, die mich verunsicherte. Wie klein ist doch oft unser Glaube!
Gott ist so groß, dass er sich so klein macht, dass wir IHN in uns aufnehmen können! Was für ein Wunder!
Wie groß ist dieser Schritt von Gott zum Brot und wie klein ist da der Schritt, dass ER sich, um von allen aufgenommen zu werden, in Aufzügen, Autos, ja selbst U-Bahnen transportieren lässt.
Und wie schön wäre es, wenn wir häufiger daran denken würden, wenn wir mit jemandem im Aufzug stehen, dass die unendliche und erhabene Herrlichkeit Gottes mit uns dort ist und darauf wartet, dass wir sie erkennen und im Geiste anbeten!

Montag, 9. Januar 2012

Tag 31: auf dem Friedhof


Friedhofslichter bei Nacht
Zu Allerheiligen werden an allen Gräbern auf unserem Friedhof Lichter entzündet. Ich komme mehrmals am Tag an Fenstern vorbei, die einen sehr guten Blick auf den Friedhof erlauben und im Moment sieht er wirklich besonders schön aus. Dieser Blick auf den Friedhof erinnert mich immer wieder daran, dass auch mein Leben zu Ende gehen wird und ich dort (so hoffe ich zumindest) meine letzte Ruhestätte finden werde.

Auf dem Friedhof zu sein, hat irgendwie etwas sehr Beruhigendes. Es erinnert mich daran, dass seit Jahrhunderten Schwestern hier leben und beten. Sie alle hatten ihre je eigenen Probleme und irgendwie glaube ich, dass sie mich mit meinen Problemen verstehen. Sie haben ihren Lauf vollendet und sind eingegangen in die Herrlichkeit Gottes. Und egal wie lang mir manche Zeitspanne vorkommt oder wie groß ein Problem scheint, wenn ich die Gräber anschaue, dann wird mir wieder bewusst, wie schnell das Leben vorbei ist und wie klein meine Probleme eigentlich sind.
Es ist verrückt, dass man auf dem Friedhof des Klosters, das einst außerhalb der Stadt lag, heute die Bässe von den Autoradios dröhnen hört. Aber egal, wie sehr man den Lärm der Stadt hört, auf keinem anderen Friedhof möchte ich begraben werden. Denn dieser ist der, der zu meinem geliebten Kloster gehört.

Als wir gestern bei unserem Gräbergang vom jetzigen Friedhof zum alten Äbtissinnen-Friedhof gegangen sind kamen wir durch einen Innenhof, in dem wir alle nach oben schauen mussten. Es war am späten Nachmittag und die Sonne war schon so weit untergegangen, dass man sie nicht mehr sehen konnte. Aber der Kirchturm, und zwar nur der Kirchturm, wurde von der Sonne angestrahlt und leuchtete in Rot-Goldenem Licht. Es war ein verblüffender und wunderschöner Anblick.

Samstag, 7. Januar 2012

Oratio: Oh Herr!

Diese Woche ist mir ein Gebet wieder in die Hände gefallen, mit dem ich beim ersten Mal überhaupt nichts anfangen konnte. Ich las es und legte es sogleich wieder weg, weil es mir nichts sagte. Überhaupt reagierte ich auf Begriffe wie Tod und Sterben in Gebeten dieser Art eher allergisch. Immerhin ist Jesus doch gekommen, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben.
Aber als es mir jetzt wieder in die Hände fiel, da konnte ich es plötzlich mitbeten. Es scheint mir, dass ich mehr und mehr begreife, dass Leiden und Kreuz zum Weg Jesu einfach dazugehören und damit auch zum Weg derer, die IHM nachfolgen wollen. Ich habe das Gefühl, dass ich mich immer mehr auf einen Punkt zubewege, an dem ich begreifen werde, dass Leiden - getragen mit Liebe - und Leben in Fülle gar keine Widersprüche sind.
Also hier das Gebet, es ist von Bernhard von Clairvaux, und vielleicht sagt es ja dem ein oder anderen etwas:

Oh Herr, es ist ein ständig lassen,
wenn man Dich will erfassen.
Oh Herr, es ist ein Tod den Sinnen,
wenn man Dich will gewinnen.
Oh Herr, es ist ein ständig Sterben,
wenn man Dich will erwerben.
Und doch ist's wie Jubel von tausend Geigen,
wenn Du mir wirst zu eigen.

Freitag, 6. Januar 2012

Tag 30: Heilig

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- Die etwas andere Allerheiligen-Litanei: We sing for Jesus von der Emmanuel Priest Band -

Das, was man unserer Generation vor allem beigebracht hat, ist, dass man, wenn man etwas bestimmtes erreichen will, alles daran setzen muss. Es wird uns erzählt, dass wir klare Ziele brauchen und alles dem Erreichen dieser Ziele unterordnen sollen. So kommt es, dass junge Leute, die eine bestimmte Karriere anstreben Auslandsaufenthalte in verschiedensten Ländern machen. Nicht etwa, weil sie sich dafür interessieren, sondern nur weil es im Lebenslauf besser aussieht. Da wird jede Freizeitgestaltung, jedes Ehrenamt daran gemessen, ob es diesem Ziel dienlich ist.
Für uns Christen ist das wichtigste Ziel nicht die Selbstverwirklichung im Berufsleben, sondern die Heiligkeit.
Für weniger wichtige Ziele, wie das Bestehen der nächsten Prüfung, bin ich bereit etwas zu tun. Aber was bin ich bereit dafür zu tun, heilig zu werden? Wieso fällt es mir hier schwerer, obwohl es doch so viel wichtiger ist?
Ein Punkt ist sicher, dass wir niemals zu einem Punkt kommen werden, an dem wir sagen können: Ich bin heilig. Während ganz sicher der Moment kommt an dem ich entweder die Prüfung bestanden habe, oder durchgefallen bin.
Zum anderen weiß man nicht so genau, was bedeutet das eigentlich – heilig sein? Es heißt unter anderem man sei heilig, wenn man immer den Willen Gottes tut. Aber woher weiß man, ob man den Willen Gottes tut? Wenn mir ein Vorgesetzter sagt, was ich tun soll, dann weiß ich hinterher, ob ich das getan habe oder nicht. Aber Gott sagt uns ja nicht: Jetzt tu das, dann das und danach jenes.
Mir scheint, dass in seinem Willen zu leben zunächst einmal heißt, ihn kennen zu lernen und zu suchen. Im Lesen der Heiligen Schrift, im Gebet und in der Betrachtung. Wenn ich diese Dinge konsequent pflege, werde ich - so hoffe ich zumindest - lernen seinen Willen für mich ganz persönlich wahrzunehmen und dementsprechend zu handeln. 
Dabei darf ich nie vergessen, dass heilig werden ein Prozess ist, der mich sowohl aktiv, als auch passiv fordert. Egal wie viel ich daran setze, ich kann es nie aus eigener Kraft schaffen. Die Heiligkeit ist immer ein Gnadengeschenk Gottes.

Donnerstag, 5. Januar 2012

Tag 29: anders

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Walnüsse aus unserem Garten und Rohmaterial für weihnachtliche Strohsterne
Es ist richtig schöner Herbst. Heute konnte man noch mal die Sonne draußen im Garten genießen. Beim Gang über die Wiese habe ich einige Walnüsse gefunden. Ganz frische Walnüsse sind etwas herrliches. Ich habe begonnen sie an Ort und Stelle zu knacken und zu essen. Natürlich muss man vor dem Genuss die Haut abziehen, so habe ich fast eine viertel Stunde für eine Nuss gebraucht. Immer wieder schaute ich auf und beobachtete die Raben, die um mich herum durch die Wiese stolzierten.
Am Nachmittag bekamen wir beigebracht, wie man Strohsterne bastelt. Ich war völlig überrascht, was für eine Vielfalt an verschiedenen Sternen möglich ist. Jeder wurde anders.
Oh, und um wieviel mehr gilt das für uns Menschen! Jeder von uns ist anders als der Andere. Keine zwei sind gleich. Wir sehen unterschiedlich aus, denken, fühlen und handeln anders. Und egal, was wir tun, wir können es nie allen recht machen. Wir können nicht jedem gefallen und nicht jeden immer verstehen.
Es ist eine ziemliche Herausforderung jeden so, wie er ist zu akzeptieren. Ihn so stehen zu lassen und zu schätzen. Auch wenn er ganz anders ist als ich.
Aber es wird leichter, wenn ich annehmen kann, dass ich nicht perfekt bin. Wenn ich diese Tatsache positiv in mein Sein integriere, dann gelingt es mir eher auch den Anderen mit seinen Unvollkommenheiten zu respektieren. Leider ist das leichter gesagt, als getan.
Wenn ich mich in der Natur umschaue, dann stelle ich fest, dass es gerade die Vielfalt ist, die so reizvoll und wunderschön ist. Wieso kann ich also nicht endlich anfangen mich darüber zu freuen, dass jeder anders ist?

Mittwoch, 4. Januar 2012

Tag 28: Für IHN

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Bild des barmherzigen Jesu
Heute hatte ich das erste Mal Chordienst. Eine wunderschöne Aufgabe. Zur Ehre Gottes - für meinen geliebten Jesus - singen zu dürfen. Ich habe IHN vorher um seine Hilfe gebeten und dann war ich doch überrascht, dass ich weniger aufgeregt war, als ich vorher befürchtet hatte.
Man bekommt tatsächlich Übung darin einen Dienst zu übernehmen, bei dem die Aufmerksam aller anderen auf einen gerichtet ist (oder zumindest sein könnte). Sei es das Tischdienen, das Tischlesen, der Kompletdienst oder eben jetzt der Chordienst.
Man dient damit der Gemeinschaft, aber gleichzeitig bringt die Gemeinschaft einem darin eine ganze Portion Vertrauen entgegen, dass Sie einen diese Aufgaben übernehmen lässt. Die Person, die den Chordienst hat prägt das ganze Gebet. Immer wieder hört man diese eine Stimme und Fehler bringen dann unter Umständen den ganzen Konvent durcheinander und stören das Beten aller.
So wächst man in der Übernahme verschiedenster Dienste immer tiefer in die Gemeinschaft hinein. Fühlt sich mehr und mehr angenommen und zugehörig und man selbst wird für die anderen ein immer natürlicherer Bestandteil der Gemeinschaft.
Vor gar nicht allzu langer Zeit hätte ich mir nicht vorstellen können, dass das gut gehen kann, wenn ich allein vor den Ohren vieler singen muss. Aber es ist gut gegangen und ich freue mich sehr, dass ich singen darf. Mein ganzes Leben soll ein Loblied sein auf Gott, meinen HERRN!

Dienstag, 3. Januar 2012

Tag 27: Kreuz

Kreuz im Klausurgarten
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Heute bei meinem Gang durch den Klostergarten eröffnete sich mir dieser Blick. Er macht eindrücklich das Geheimnis unseres Glauben sichtbar: Im Tod ist das Leben.

Hinter dem Kreuz, dem Zeichen für das Leiden und den Tod Jesu scheint die Sonne auf, die die Auferstehung symbolisiert. Jesu Liebe, die bis zur Hingabe am Kreuz reichte, ist der Weg unseres Heiles und aus Seinem Sterben wurde ein Geboren-Werden zu Leben in noch größerer Fülle. 

Wir glauben, dass auch unsere Not, unser Kummer und unser Leid ein Weg ist zu mehr Freude, Jubel und Dankbarkeit. Dass hinter jedem Kreuz bereits das Osterlicht aufstrahlt.

Wir dürfen auf Gott vertrauen, der ein Gott des Lebens ist. ER ist der Vater, der uns fürsorglich umfängt, Er ist der Sohn, der uns ohne jedes Maß liebt, Er ist der Heilige Geist, der uns tröstet und stärkt.

Überlassen wir uns unserem Gott und werfen wir all unsere Sorgen auf IHN, der sie für und mit uns zu tragen vermag.

Montag, 2. Januar 2012

Tag 26: Gehirnwäsche

Ich werde beeinflusst - auch von der Schönheit des Hauses und des Gartens.
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Bei den meisten Leuten, denen ich davon erzählte, dass ich ins Kloster gehe, merkte ich, wie ich in ihren Köpfen in eine der folgenden Kategorien eingeteilt wurde:
  1. die ist verrückt geworden
  2. die hat man einer Gehirnwäsche unterzogen
  3. die steckt grad in einer Phase, die wieder vorbei gehen wird
Vom ersten und dritten hoffe ich sehr, dass es nicht zutrifft. Das zweite dagegen ist gar nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Es ist mir selbst jetzt erst bewusst geworden, dass es da eine gewisse Ähnlichkeit gibt. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: ich setze mich dieser „Gehirnwäsche“ ganz freiwillig und bewusst aus. Ich weiß, dass dieses Leben mich verändert und lasse das nicht nur zu, sondern will es sogar und versuche „mitzuarbeiten“. Es ist so, dass die Texte, die wir immer wieder hören, die Gebete, die wir immer wieder beten, die Psalmen, die wir immer wieder singen, das alles prägt mich. Es prägt mein Denken, mein Handeln – mein Sein. Es durchdringt mich und wandelt mich. In bestimmter Weise werden die Worte, wenn ich dafür offen bin, Teil meiner Person.
Ich bete beispielsweise jeden Tag das Gebet von Charles de Foulcauld – Mein Vater, ich überlasse mich Dir... - darin heißt es unter anderem: zu allem bin ich bereit; alles nehme ich an.
Wenn jetzt etwas von mir gefordert wird, oder mir etwas geschieht, das ich nicht will, dann steigen sogleich diese Worte in mir auf und es wird plötzlich leicht Ja zu sagen zu der Situation. Immer wieder fallen mir auch in unterschiedlichsten Situationen Psalmworte ein.
Das Chorgebet, die Eucharistiefeier, die Lectio Divina, die Betrachtung, das alles dient, wenn man es so ausdrücken möchte, einer selbstgewollten Gehirnwäsche. Das alles dient einem Prozess der Verwandlung, in dem ich immer mehr sagen kann: Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Und gerade dann können wir am meisten sagen, dass wir zu unserem wahren Ich gefunden haben.