Mittwoch, 29. Februar 2012

Tag 73: Grenzen

 die eigenen Grenzen wahrnehmen und wissen welche zu überschreiten sind, und welche zu akzeptieren sind, ist eine Kunst
Es gibt Dinge, die krieg ich einfach nicht hin. Zum Beispiel: Essen ohne zu kleckern, morgens aufstehen ohne Probleme oder beten ohne Zerstreuung. 
Es gibt aber auch Dinge, die ich mir vor wenigen Jahren nicht zugetraut hätte, und jetzt tue. Zum Beispiel: allein mit meiner Klarinette eine Messe zu begleiten, einen kulturwissenschaftlichen Text zu schreiben oder vor einer größeren Gruppe solo und acapella zu singen.
Das Klosterleben bringt mich an immer neue Grenzen meiner selbst und darüber hinaus.
Es heißt so schön: "Kann ich nicht! - gibt's im Kloster nicht!" Man darf sich nie ausruhen auf wie und was man ist und muss immer bereit sein etwas Neues zu lernen. Es gibt also höchstens ein: "Kann ich noch nicht!"

Dienstag, 28. Februar 2012

Tag 72: Licht im Finstern

Jesu Gegenwart trägt - in jeder Form
Komischer Tag. Aber mit unerwarteter und erfreulicher Post. Die Zeilen, die andere mir schreiben, vermögen mir Kraft zu geben. Wenn ich z.B. all die lieben Karten, die ich zu meiner Einkleidung bekam, lese, dann wird es in mir hell und die übergroße Freude dieses Tages kehrt in Ansätzen in mein Herz zurück und ermöglicht es mir weiter zu gehen.
Die andere Lebensquelle, die mich vorwärts trägt, ist die Anbetung. Im Verweilen vor dem Tabernakel werden alle großen Sorgen klein und ich werde erfüllt von Zuversicht.
Ohne das Wissen um Gottes grenzenlose Liebe zu mir, könnte ich keinen Tag mehr ertragen. Sie ist das Licht, das die Finsternis nicht erfasst. Diese Liebe ist es, nach der ich mich ausstrecke und von der ich mich formen lasse.
Jeden Tag aufs Neue.

Montag, 27. Februar 2012

Tag 71: mein Leben

Blüte der Amaryllis in meiner Zelle
Lange habe ich heute nachgedacht, hin und her überlegt, gegrübelt und gebetet - mit völlig offenem Ausgang. Soll ich bleiben oder gehen?
Aber wie ich es auch drehen und wenden mag - das hier ist mein Platz, der Ort, an den ich gehöre, das Leben, das meinem Wesen am meisten entspricht.
Auch wenn ich manche Dinge schmerzlich vermisse, so spüre ich doch, dass ich vor Sehnsucht nach diesem Leben vergehen würde, wenn ich fortginge. Selbst an freudlosen Tagen voller Melancholie verschwindet nicht die Gewissheit, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
So schön es auch wäre eine Familie zu gründen - für mich wird es hier immer noch schöner sein.

Freitag, 24. Februar 2012

Tag 70: Gründe

unser schöner Kreuzgang
Gründe gibt es viele. Sowohl für ein Hier-Bleiben, als auch für ein Wieder-Gehen.
Noch bin ich völlig frei. Jeden Tag könnte ich sagen: Das war's - ich gehe und such mir 'nen Job und 'nen Mann und führe ein normales bürgerliches Leben.
Sicher, viele wären enttäuscht, aber das darf kein Grund sein zu bleiben.
Es ist eine Entscheidung, die ich jeden Tag aufs Neue unabhängig von anderen treffen muss.
Die Gründe hier zu bleiben oder fort zu gehen muss ich in mir und in Gott suchen und finden. Wenn ich bleibe, dann nicht weil irgendwer das will, sondern weil ich es will und in der Überzeugung, dass auch Gott es will und mir dabei hilft.
Für heute habe ich mich entschieden zu bleiben, aber morgen muss ich nochmal ganz neu darüber nachdenken.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Tag 68: Folgen eines Lächelns

Es ist erschreckend, wie wenig Menschen einen überhaupt eines Blickes würdigen, wenn man draußen auf den Straßen und in den Zügen unterwegs ist. Ganz zu schweigen von einem Lächeln oder gar einem freundlichen Gruß. Meist sind die Blicke stur nach unten, geradeaus oder gleich in die andere Richtung gerichtet. Nur wenn man sich unbeobachtet wähnt mustert man die Menschen um sich herum hat wohl auch sogleich eine Meinung und Wertung über sie.
Ich habe heute ganz bewusst versucht möglichst vielen Menschen ein Lächeln zu schenken. Mit sehr mäßigem Erfolg, aber jeder Einzelne hat mich riesig gefreut. Ich habe Leute, die mir entgegenkamen unverwandt angeschaut, um ja nicht den Moment zu verpassen, in dem sie mich mit ihrem Blick streifen. Die wenigen, die das taten, habe ich mit einem Lächeln gegrüßt. Die Reaktion war meist ein zunächst überraschter Blick, gefolgt von einem erfreuten Lächeln.
Wir könnten uns so viel Freude schenken.
Statt dessen gehen wir stumpfsinnig nebeneinander her und aneinander vorbei. Eine wirklich erschreckend anonyme Gesellschaft, in der sich keiner mehr für den anderen, den er nicht kennt, interessiert.

Eine Reaktion war jedoch völlig anders, als gedacht.
Mit einem Mann aus einem anderen Kulturkreis, der nur sehr gebrochen deutsch konnte, entspann sich aufgrund des Lächelns ein schwerfälliges Gespräch, in dessen Verlauf er mir klar machte, dass er mit mir schlafen wolle und auch bereit wäre Geld dafür zu zahlen.
Das war nun wiederum nicht gerade das, was ich mit meiner Freundlichkeit beabsichtigt hatte...

Mittwoch, 22. Februar 2012

Tag 66: Philosophie

Blick aus dem Innenhof des Tagungsortes unserer Studienwoche
Philosophie total. Das war ein wirklich anstrengender Tag. Stundenlanges Zuhören auf höchstem Niveau. Es ging um Anthropologie aus christlich-philosophischer Sicht und was sonst locker ein Semester füllt, war auf einen Tag komprimiert. Erschlagend. Aber auch schön, anregend, herausfordernd und lehrreich.
Ich habe mich gleich für den nächsten Kurs (den Aufbaukurs von Theologie im Fernkurs) angemeldet.
Die anderen, die aus allen Ecken Deutschlands kommen sind echt nett, aber ich bin trotzdem jedes mal froh am Ende des Tages wieder durch die Klostermauern zu treten und daheim zu sein.
Da ist es eben doch am Schönsten.

Dienstag, 21. Februar 2012

Tag 65: In der Welt

Eiszapfen zwischen den Gleisen - heute Früh am Bahnsteig
Woran merkt man, dass man zu lange nicht draußen in der Welt war? - Man steht vor einem Zebrastreifen und wartet, dass es grün wird.
Kein Witz. Ist mir heute Abend passiert.
Ansonsten war es in der Welt ziemlich unspektakulär. Ich habe mich normal gefühlt und hatte auch nicht das Gefühl von den anderen Menschen so anders wahrgenommen zu werden. Ich sehe mich ja nicht in meiner Nonnentracht und ich habe mich ja auch schon daran gewöhnt. Und all die Leute auf der Straße kennen mich nicht und haben mich noch nie anders, als als Nonne gesehen. So war mein erstes Verlassen der Klausur fast schon enttäuschend normal. Es hat den ganzen Tag nur geregnet und bald wird der ganze schöne Schnee verschwunden sein. Schade!
Die Prüfung des Theologie-Grundkurses ist super gelaufen und all die anderen, mit denen ich jetzt diese Studienwoche verbringe scheinen auch sehr nett zu sein. Ich pendle jeden Tag vom Kloster zum Tagungsort und so sehr ich mein Kloster liebe, so nett ist es doch auch jetzt mal eine Woche draußen zu sein.
Ich kann wirklich sagen: Diese Welt ist gut und schön und für sie bin ich außer ihr.

Montag, 20. Februar 2012

Tag 64: Nikolaus-Abend


Das Nikolaus-Fest ist für mich eines der aller schönsten im Kloster. Heute am Vorabend hat er uns besucht. Schon beim Betreten des Refektors wird einem klar, dass einen besonderes erwartet. Die Kanzel ist festlich geschmückt und auf jedem Teller sind Mandarinen und Lebkuchen zu finden. 
Dann wird ganz normal gegessen, aber schon währenddessen hört man immer wieder Geräusche von draußen. Irgendwann betritt ein langbärtiger, buckliger Mann mit schwarzem Umhang und Kapuze den Speisesaal und huscht von hier nach da. Nach einer Weile verschwindet er, um mit Geschenken erneut zu erscheinen.
 Jede Mitschwester, die in dem Jahr ein besonderes Fest hatte, bekommt ein Tütchen mit Süßem. Unterdessen neigt sich die Speise dem Ende zu und sobald alle fertig sind, kommt der Nikolaus mit seinem roten Umhang, seinem Bischofsstab und seiner Bischofsmütze gemessenen Schrittes herein. Die Schwestern begrüßen ihn mit einem Lied und er grüßt alle mit einem Kopfnicken. Dann verkündet er von der Kanzel in Reimen, was im Jahr vorgefallen ist und wer besonderes Lob verdient und ermutigt alle mit fröhlichem Herzen weiter das Beste zu geben. Heute habe ich das dritte Mal den Nikolaus-Besuch hier erlebt, aber diesmal steht auf meinem Tütchen das erste Mal das S.M., das für das Schwester Maria steht, mit dem jeder Schwesternname in unserem Orden beginnt.
Das war wirklich schön und ich freue mich schon auf das nächste Jahr.

Freitag, 17. Februar 2012

Tag 63: Prüfungen

mein Prüfungsstoff
Irgendwie ergeht es mir jedesmal gleich. Erst kann ich mich nicht richtig aufraffen etwas zu lernen und allein der Zeitdruck im Hinblick auf die Prüfung vermag mich dann dazu zu bringen. Im letzten Moment lerne ich dann in kürzester Zeit was nur irgendwie geht. Und dann finde ich Gefallen daran, könnte ewig weitermachen und finde unzähliges, was mich noch interessiert. Dann kommt die Prüfung viel zu früh, ich bestehe und habe danach keine Motivation mehr weiterzulernen, weil keiner mehr danach fragen wird.
Ich hoffe, dass ich diesmal, da mich der Stoff viel direkter betrifft, nach der Prüfung für mich weiterlernen werde. Im Grunde ist das Noviziat ja auch dazu da, um studieren zu können, auf was man nun sein Leben baut.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Tag 62: Für die Welt


Im Gebet die Welt vor Gott tragen
Jeden Tag erwarte ich gespannt die Post und hoffe, dass etwas für mich dabei ist. Vielleicht ist das völlig falsch, da das Noviziat ja gerade dazu da ist, sich von Äußerlichkeiten frei zu machen und nicht mehr auf die Anerkennung durch andere angewiesen zu sein. Der Kontakt nach außen wird stark eingeschränkt, um sich ganz nach innen zu richten. Aber ich kann es nicht ändern. Es tut einfach gut zu wissen, dass jemand an mich denkt. 
Heute kam ein Päckchen von zu Hause. Es bereitet stets Freude zu hören, wie es zu Hause geht und zugleich wird mir dabei immer schmerzhaft bewusst, was ich verpasse. Es tut sich so viel, gerade bei meinen kleinen Neffen, was ich nicht direkt miterleben kann. 
Aber ich kann sie mit meinem Gebet begleiten.
Überhaupt komme ich mehr und mehr zu der Überzeugung, dass es meine Berufung ist für andere vor Gott zu stehen und zu bitten. Es kommen mir spontan Menschen und Gruppen in den Sinn für die ich dann intensiv bete. Ohne, dass diese mich konkret darum gebeten hätten und ohne, dass ich irgendwelche Konsequenzen sehe, glaube ich fest, dass das Gebet notwendig ist und ihnen zu Gute kommt. Ich glaube an die Macht des Gebetes, nicht wegen mir - ich bin nur klein und schwach - sondern aus Vertrauen auf die Güte Gottes, der den Bitten seiner geliebten Kinder gerne nachkommt. So ist es eine meiner wichtigsten Aufgaben empfänglich zu sein, für die Nöte der Menschen und sie mit meinem Gebet zu stützen. Denn ein Sich- öffnen für Gott heißt immer auch ein Sich-öffnen für die Menschen.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Tag 60: Treue


in Treue Schritt für Schritt
Heute durften zwei unserer Schwestern 65-jähriges Professjubiläum feiern. Sollte ich das irgendwann einmal feiern dürfen, so werde ich über 90 Jahre alt sein. Beide haben in all den Jahren mit Treue und Bescheidenheit für das Kloster gewirkt und gebetet. Ein echtes Geschenk. Von Gott an die beiden und von ihnen ans Kloster.

Ich bin mir sehr bewusst, dass ich ein solch langes Klosterleben nicht aus eigener Kraft schaffe. Deshalb bitte ich Gott jeden Tag, dass ER mir die Gnade der Treue gewähren möge. Die Gnade der Treue zu IHM, zu meiner Berufung und Entscheidung, der Treue vor allem auch in den vielen kleinen Dingen.

Heute hat es wieder kräftig geschneit, so dass ich dachte: So einen schönen Winter hatte ich noch nie. Aber ich glaube, das habe ich letztes Jahr auch gedacht. Irgendwie vergisst man mit dem langen Sommer dazwischen jedesmal wieder aufs Neue, wie der Winter war.
Ich bin wieder sehr müde und freue mich auf nächste Woche, wenn ich tagsüber auswärts bin für die Studienwoche des Würzburger Fernkurses.

Dienstag, 14. Februar 2012

Tag 59: Bitten


bittende Hände
Es ist nichts selbstverständlich. Und alles, was wir haben und sind, wurde uns geschenkt. Deshalb müssen wir uns als Empfangende immer wieder neu ins Bitten einüben. Gott fordert uns immer wieder auf zu bitten und schenkt uns die Zusage, uns zu geben. Mit den alltäglichsten und gewöhnlichsten Bitten können wir vor IHN treten, aber auch mit verwegenen, gewagten ja unmöglichen Bitten. Wir dürfen und sollen Wunder erwarten. ER ist Gott, nicht ist IHM unmöglich.
Sobald ich aufhöre an Wunder zu glauben, werde ich keine mehr erleben. Bewahre ich mir aber das Vertrauen auf IHN, so sehe ich überall kleine und große Wunder und kann auch noch in der größten Verzweiflung auf seine Hilfe bauen.

Montag, 13. Februar 2012

Tag 58: Gott in allem

Ab in den Schnee und Winter genießen!
Die dicke Schneedecke über allem schafft eine Atmosphäre des Friedens und der Ruhe, die sich auch auf das Innere überträgt. Ich bin heute praktisch nicht zum Lernen gekommen, obwohl in einer Woche die Prüfung ist, aber für den Augenblick vermag nichts mich aus der Ruhe zu bringen. Ich bin erfüllt von Gelassenheit und Freude.
Es scheint mir gerade im Kloster unheimlich wichtig zu sein, die richtigen Prioritäten zu setzen. An erster Stelle steht natürlich das Gebet. Egal wieviel zu erledigen ist und wie dringend die Aufgaben sein mögen, ich muss mir immer Zeit freihalten für das Verweilen vor und Sprechen mit Gott.
Aber ein Leben, das nur aus Beten, Klosteralltag und Theologiestudium besteht, halte ich auf Dauer nicht aus. Ich muss mir auch Zeit für andere Dinge nehmen. Für Spaziergänge im Garten (inklusive herumtollen im Tiefschnee), fürs Klarinette-Spielen, für die Physik und für ausreichend Sport – sonst habe ich das Gefühl verkümmert etwas in mir.
Ich weiß eigentlich, dass Gott groß ist und dass ER - wie es die hl. Theresa von Avila sagt - allein genügt. Deshalb habe ich mich manchmal gefragt: Warum reicht es mir dann nicht zu beten und Theologie zu studieren?
Die Antwort, die ich für mich gefunden habe, ist einfach: Gott ist groß und eben auch in all den anderen Dingen zu finden. Auf IHN hin bin ich geschaffen. Ich sehne mich danach IHN immer mehr und immer besser kennen zu lernen. IHN also auch in der Musik, der Natur und der Wissenschaft zu erkennen. Denn eines ist Gott ganz sicher nicht: einseitig.

Freitag, 10. Februar 2012

Tag 57: Traum-Welten


Christus - mein König
Es war schon immer so, dass ich mich relativ häufig an meine Träume erinnern kann. Manchmal sind sie einfach schön, manchmal verwirrend, manchmal schrecklich.

Im Moment erlebe ich des Nachts wieder die wildesten Dinge. Da sind Hirsche, die mit Elchen kämpfen und von Wölfen eingefangen werden müssen, ein weißer Vogel dessen Krallen sich immer wieder in meinen Arm bohren, Wespen, die in meiner Zelle ein Nest bauen und schließlich - mein Vater, der zum König gewählt wird. 

Wobei dieser letzte Traum ein schönes Bild, eine eindrückliche Veranschaulichung der Wirklichkeit war. Denn mein himmlischer Vater ist ja tatsächlich König – König des ganzen Universums. Und indem ich mein Leben nach IHM ausrichte, habe ich IHN auch als meinen ganz persönlichen König erwählt. Ich bin Seine Magd und Seine Braut!

Donnerstag, 9. Februar 2012

Tag 56: Advent


Heute hat mit der ersten Vesper des ersten Adventes die Vorweihnachtszeit begonnen. Ich freue mich total. Für mich wird es ein Advent ohne Hektik, ohne überfüllte Straßen und gehetzte Menschen, ohne Geschenke-Stress und Weihnachtsmannbelästigung. 
Wie schön! 
Ein Advent mit Stille, mit Zeit für Besinnung, mit Kerzenschein, mit vor Vorfreude strahlenden Gesichtern. Gefüllt mit Spannung, mit Prickeln, mit Gottes Gegenwart und Gotteserwartung. 
Ich hatte ein bisschen Angst vor dieser Zeit - so ganz ohne meine Familie - aber ich glaube, dass es im Kloster noch mehr als draußen auch schon, die schönste Zeit des Jahres ist. 
Mein Inneres ist erfüllt von Freude und die will ich mir von niemand nehmen lassen.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Tag 55: Schnee - Juchee!


vom Himmel fallende Schneeflocken
Heute fiel der erste Schnee. Als ich die Flocken vor meinem Fenster erblickte, entkam mir ein spontaner Freudenschrei und ich dachte - so verrückt es sein mag - „Jetzt wird alles gut!“ 
Es war als hätte ich die ganze Zeit - ohne es zu wissen - nur darauf gewartet, dass endlich Schnee fällt. 
Es ist vielleicht das normalste der Welt, dass Ende November Schnee fällt, aber für mich war es heute als hätte Gott kein größeres Wunder wirken können, um mein Herz wieder mit Freude zu füllen und hüpfen zu lassen. Heute konnte nichts - auch keine blöden Kommentare - meine Stimmung trüben.
Alles wird wieder gut!

Dienstag, 7. Februar 2012

Tag 54: Kann ich das?


Ich weiß nicht, was sich verändert hat seit dem Tag, an dem ich begeistert um Aufnahme gebeten habe, aber heute hänge ich in einem Motivationsloch der Sinnlosigkeit. Mein Kopf vermag mir wohl noch zu sagen für wen und wozu ich hier bin, aber mein Herz sträubt sich es zu glauben. Und so frage ich mich: Kann ich das wirklich durchhalten? 
Jeden Tag in diesem Haus mit diesen Schwestern zu beten und zu arbeiten - zu leben? Mahlzeit für Mahlzeit essen was mir vorgesetzt wird ohne Einfluss darauf nehmen zu können? Morgen für morgen aufzustehen, wenn der Wecker klingelt, ohne mal am Wochenende ausschlafen zu können? Tag für Tag einer Arbeit nachgehen, die kein Verlassen des Hauses verlangt? Jahr für Jahr Weihnachten getrennt von meinen Eltern und Geschwistern verbringen? 
Ich weiß nicht, ob ich das kann. 
Oder besser gesagt: Ich weiß ganz sicher, dass ich das nicht kann!
Zumindest dann nicht, wenn mir nicht Gott die Kraft dazu schenkt. Er hat mir in seiner übergroßen Liebe die Gnade des Glaubens zuteil werden lassen. Er hat mich in seiner Barmherzigkeit hierher gerufen. Ich darf darauf vertrauen, dass Er mich mit der nötigen Freude und Geistesfülle überhäuft, um dieses Leben führen zu können, das mir gänzlich unmöglich wäre ohne IHN.

Montag, 6. Februar 2012

Tag 53: Geruchswelten


duftendes Tannengrün im Gemeinschaftsraum des Noviziates
Es ist momentan geradezu ein Dufterlebnis durch unser Haus zu gehen. Im Refektor wurde der Boden behandelt, sodass es jetzt so intensiv nach Desinfektionsmitteln riecht, dass einem sofort jeder Appetit vergeht. An einer anderen Stelle wird eine Holztreppe gestrichen, sodass weithin der Duft der Lasur um die Nasen schwebt. Wieder um eine andere Ecke biegend sticht einem Ammoniak ins Geruchsorgan, dass einem schier die Luft wegbleibt, weil dort ein Restaurator zugange ist. 
In unserem Noviziatsgemeinschaftsraum duftet es dagegen winterlich nach Tannenharz, da der Adventskranz gebunden wurde. So wird man bei einer Wanderung von Raum zu Raum von einer jeweils anderen Geruchsatmosphäre umfangen.

Freitag, 3. Februar 2012

Tag 52: Ohne Wenn und Aber


Kleiderweihe während der Einkleidungszeremonie
Mit der Einkleidung beginnt das Noviziat. Die Kandidatin und der ganze Konvent versammeln sich im Kapitelsaal. Dort liegt jene Ordenskleidung schon auf einem Tischchen bereit, die die neue Novizin kurz darauf bekleiden werden. Ein Punkt der Einkleidungszeremonie ist das Ritual der Kleiderweihe. Habit, Skapulier und Schleier werden vom Priester geweiht. Er spricht dabei folgendes Gebet:

"Gott und Vater, dein eingeborener Sohn hat im Schoß der Jungfrau Maria das Gewand der menschlichen Natur angenommen. Wir bitten dich: Segne + dieses Ordenskleid und gib, dass unsere Schwester in dieser Welt damit bekleidet, ein Zeichen der Auferstehung ist und zum Hochzeitsmahl unseres Herrn Jesus Christus im hochzeitlichem Gewand erscheint."

Als gottgeweihte Person trage ich ein geweihtes Gewand, dass mich beständig daran erinnert, dass ich mich für ein Leben ganz für IHN entschieden habe. Ein Leben der radikalen Hingabe.
Aber immer wieder gibt es Momente, in denen ich Ausflüchte suche. Dann muss ich innehalten und mir wieder neu bewusst machen, dass es meine Aufgabe ist, mich ganz Gott zu überlassen. Total auf seine Führung zu vertrauen. Alles was er gibt anzunehmen und alles, was er fordert zu geben – ohne Wenn und Aber oder Vielleicht.
Loslassen – meine Wünsche, Vorstellungen, Ansprüche – meine Fesseln. Frei werden. Frei – weil Er mich liebt – Frei für IHN.
Er sehnt sich nach uns. Nach unserer Antwort auf seine Liebe - auf seine Hingabe. Selbsthingabe bis zur Lebensaufgabe – damit wir das Leben haben. Das Leben in seiner ganzen Fülle.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Tag 51: Fortschritte


Egal ob am Boden oder auf Wolke sieben - Gottes Liebe scheint auf mein Leben.
Ich habe das Gefühl echte Fortschritte zu machen. 
Wobei ich sicher nicht sagen kann, dass ich Fortschritte machen würde. 
Aber Gott führt mich auf dem Weg.
Und in dieser Zeit meines Noviziates bin ich schon ein gutes Stück vorwärts gekommen. Ich könnte nicht genau beziffern, was ich meine oder es an etwas Bestimmtem festmachen, aber ich habe einiges erlebt und viel dazugelernt. 
Ich habe das Gefühl in einem Reifungsprozess zu stecken und dass sich meine Gottesbeziehung immer weiter verstärkt und vertieft.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Tag 50: Leben


Blick auf die Dächer des Klosters aus meinem Fenster.
Ich liebe es am Abend den Blick aus meinem Fenster über mein Kloster schweifen zu lassen. Die Gedanken ziehen dabei vorüber und ich betrachte mein Leben. In diesen Mauern. Unser Kloster. Unser Lebens-Raum. Der Ort an dem wir kämpfen, fallen und wachsen. An dem wir ständig schwanken zwischen Sünde und Gnade, zwischen menschlichem Tun und göttlichem Willen. Wir leben hier nicht um zu sterben, sondern um zu leben. Um das wahre Leben zu lernen. Wir müssen das Ziel klar vor Augen haben ohne unsere Schwächen aus dem Blick zu verlieren.
Es ist schön hier sein zu dürfen.