Freitag, 30. März 2012

Tag 100: Vorsatz

Wir alle dürfen vor Gott stehen - so wie wir sind
Das alte Jahr ist vorbei, die Exerzitien sind vorüber und auch die Weihnachtszeit ist schon zu Ende gegangen. Jetzt hat wieder so richtig der Alltag begonnen. Mit richtig früh aufstehen, den gewohnten Gebetszeiten und -texten und für mich jetzt doch mit einem Vorsatz für das bevorstehende Jahr.
Jemand hat mal gesagt: "Wenn wir uns jedes Jahr nur einen einzigen unserer Fehler erfolgreich vornehmen würden, so wären wir schon bald Heilige."
Auch wenn ich weiß, dass ich das nicht so bald sein werde, so habe ich mir doch vorgenommen an einer Front zu kämpfen und wenigstens für dieses eine Jahr dieser einen Versuchung  nicht zu erliegen.

(Hier muss ich jetzt doch im Rückblick einen kleinen Einschub machen. Ich weigere mich mehr und mehr das Leben unter diesem militärischen Gesichtspunkt und als Kampf zu sehen. Natürlich bin ich auch im vergangenen Jahr immer wieder dieser Versuchung erlegen. Ich glaube was viel entscheidender ist, als unsere vermeintlichen "Siege" in diversen "Schlachten", ist unser bedingungsloses Vertrauen auf Gott. Ich glaube Heiligkeit besteht nicht in Perfektion - Vollkommenheit - Fehlerlosigkeit, sondern vor allem in unserer Bereitschaft Gottes Liebe zu uns anzunehmen. Wenn wir uns von IHM ergreifen und erfüllen lassen und begreifen, dass ER uns bedingungs-los (!) liebt, dann mag sich zwar auch unser Verhalten ändern, aber als Folge - nicht als Vorbedingung! Das Leben ist kein Kampf. Das Leben ist ein Geschenk!)

Donnerstag, 29. März 2012

Tag 99: Kreuzlauf

meine "Rennstrecke"
Ich weiß - es geziemt sicht nicht. Es ist nicht monastisch usw.
Aber ich genieße es trotzdem.
Und im Grunde ist er ja im Moment noch Baustelle. Unser Kreuzgang. Eigentlich ein Ort des Gebetes und des gemächlichen Gehens. Momentan nutze ich ihn als Abkürzung und einzige Möglichkeit im Haus zu laufen - also mal so richtig zu rennen.
Es gibt meistens viele Wege, die man wählen kann. Der Kreuzgang hat nicht nur den Vorteil, dass dort kaum Türen im Weg sind, besonders praktisch ist, dass man keine Gefahr läuft dort irgendwem zu begegnen und damit auch nicht erwischt zu werden bei unangemessen schnellem Laufen.
Manchmal tut es einfach gut ein Stück zu rennen. Und so sehr ich mich darauf freue, dass unser Kreuzgang bald fertig sein wird, für den Augenblick bin ich froh, dass er es noch nicht ist.

Mittwoch, 28. März 2012

Tag 98: Wie groß ist Gott!

manchmal scheint Gottes Herrlichkeit durch in unser Leben
Seine Barmherzigkeit, Seine Liebe und Seine Treue sind noch größer, als ich geglaubt habe - größer, als ich IHM zugestehen wollte.
Es war umwerfend zu erfahren, dass ER mir hilft, ohne dass ich vorher etwas leisten müsste. 
Ich habe erleben dürfen, dass das einzige, was notwendig ist, ist IHN um Hilfe zu bitten.
Egal, ob es sich um eine Sache handelt, bei der ich IHM kraftvoll entgegeneile, oder um eine, bei der ich so schwach bin, dass ich mich nicht auf meinen Beinen zu halten vermag - immer sollte ich in meinem Herzen rufen: Jesus, hilf mir! Jesus, hilf mir!
Und ER hilft!

Dienstag, 27. März 2012

Tag 97: miserabel

Alle sind glücklich und zufrieden, nur ich weiß wieder nicht, was mit mir los ist.
Habe ich Angst?
Laufe ich davon?
Warum bin ich so schwach?
Wieso tue ich das, was ich nicht will und lasse das, was gut wäre?
Oder besser: Warum ist mein Wille so schwach?
Warum will ich mich gar nicht bessern, obwohl ich mich dabei so miserabel fühle?
Warum sitze ich jammernd in einem dunklen Raum, obwohl ich genau weiß, wo der Ausgang ist?
Warum schaffe ich es nicht aufzustehen?

Vielleicht wird mir hiermit gezeigt, dass ich noch immer nicht richtig begriffen habe, dass ich es nicht allein schaffen kann - dass ich Grenzen habe und von einem anderen abhänge.

Montag, 26. März 2012

Tag 96: (un)erwünscht

Der Hl. Benedikt mahnt uns zur Beständigkeit
Zum heutigen Abschluss der Exerzititen hat uns der Exerzitienleiter nochmal deutlich gemacht, welche Konsequenzen unsere Lebensform auch hat. 
Folgen wir Jesus Christus nach, so setzen wir ein eindeutiges Zeichen. Ein Zeichen, über das die einen froh sind, an dem aber auch viele Anstoß nehmen. So ist es für uns notwendig Ablehnung hinzunehmen. Und selbst wenn manche wünschen wir wären nicht da oder wir wären nicht so wie wir sind, ist es unsere Aufgabe standhaft zu bleiben. 
Wir müssen stehen bleiben, weil wir nicht für uns stehen, sondern hinweisen auf den, der größer ist als wir - auf den Größten. Auf unseren Geliebten und stets ganz anderen.

Freitag, 23. März 2012

Tag 95: Weihrauchduft im ganzen Haus

eines unserer Rauchfässer
Heute haben mich die hl. drei Könige in meiner Zelle besucht. Am Vigiltag (also dem Tag vorher) von Epiphanie (dem Fest der Erscheinung des HERRN, oft "Dreikönigsfest" genannt) gehen sie durchs ganze Haus. Jeder Raum wird mit Weihrauch gefüllt und mit Weihwasser gesegnet. An jede Tür wird mit geweihter Kreide ein Segen geschrieben. Wir bitten Gott um seinen fürsorgenden Beistand in allem was wir tun, überall wo wir es tun. 
Da unser Haus nicht ganz klein ist, hat das ganze mehre Stunden gedauert. Da jedoch nur eine Handvoll Schwestern unterwegs waren, bedeutete das für mich und die meisten anderen ungewöhnlich viel freie Zeit am Nachmittag, die ich sehr genossen habe. 
Jetzt freue ich mich auf den morgigen Tag, der wie alle Hochfeste wieder wie ein Sonntag sein wird und dann auf den schon langsam vermissten Alltag.
Ich glaube wirklich, dass der Alltag mir das allerliebste im Kloster ist.

Donnerstag, 22. März 2012

Tag 94: Auftrag

irgendwie ist unser Leben wie eine Baustelle - man darf gespannt sein, wie das "Lebensbauwerk" am Ende aussieht
Bei den Exerzitienvorträgen des heutigen Tages war eine wichtige Lektion für mich dabei. Es mag banal klingen, aber für mich war es wichtig, mir das bewusst zu machen:
Jeder von uns ist aus einem ganz bestimmten Grund hier. Jeder hat eine - seine - Aufgabe zu erfüllen. 
Für die Eine mögen es die Erfahrungen und Bekanntschaften sein, die sie hier zum Wohle aller einbringen kann und soll. 
Für mich ist es vielleicht die jugendliche Frische und Kraft. Aber nicht nur das. Gott hat mich hierher geführt, damit ich hier die Talente, die ER mir geschenkt hat, zum Wohle der Gemeinschaft entfalte. 
Allerdings ist es wichtig zu betonen, dass es kein Selbstzweck sein darf. Es geht nicht um Selbstverwirklichung, um mich selbst zu verwirklichen, sondern um Selbstverwirklichung im Dienst eines größeren Ganzen.

Mittwoch, 21. März 2012

Tag 93: nur Mut

ein blühender Kaktus
Es ging heute weiter mit unseren Exerzitien. Wir Schwestern aus dem Noviziat machen zwar offiziell nicht mit, aber die Vorträge dürfen wir mit anhören, soweit es geht. Ansonsten erledigen wir verschiedene Arbeiten der Konventschwestern, damit sie frei sind für die Exerzitien. Wir hatten ja gerade vor der Einkleidung und werden dann vor der ersten Profess wieder welche haben.

Was mir heute bedenkenswert erschien:
Mutig und kreativ sollen wir als Ordensleute antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit - so sagt uns die Kirche. Wir brauchen uns nicht verstecken, uns ängstlich in unserem Nest verkriechen - wir dürfen und müssen mutig riskieren. Die Liebe vertreibt jede Angst und ohne Angst brauchen wir keine Absicherungen, keinen doppelten Boden. Der Glaube an Gott trägt uns. Und so dürfen wir Zeugnis ablegen für Ihn und für die Möglichkeit eines glücklichen und sinnerfüllten Lebens in Armut, Keuschheit und Gehorsam. Wir wollen nicht mittelmäßig - nicht spießig - sein, sondern erfüllt und geführt von seinem Heiligen Geist.

Dienstag, 20. März 2012

Tag 92: Nachfolge

altes Fresko des Antlitz Jesu in der Bibliothek
Das neue Jahr beginnt gleich mit einem Höhepunkt. Heute haben die diesjährigen Konventexerzitien begonnen. Jedes Jahr hat die Gemeinschaft gemeinsam eine Woche Exerzitien. Es kommt jemand von außen und hält Vorträge und die Schwestern haben viel Zeit zum Beten und Schweigen. 
Der Exerzitienleiter ist diesmal ein in Österreich lebender spanischer Karmelit und der erste Eindruck ist ein sehr erfreulicher.

Hier ein Gedanken, der mir so am Ende des ersten Tages hängen geblieben ist: Ordensleben heißt Nachfolge Christi und das bedeutet weit mehr als das Einhalten von Gelübden - es bedeutet Selbsthingabe. Nachahmung des Lebens Christi in radikal gelebter Hingabe an Gott. Ein Weg, der alles von uns verlangt und das Kreuz beinhaltet. Selbsthingabe bis zum Äußersten - bis zur Sebstaufgabe: komplette, vertrauensvolle Übergabe der eigenen Person an Gott.

Möge unser Leben eine Gott wohlgefällige Gabe sein!

Montag, 19. März 2012

Tag 91: neu Jahr

Was sich wohl am Horizont der Zukunft alles abzeichnet?
Ein neues Jahr, das ich als Geschenk aus Gottes Hand empfangen darf. ER allein kennt die Möglichkeiten eines jeden Tages der vor mir liegt. Was ich mir von diesem Jahr erhoffe?
Dass es mich in die Tiefe führen möge. Näher zu Gott. Ich freue mich auf das, was vor mir liegt und bin bereit bearbeitet zu werden. Der HERR arbeite an und mit mir, auf dass ich mehr und mehr SEINEM Bild von mir entspreche - auf dass ich einst heilig werde und in der Ewigkeit SEINER teilhaftig.
ER möge mich einst eingehen lassen in die ewige Liebesbeziehung zu seinem Vater im Hl. Geist. 
So schön diese Welt auch ist - sie vergeht - Gott allein bleibt.

Freitag, 16. März 2012

Tag 90: Ende eine Jahres

In der Silvesternacht in unserem Garten
Unbeschreibliche Freude erfüllt mein Herz. Es strömt über vor Dankbarkeit. Nichts könnte schöner sein, als hier sein zu dürfen, an dem Ort, den Gott für mich geschaffen hat und für den ER mich geschaffen hat. Den Ort, an dem ER selbst wohnt, an dem ich mich ihm völlig hingeben kann. IHM allein gehöre ich für den Rest der Ewigkeit. ER macht mich glücklicher als alles Gut der Welt es tun könnte. 
Das Jahr, in dem ich den Sprung mit meinem Gott über die Mauer meiner Ängste und Zweifel gewagt habe, geht nun zu Ende. Es war ein reich gefülltes und stets von Gott begleitetes Jahr. Voll mit Menschen und Begebenheiten, für die ich dankbar sein kann. Möge Gott alle segnen, die mir mit ihrer Liebe und Hilfe zur Seite standen.
Ich bin in diesem Jahr zweimal umgezogen, habe mein Studium beendet, Stück für Stück von meiner Familie Abschied genommen, meine Kandidatur und mein Noviziat begonnen. 
Jeden Tag durfte ich aufs Neue erfahren, dass ich ganz in Gottes Hand geborgen bin und dass ER mich nicht fallen lässt - ganz im Gegenteil, dass ER mich stärkt, segnet, begleitet und über alle Maßen liebt. Sicher - es war nicht jeder Moment des Jahres einfach, aber Gott war da - in jeder einzelnen Sekunde. 
Ich lege das vergangene und das kommende Jahr vor Gott und überlasse IHM alles. Ich fasse keine Vorsätze, sondern bitte IHN einfach nur um die Gnade IHM immer treu zu sein.

Donnerstag, 15. März 2012

Tag 88: vergessen

Gestern schon habe ich vergessen das Mikro einzuschalten und alle kranken Schwestern haben die Messe wegen mir verpasst. Sowas kann ja schon mal passieren, aber heute ist es mir gleich wieder passiert. Es hat mir so leid getan, aber ich konnte es ja nicht ungeschehen machen. 
Etwas zu vergessen ist wirklich blöd. Man macht es ja nicht mit Absicht. Man denkt einfach nicht daran und es fällt einem nicht rechtzeitig wieder ein. Immer wieder hat man so Lichtblitze, wo einem ein wichtiger Gedanke kommt. Bleibt er aber aus, ist man dann selbst schuld daran? 
Und hilft Strafe nach Vergessen, dass man das nächste Mal daran denkt? 
Und vergisst man wirklich nur Dinge, die einem nicht wichtig sind?

Mittwoch, 14. März 2012

Tag 87: Unschuldige Kinder

Besuch des Konventes im Noviziat zum Fest der unschuldigen Kinder
Ein großes Fest. Das Noviziat hat die Messe gestaltet und am Nachmittag den Konvent eingeladen. Es kamen so viele Schwestern, dass unser Gemeinschaftsraum schier aus allen Nähten geplatzt ist. Wir hatten alles schön weihnachtlich hergerichtet und viele Plätzchen und Tees im Angebot. Wir haben gemeinsam gebetet, gesungen, einer Geschichte gelauscht und gemütlich beeinander gesessen. Es war richtig nett.
Sogar unser Spiritual und einige unserer kranken und alten Schwestern sind gekommen. Alle haben sich gefreut.
Ich bin heute schon gespannt, was uns nächstes Jahr an diesem Tag alles einfallen wird und wer dann alles zum Noviziat gehören wird.

Dienstag, 13. März 2012

Tag 86: Schwung

Nur nicht einstauben ;-)
Noch mitten in der Weihnachtsoktav - aber der erste normale Arbeitstag. Und was für ein schöner Tag! Ich habe es geschafft Musik und Sport zu machen. Das belebt und motiviert.
Eine Freundin hat mir geschrieben ich solle für meine Mitschwestern wie ein erfrischender Frühlingsregen sein. Ich glaube das schaffe ich nur, wenn ich solche Dinge weiter regelmäßig tue.

Ich lasse immer so schnell alles schleifen und trotte in meinem Alltag vor mich hin und werde immer grießgrämiger.
Ich muss wirklich aufpassen, dass ich meine fröhliche Natur und meine optimistische Einstellung nicht verliere.

Montag, 12. März 2012

Tag 85: Familie

Bild meiner Familie - kubistisch verfälscht
Sonntag nach Weihnachten - Fest der hl. Familie.
Ich habe mit meiner Familie telefoniert. Es war schön alle zu hören, aber auch irgendwie ganz normal, als hätten wir gestern erst gesprochen. Nur bei meinen Neffen merke ich, dass es schon länger her ist. Sie machen eine riesige Entwicklung in der Zeit, die ich einfach verpasse. Und als dann noch die Frage kam: "Wann kommst du denn mal wieder?" hat es mir schon einen ziemlichen Stich versetzt. Was soll man einem dreijährigen darauf antworten? Ein ganzes Jahr ist nicht wirklich eine Zeitspanne, die er überblicken könnte.

Ich bin so dankbar für meine Familie!

Samstag, 10. März 2012

Lectio: Papst Benedikt XVI. zur Umkehr

Heute, mitten in der Fastenzeit, möchte ich mit einem Wort von Papst Benedikt XVI. zum Nachdenken anregen. Er hat es bei der Generalaudienz am 21. Februar 2007 gesagt und erläutert darin sehr schön das Wesen der Umkehr.

"Umkehren: Was heißt das wirklich? Umkehren heißt Gott suchen, mit Gott gehen, die Lehren seines Sohnes, Jesu Christi, willig befolgen. Umkehren ist nicht ein Bemühen um Selbstverwirklichung, denn der Mensch ist nicht der 'Architekt' seines eigenen ewigen Schicksals.
Wir haben uns nicht selbst gemacht. Deshalb ist die Selbstverwirklichung ein Widerspruch und für uns auch zu wenig. Wir haben eine höhere Bestimmung. Wir könnten sagen, dass die Umkehr gerade darin besteht, sich nicht als 'Schöpfer' seiner selbst zu betrachten und so die Wahrheit zu entdecken, denn wir sind nicht die Urheber von uns selbst. 
Umkehr besteht darin, frei und mit Liebe zu akzeptieren, dass wir in allem von Gott, unserem wahren Schöpfer, abhängig sein, dass wir von der Liebe abhängig sind.
Das ist nicht Abhängigkeit, sondern Freiheit."

Freitag, 9. März 2012

Tag 84: Weihnachten

eine der vielen Krippen im Haus
... mal echt monastisch. Christmette um Mitternacht. Also vier Stunden später ins Bett als sonst und - großzügig! - am nächsten Morgen eine viertel Stunde länger schlafen als sonst. Feierliche Laudes mit Hirtenevangelium, später Weihnachtshochamt und dann beim Mittagesses der Gruß zum Sprechen - nach knapp 24 Stunden der Stille für's Gebet. Danach sind die meisten in ihre Betten verschwunden. Die Vesper war dann früher als sonst, da nach dem Abendessen noch gemeinsam Weihnachtslieder im Refektor gesungen wurden. Heute war wirklich Weihnachten - Gott war mitten unter uns. ER war und ist die Freude in unseren Herzen, der Friede in unseren Seelen, die Liebe in unserem Leben!

Donnerstag, 8. März 2012

Tag 83: Heilige Nacht

funkelnde Sterne am Weihnachtsbaum
Einfach wunderschön. Und wenn ich mal für einen Augenblick vergesse, dass ich meine Familie vermisse, dann könnte ich mir keine schönere Art vorstellen diese Nacht zu feiern. Es ist eine wahrhaftig Stille Nacht - geprägt von Sammlung, Gebet und Funkeln. Es geht nicht um Geschenke, nicht um großes Essen, es geht allein um Gott.
Und um die Nacht ganz perfekt zu machen hat ER alles draußen mit einer herrlichen Schneeschicht überzogen. 
Ich genieße - auch wenn manchmal die Tränen kommen. Ich freue mich, aber fühle mich völlig übermüdet. Der Abend war voller Höhepunkte - gesungenes Weihnachtsevangelium vor Tisch, Weihnachtslieder bei den Kranken, erleuchtete Weihnachtsbäume... und ich könnte nicht sagen, was das Schönste war...

Mittwoch, 7. März 2012

Tag 82: Weihnachtsvorbereitungen

Der Engel verkündet das baldige Fest
Das ganze Haus schmückt sich. An allen Ecken und Enden sprießen Krippen, Christbäume und Tannenzweige hervor. Ein Gang durchs Kloster vermag wahrlich in weihnachtliche Stimmung zu versetzen, die heuer irgendwie schwer in mir aufkommen will. Es fehlt das zu Hause, die Familie mit allen Traditionen und Ritualen, um wirklich Weihnachten zu spüren. Morgen schon ist der Heilige Abend und er fühlt sich noch so weit weg an. Aber letztlich geht es nicht um feierliche und besinnliche Gefühle, sondern darum das Geheimnis der Menschwerdung Gottes zu feiern und vergegenwärtigen.

Dienstag, 6. März 2012

Tag 81: Anbetung

In jedem Monat gibt es eine Nacht, in der in unserem Kloster "durchgebetet" wird. Das heißt, dass vorher eine Liste aushängt und man sich jeweils für eine Stunde Anbetung eintragen kann, so dass dann von abends acht bis morgens um sechs immer eine Schwester vor dem Allerheiligsten betet.

das ewige Licht vor dem Tabernakel
Diesmal hatte sich für die Stunde nach mir niemand eingetragen, so dass ich einfach zwei Stunden blieb. Und wie schnell so zwei durchwachte Stunden mitten in der Nacht vorbeigehen können, wenn man sie ganz beim HERRN verbringt!
Welch kostbare und wunderschöne Stunden!!
Ich bin nicht einmal dazu gekommen einen Rosenkranz zu beten, der ja unter anderem eine "Fromme Methode für's Zeit totschlagen" ist. Angefangen habe ich damit, Gott zu danken. Wenn man einmal damit anfängt, findet man lange kein Ende. Es gibt so vieles für das wir dankbar sein dürfen. Für Dinge, die wir meist als selbstverständlich hinnehmen wie unser Leben, unser tägliches Essen und das Dach überm Kopf, aber auch für viele Menschen, Begegnungen und Ereignisse dürfen wir dankbar sein. Dann ging mein Gebet ins Bitten über. Für mich, alle möglichen mir nah und fern stehenden Personen und schließlich für die ganze Welt. Danach verweilte ich einfach in der liebenden Gegenwart Gottes. Zwischen den Blöcken habe ich das ein oder andere Lied gesungen und noch bevor ich meine Anbetung mit einem Barmherzigkeitsrosenkranz abschließen konnte, war meine "Ablöse" da und zwei Stunden vergangen. Sicher war ich mittlerweile müde und froh ins Bett zu können, es war ja immerhin 3 Uhr, aber ansonsten hatte ich das Gefühl ich könnte noch ewig bei Jesus verweilen. Er hat uns in der Eucharistie wirklich etwas unglaubliches und wunderbares hinterlassen, das uns mit Gnaden nur so überhäuft.

Montag, 5. März 2012

Tag 80: Weihnachtspost

Immer wieder darf ich mich über Post freuen
Heute kamen wieder völlig überraschend Briefe und wieder bin ich erstaunt, wieviel Freude und Kraft ein paar Zeilen geben können. Die richtigen Worte zur richtigen Zeit sind mehr wert, als jedes Vermögen dieser Welt.
So blicke ich heute wieder voller Zuversicht auf die kommenden Tage und das kommende Jahr.
Überall kann man im Moment wieder lesen, wie schnell doch dieses letzte Jahr vergangen sei. Ich muss sagen, dass ich dieses Gefühl heuer nicht teilen kann. Es ist so viel passiert, dass ich das Gefühl habe, dass das letzte Weihnachten ewig her ist. Mein Leben ist jetzt ein ganz anderes und auch ich bin nicht mehr die selbe, wie noch vor einem Jahr.

Sonntag, 4. März 2012

Lectio: Ein anderes Leben (Bernardin Schellenberger)

Das Buch von Bernardin Schellenberger "Ein anderes Leben - Was ein Mönch erfährt", das ich im Moment lese, beschreibt auf wunderbar ehrliche Weise die Spannung zwischen dem Ideal und der Realität des monastischen Lebens. Es hilft mir gerade sehr dabei zu erkennen, wo ich stehe und wie der Weg weitergehen kann. Er beschreibt unter anderem, wie unsere Gottesbilder immer wieder zerschlagen werden, weil Gott eben doch der ganz andere ist, der jenseits unserer Vorstellungen ist. Er beschreibt, wie man gerade im Kloster immer wieder sehr deutlich seine eigene Schwäche zu spüren bekommt, und wie sehr uns das hilft geistlich arm zu werden. 
Hier ein kleiner Ausschnitt, der mir aus dem Herzen spricht:

"Der Außenstehende und der Anfänger ist geneigt, das Mönchsleben als ein friedliches, behütetes, vielleicht sogar etwas künstliches Dasein aufzufassen, in dem man sehr viel Zeit und Muße hat, sich dem geistlichen Leben zu widmen, der Meditation und dem Gebet; als ein sakrales Milieu, dem der gregorianische Choral und eine gepflegte Liturgie seine Weihe und Würde geben. 
Das ist es natürlich auch ein Stück weit. Und der Anfänger, dem die "Freuden der Welt" nicht gehaltvoll genug schienen, wird erwarten, dass er nun hier einen gehaltvollen, erfüllenden Stoff und Inhalt für sein Leben finden wird. Er hat mehr oder weniger deutlich ein bestimmtes Ideal vom "kontemplativen Mönch" im Sinn, der mit und für Gott allein in einer harmonischen Gemeinschaft Gleichgesinnter lebt. Und dieses Ideal wird bestätigt von zahllosen Texten aus einer langen Tradition: Mönchsein heißt "vacare Deo", "frei sein, Ferien haben für Gott" - um nur eine der beliebtesten Formulierungen aus der Überlieferung zu zitieren.

Aber diese zu naive Vorstellung gerät früher oder später bei jedem, der sich auf das Mönchsleben einlässt in eine fundamentale Krise. Er muss erfahren, das weder das "Freisein" so leicht ist, wie er es sich vorstellt hatte, noch dass "Gott" so rasch und in der Weise zur Stelle ist, wie er es erwartet hatte. Vielleicht hat er gemeint, er werde schnell im geistlichen Leben vorankommen, wenn er nur erst einmal für seine Frömmigkeitsübungen, für sein Lesen und Meditieren genügend Zeit und Raum und eine günstigere Umwelt haben werde. 
Was er in Wirklichkeit erlebt, sieht wie ein Rückschlag aus: er findet sich in einem Spannungsfeld wieder, in dem seine ganzen bisherigen Vorstellungen fragwürdig werden. Womöglich muss er sogar erleben, dass sein ganzes bisheriges "geistliches Leben" wie eine Seifenblase platzt. Liturgie, privates Gebet, Meditation bringen ihm nicht die Früchte, die er erwartet hatte - im Gegenteil: seine Erfahrungen damit vertrocknen buchstäblich. Und überall tauchen unvermutet Spannungen auf. Ist er ein Mensch, der einen starken Zug zur Einsamkeit verspürt, so empfindet er das ständie Angefordertsein durch die Gemeinschaft hart. Neigt er spontan zur Gemeinschaft, so spürt er die Last der Einsamkeit um so stärker. 
Zu solchen und ähnlichen Spannungen kommt die schmerzliche Erfahrung, dass seine Mitbrüder so furchtbar gewöhnliche, schwache, inkonsequente Menschen sind. Und dann muss er schließlich erfahren, dass er selbst genauso ist. Er, der sich aufgemacht hatte, Gott zu suchen, findet nicht den Gott, den er erwartet hatte, sondern er findet sich selbst und seine Brüder mit ihrer ganzen Blöße und Armut. Am Ende fragt er sich vielleicht verzweifelt, ob er am rechten Platz ist, was das Ganze für einen Sinn haben soll oder was er denn falsch gemacht haben könnte."

Freitag, 2. März 2012

Tag 79: Selbstdisziplin

mir selbst Schranken setzen
Immer wieder kommen Phasen, in denen ich es einfach nicht schaffe das zu tun, was ich als richtig erkenne. Ich tue, was ich eigentlich gar nicht will und vergrößere damit nur immer mehr meine Probleme.
So ist es wohl im Moment für mich die größte und wichtigste Aufgabe und Herausforderung Selbstdisziplin zu lernen. Zeiten, die ich mir setze einzuhalten, Vorsätze, die ich gefasste habe umzusetzen.
Ich darf mich nicht gehen lassen. Nicht, weil es mir irgendwer verbietet, sondern weil es mir selbst gut tut. Meine Tage dadurch erfüllter und meine Stimmung positiver wird. Es geht nicht darum perfekt zu sein, mit etwas zu beweisen oder zu glauben alles im Griff zu haben, sondern darum, im Vertrauen auf Gottes Hilfe das Richtige zu tun, um so immer mehr ich selbst zu werden und immer tiefer in Gott verankert zu sein. Ich muss lernen Durststrecken auszuhalten, ohne davon zu laufen.
Ich will dieses Leben leben und muss auch bereit sein etwas dafür zu tun und die Konsequenzen zu tragen.
Ich wusste vorher, dass es nicht leicht werden würde, also darf ich mich auch nicht über jede Kleinigkeit beschweren oder mich gleich verkriechen.

Donnerstag, 1. März 2012

Tag 77: tiefes Loch

Noch immer sagt mir mein Verstand, dass es das Richtige ist, aber er weiß keine gute Begründung und ich kann es nicht spüren. Ich frage mich, was ich hier tue, warum ich hier bin, und wie mein Leben wohl anders verlaufen würde.
Ich mache weiter, Tag für Tag, aber ohne wirklich richtig hier zu sein. Ich grüble und fliehe in Gedanken. Breche aus aus dieser Welt - ohne woanders glücklicher zu sein. Ich weiß nicht, was ich tun soll und tue nichts. Ich gebe einen Vorsatz nach dem anderen auf, obwohl ich weiß, dass es mir nicht gut tut. Ich habe keinen Appetitt  und esse nur um kein Aufsehen zu erregen. Ich schlafe kaum und bin irgendwie neben mir.
Ich wünschte, es wäre schon ein paar Jahre später.