Montag, 30. April 2012

Tag 119: Fix und Foxy

Die Samstage sind irgendwie immer am anstrengendsten. Laudes-Messe-Terz-Frühstück-Theologie-Singstunde - kurz Pause - unter Umständen Vortisch*-Mittagshore-Mittagessen-Abtrocknen - kurz Pause - Sportstunde-Duschen - kurz Pause - Versper-Nokturnen-Tisch-Komplet-Singstunde = ich k.o.!
Eine Erschöpfung, die nahe daran ist, mich im Nach-Hause-gehen einschlafen zu lassen. Der einzige Trost an der Sache ist, dass am nächsten Tag immer Sonntag ist und man da länger schlafen kann.
Wobei wir morgen Refektordienst haben, also schon vor der Laudes alles für's Frühstück herrichten müssen...
Aber damit ist man ja glücklicherweise nur alle paar Wochen dran.

*Vortisch bedeutet, dass man isst bevor alle anderen essen, weil man z.B. Tischdienen hat. Unter der Woche ist das der Nachtisch - man isst nach dem Haupttisch. Nicht zu verwechseln mit Nachspeise!

Freitag, 27. April 2012

Tag 118: gemeinsam alt werden

vieles im Kloster ist alt - das ist nicht immer ein Nachteil
Heute hat uns einer einen Vortrag gehalten, der von der Diözese aus psycho-therapeutische Beratung für Ordensleute und Priester anbietet. Es ging um den Umgang mit seelischen Nöten - sowohl wenn man selbst betroffen ist, als auch wenn man jemandem besteht. Und es ging ums alt werden. 
Dabei ist mir ganz neu aufgegangen, was es für ein Geschenk für die Schwestern hier ist, gemeinsam alt zu werden. Sie erleben gemeinsam das Abnehmen der körperlichen Kräfte und sind nicht allein. In der Gemeinschaft können sie einander beistehen, Vorbild sein und ermuntern. So schwer es für einen jungen Menschen in einer Gruppe von Alten sein mag, mindestens genauso schwer muss es für einen alten Menschen allein in einer Gruppe junger Menschen sein...

Interessant war noch das Ergebnis einer Studie mit Ordensfrauen. Es lautet: Wahrhaftig und fromm bleibt die Ordensfrau gesund!
Da haben wir's: wenn wir berufen sind, zu einem religiösen Leben, dann müssen wir auch unseren Glauben leben und jede Verstellung unseres Selbst macht uns krank.

Donnerstag, 26. April 2012

Tag 117: schreiben, schreiben, schreiben

Tastatur meines in die Jahre gekommenen Laptops
Leider ging das Schreiben heute sehr zäh und mühevoll. Ich wollte bis am Abend so weit fertig sein, dass ich die Arbeit morgen wegschicken kann, aber das hat nicht so ganz geklappt. Hoffentlich kommt sie auch noch rechtzeitig an, wenn ich sie nach dem Wochenende abschicke. 
Es ist verblüffend wie lange man so da sitzen kann, ohne dass etwas dabei rauskommt. Immer wieder mal einen Schritt vor oder zurück - aber irgendwann entsteht dann doch etwas Gutes.
Immerhin ist in meiner Zelle endlich wieder mehr Ordnung seit der Elektriker angekündigt wurde. Ich wäre sonst wohl  vollends im Chaos versunken....

Mittwoch, 25. April 2012

Tag 116: alte Schwestern

ein altes Gebäude auf dem Klostergelände wird abgrissen
Heute haben wir einen neunzigsten Geburtstag gefeiert. Es war für mich wieder einmal sehr verblüffend jemanden aus eigener Erfahrung aus der Zeit des zweiten Weltkrieges erzählen zu hören.
Köstlich war mitzuerleben, wie eine Schwester etwas erzählen wollte, eine andere ihr ständig ins Wort fiel und die dritte die andere immer wieder aufforderte doch nicht die eine zu unterbrechen.
Ich konnte nicht umhin daran zu denken, dass wahrscheinlich keine von den jetzigen Schwestern mehr da sein wird, wenn ich neunzig werde (falls es denn jemals soweit kommen sollte). Es ist komisch daran zu denken, dass all unsere alten Schwestern nach und nach sterben werden - viele sind schon jenseits der 85.

Dienstag, 24. April 2012

Tag 115: Das Schwarze Brett

Informationsquelle Schwarzes Brett
Es gibt im Kloster, so wie überall, mehr und weniger wichtige Dinge. Eine Sache, die man vielleicht von draußen nicht so sehr gewöhnt ist, die aber unheimlich wichtig ist, ist der tägliche (und oft mehrmals tägliche) Blick aufs Schwarze Brett. Dort findet sich nicht nur die aktuelle Tagesordnung, sondern auch alles andere, was wichtig und wissenswert im Klosteralltag ist. 
Beispielsweise ob das Chorkleid anzuziehen ist, wann (und wo) Beichtgelegenheit ist und Dinge außer der Reihe. So zum Beispiel heute die Information, dass morgen ein Elektriker durch alle Räume geht und dass das Chorgebet morgen schon eine viertel Stunde früher als sonst beginnt, weil Hochfest ist.
Wirklich nützliche Informationen.... zumal für jemanden, der von Haus aus so ein Chaot und Langschläfer ist wie ich...

Montag, 23. April 2012

Tag 113: Kreativität

kreatives Chaos!
Kreativität ist immer wieder gefragt. Wenn jemand einen großen Festtag hat, muss man sich überlegen, wie man, ohne etwas besorgen zu können, aus und mit dem, was man da hat, demjenigen eine Freude machen kann.
Und wenn man in der Gruppe etwas plant, dann hat man meist schon viel Freude beim Vorbereiten.
Nach meiner noch geringen Erfahrung muss ich sagen: die Leute im Kloster wissen, wie man schön feiern und sich gegenseitig Freude schenken kann. Dazu braucht man nicht viel Geld, muss man nichts tolles kaufen, man braucht nur ein wenig Liebe und ein bisschen Kreativität.

Tödlich ist dafür nur, wenn man das Gefühl hat etwas machen zu müssen, obwohl man es gar nicht will....

Samstag, 21. April 2012

Oratio: Gib mir, o Herr...

Im Moment geht es mir gut. Wirklich gut. Eine nicht unerhebliche Tatsache, die hierzu beiträgt, ist mein momentanes frühes Aufstehen. Am letzten Wochenende hatte ich Besuch, der mich derart motiviert und gestärkt hat, dass ich diese Woche jeden Tag viel früher aufgestanden bin als sonst. Ich habe die Nokturn gesungen, vor dem Allerheiligsten angebetet und Lectio Divina gehalten bevor ich zur Laudes gegangen bin. Einfach wunderbar! 
Und es scheint mir fast die einzige Möglichkeit zu sein, um meiner monastischen Berufung treu zu bleiben, wo ich jetzt so einen veränderten Tagesablauf habe. Denn auf dem Papier seit dem 1. April und praktisch seit dieser Woche bin ich wieder Studentin....
Ein Gebet, das jeden Morgen dabei war, möchte ich mit euch teilen. Es ist vom Hl. Thomas von Aquin:

"Gib mir, o Herr, ein wachsames Herz, das kein leichtfertiger Gedanke von Dir ablenkt, ein edles Herz, das keine unwürdige Leidenschaft erniedrigt, ein gerades und aufrechtes Herz, das kein gemeines Streben auf Abwege führen kann, ein starkes Herz, das keine Trübsal beugt, ein freies Herz, das sich von keiner bösen Leidenschaft beherrschen lässt.
Verleihe mir, mein Gott, Verstand, Dich zu erkennen, Eifer, Dich zu suchen, und Weisheit, Dich zu finden. Gib mir einen Lebenswandel, der Dir wohlgefällt, Beharrlichkeit, die Dich mit Zuversicht erwartet, und eine Treue, die einst am Ende Dich umarmen darf.
Lass mich, o Herr, Deine Wohltaten recht gebrauchen durch Deine Gnade und so dereinst Deine Freude im Vaterland genießen durch Deine Herrlichkeit, der Du lebst und herrschest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen."

Freitag, 20. April 2012

Tag 112: in den letzten Zügen


eine Ikone vom Konzil von Nizäa
Meine Hausarbeit muss jetzt dringend fertig werden. Ich habe keine Ahnung, wie gut oder schlecht sie wohl sein mag, aber im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich gerne an ihr geschrieben habe. Der Titel lautet: "Immer wieder besteht die Gefahr, Jesus entweder ausschließlich als großen Menschen zu sehen oder nur in seiner Göttlichkeit wahrzunehmen. Was ist hierzu aus dogmatischer Sicht zu sagen? Beziehen Sie dabei Formulierungen der ersten vier ökumenischen Konzilien der Alten Kirche als grundlegend mit ein."
Das war einfach genau mein Thema und jetzt freue ich mich schon darauf mich bald auf die Lehrbriefe des Aufbaukurses zu stürzen.
Das Lernen ist wirklich eine tolle Sache – nochmal mehr, wenn es um ein Kennen-Lernen Gottes geht. Und ER ist so groß und unbegreiflich, dass man damit nie zu einem Ende kommt.
Mein Leben hier ist wirklich schön. Jeden Tag erfreue ich mich daran und immer wieder gibt es Momente, in denen ich nur ehrfurchtsvoll staunen kann, dass ich hier so leben darf.

Donnerstag, 19. April 2012

Tag 111: Freitag


maßvoll zu essen fällt mir sehr schwer
Der Freitag ist eigentlich ein Fasttag, aber ich habe das Gefühl heute ununterbrochen nur gegessen zu haben. Ich bin dann immer gut darin alle möglichen Ausreden zu finden, z.B.: 
„Wenn ich konzentriert geistig arbeite (ich schreibe im Moment an meiner Hausarbeit für den Theologie Fernkurs), dann muss ich einfach nebenher etwas essen“ oder „Ich bin ja noch Novizin und muss mich erst langsam in alles einleben und außerdem 'faste' ich ja schon Kontakte nach außen und Internetnutzung.“

Es stimmt: „Keiner verlangt von mir, dass ich heute vollkommen bin, aber ich sollte mich doch mühen heute ein Stückchen vollkommener zu sein als gestern. Und zu Vollkommenheit gehört eben auch die Tugend des Maßhaltens.

Aber da habe ich noch viel zu lernen.

Mittwoch, 18. April 2012

Tag 110: Sebastiani


ein Teil des Prozessionsweges
Heute Abend war es schon ein ziemlich langes Programm. Vespermesse, Festtagsnokturnen, Essen, Komplet und dann noch eine Prozession, den Sebastiani-Rosenkranz betend, durchs Haus.

Aber mir wurde wieder mal bewusst, wie schön dieses Leben ist. Was ist es doch für ein Privileg einen Tag so mit gemeinsamen Gebet enden lassen zu dürfen. Und morgen früh - das erste, das wir tun werden, ist uns wieder in der Kapelle zu versammeln um Gott die Ehre zu geben – IHN zu preisen und anzubeten. Wie könnte man schöner einen Tag beginnen?
Wir leben im Hause Gottes und jeder einzelne Tag ist eingerahmt von unserem Lobgesang für unseren Schöpfer.

Dienstag, 17. April 2012

Tag 109: Trägheit

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immer wieder lassen wir uns nach unten ziehen
Mein blauer Fleck ist gewandert. Wohl der Schwerkraft folgend ist er zwei Zentimeter näher zum Bauchnabel gesunken.

Er zeigt mir damit etwas, das man leider nur allzuhäufig im Leben beobachten kann:
Dass man sich nach unten ziehen lässt, statt sich aufzurappeln.
Dass man träge der Schwerkraft folgt, statt seinen eigenen Weg zu gehen.
Dass man die Möglichkeit mit dem geringsten Widerstand wählt, statt Standfestigkeit zu beweisen...

Montag, 16. April 2012

Tag 108: Wehwehchen


sieben Pflaster auf einmal an einer Hand hatte ich vorher auch noch nicht...
Die erste Schwester, die mich nach meinem Sturz gesehen hat, war ziemlich geschockt, aber nach Wunden reinigen und umziehen war es dann ok und Ärger habe ich auch nicht wirklich bekommen. Auch wenn die ein oder andere vielleicht etwas verständnislos den Kopf darüber geschüttelt hat.
Als ich dann noch erfuhr, dass die Steine schon vorher kaputt waren und in der Schubkarre waren um ausgetauscht zu werden, war ich sehr beruhigt.
Aber jetzt tut es mir bei den verschiedensten Bewegungen und Haltungen an den verschiedensten Stellen weh. Irgendwie ist überall irgendetwas. Aber am unangenehmsten von allem ist der Bluterguss am Bauch. Es ist sowieso schon ziemlich unglaublich, dass ich es trotz der großzügigen Aufprall-Pufferschichten aus Speck und Muskeln geschafft habe mir einen blauen Fleck in der Magengegend zuzuziehen. Egal ob sitzen, bücken, strecken oder auch lachen – ständig meldet mir meine Körpermitte: „Lass das!“
Aber im großen und ganzen muss ich wohl sagen, dass ich sehr glimpflich davon gekommen bin.

Freitag, 13. April 2012

Tag 107: abgelatzt


Baustellen haben ihre Tücken...
Das nennt man wohl jugendlichen Leichtsinn: ohne daran zu denken, dass heute wieder die Bauarbeiten weitergingen bin ich ohne das Licht anzumachen durch den Kreuzgang gelaufen. Für die Sichtverhältnisse – es müssen etwa 0 Meter gewesen sein – war meine Geschwindigkeit viel zu hoch, so dass man wohl von einem grob fahrlässig verursachten Unfall sprechen muss.
Im Moment des Aufpralls durchzuckte der Gedanke: „Oh, da stand wohl was!?“ mein Hirn. Im nächsten Moment lag ich auch schon rücklings auf dem Boden und hatte die mit Ziegelsteinen beladene Schubkarre mitgerissen. Nachdem sich die allerersten Schocksekunden verflogen hatten war der nächste Gedanke, der mir dämmerte: „Jetzt ist der Habit eh schon dreckig, da kann ich auch noch ein bisschen liegen bleiben.“
So erlaubte ich mir erst ein wenig Luft zu holen, bewusst nachzuspüren, was alles wehtat und den Schmerz etwas abklingen zu lassen. Dann rappelte ich mich langsam wieder auf und machte mich auf die Suche nach einem Lichtschalter, um mir den angerichteten Schaden anzuschauen.
Ich musste feststellen, dass die Hand blutete, der Habit noch schmutziger war, als befürchtet und die Ziegelsteine zu Bruch gegangen waren. Da konnte ich nur noch denken: „Oh nein, Oh nein, hoffentlich wird der Ärger nicht schlimm! Was, wenn die Steine denkmalgeschützt waren?“

Donnerstag, 12. April 2012

Tag 106: Festtag


Blumen für die neue Novizin

So ein schöner Tag. Einkleidung – und von früh bis spät strahlender Sonnenschein. Wir haben gefeiert und der Himmel war erfüllt von Jubel. Ein Neubeginn für einen Menschen und vielleicht ein kleines bisschen auch für die ganze Gemeinschaft.
Es ist unglaublich, wie wunderschön und strahlend ein Mensch plötzlich im Ordensgewand ist. Und vom ersten Moment an hat man das Gefühl, dass es schon immer so gehörte und bald weiß man gar nicht mehr, wie die Schwester ohne Habit und Schleier aussah. Auch der Name ist genau der Richtige. So ist einfach alles an diesem Tag wie angegossen und perfekt. Und zur Krönung kam die Nachricht, dass sich wieder eine Frau zur Kandidatur angemeldet hat.

Mittwoch, 11. April 2012

Tag 105: Gespräch


So häufig schmerzhaft vermisst, war es heute plötzlich da und tat so gut.
Völlig unerwartet hatte ich heute ein unglaublich wohltuendes Gespräch mit einer Mitschwester. 
Wie schön ist es doch, wenn man offen und ehrlich miteinander redet! Einander zuhört und ernst nimmt. Annimmt, was der andere zu sagen hat, ohne ihm die Worte im Mund zu verdrehen und ihn grundsätzlich falsch zu verstehen. Verschiedene Meinungen stehen lassen zu können aber auch bereit sein sich selbst von einer besseren Meinung überzeugen zu lassen.
Wenn eine Gemeinschaft funktionieren soll, dann müssen die Mitglieder lernen zu kommunizieren. Ohne echte Kommunikation gibt es nur Missverständnisse, Misstrauen und Rückzug in die Isolation.
Das Gespräch heute hat mir Hoffnung gemacht!

Dienstag, 10. April 2012

Tag 104: weg


kein Schnee mehr auf den Dächern - aber dafür Sonne!
Jetzt ist es passiert. Den ganzen Tag hat die Sonne geschienen, nachdem es die letzten Tage schon endlos geregnet hat. Die Temperaturen sind in ungeahnte Höhen geschossen und jetzt ist der ganze viele schöne Schnee verschwunden.
Obwohl wir eigentlich noch mitten im Winter stecken müssten hat man das Gefühl der Frühling hat begonnen. Wichtiger aber als die milden Temperaturen ist, dass es jetzt jeden Tag ein bisschen länger hell ist. Das tut einfach gut. Jeder einzelne Sonnenstrahl erfeut Herz und Seele und hellt die Stimmung auf.

Freitag, 6. April 2012

Lectio: Thomas Merton zu Liebe und Tod

Am heutigen Karfreitag ein paar Gedanken von Thomas Merton zu Leben, Liebe und Tod. Sie sind seinem Vorwort für das Buch von der Liebe von Ernesto Cardenal entnommen.

"Der Grundwiderspruch, dem die Liebe sich stellen muss, ist der Widerspruch zwischen Leben und Tod. Unechter religiöser Idealismus ist manchmal versucht sich vorzustellen, dass er das Leben wählen kann ohne den Tod. Aber in der Tat, das Leben zu wählen, bedeutet auch, den Tod zu wählen, weil das Leben, das wir als Menschen in der Zeit leben, mit dem Tod abschließt.
Irgendeine andere Form des Lebens zu 'akzeptieren,' in der der Tod nicht berücksichtigt werden muss, bedeutet, eine Irrealität gelten zu lassen. Irdisches Leben ohne Tod ist reine Träumerei. Selbst die Annahme eines 'ewigen Lebens' bedeutet für den Christen die vorherige Annahme eines nicht-ewigen Lebens, das im Tode endet. Am Tod kann man nicht vorbeigehen. Er ist ein Teil des Lebens, und in der Tat gibt er dem Leben einen Sinn, weil er ein Grundwiderspruch ist, der für das Verständnis des menschlichen Lebens wesentlich ist. Warum sollte Christus am Kreuz gestorben sein, wenn der Tod keine Bedeutung hätte? Sein Tod setzt voraus, dass jeglicher Tod tragisch ist. Seine Liebe gab jeglichem Tod die Dimension der Hoffnung und des Sieges. Christi Geschenk an die Liebenden ist das Kreuz, das die Liebe rein macht.
Unser Leben lieben, wie es wirklich ist, bedeutet, es zu akzeptieren, wie es wirklich ist: den Tod eingeschlossen, nicht nur die Idee des Todes."

Donnerstag, 5. April 2012

Lectio: Carlo Martini zur Lectio Divina

Der heutige Gründonnerstag ist für uns im Kloster ein Tag der Stille und des Gebetes. Ein Tag der Konzentration auf das Wesentliche. Das Wesentliche, das Zentrum unseres Lebens ist Jesus Christus - ist unsere Beziehung zu IHM. 
Ich möchte daher gar nicht so sehr auf das Besondere dieses Tages eingehen, zu dem wir heute überall etwas lesen und hören können, sondern ganz allgemein zum Gebet anregen. Insbesondere zur Lectio Divina, da wir hier in intensiver Weise dem Wort Gottes - Jesus Christus selbst - begegnen.

Carlo M. Martini schreibt in seinem Buch "Tun, was ER will" von sieben Stufen des Gebetes: der geistlichen Schriftlesung, der Meditation, der Kontemplation, des Trostes, der Unterscheidungsgabe, der Überlegung und des Werkes.
Zur ersten Stufe schreibt er:
"Die geistliche Schriftlesung.
Sie setzt das Gebet in Beziehung zur Heiligen Schrift, denn sie ist lectio divina, geistliche Lesung. Sie besteht darin, dass man einen Abschnitt der Bibel liest oder hört und versucht, die wesentlichen Elemente, auf denen er beruht, plastisch herauszuarbeiten. Sie ist ein dynamisches Verhalten und bemüht sich, die Konturen des Textes so zu sehen, dass aus der 'flächigen' Darstellung ein 'Gebirgspanorama' mit Licht- und Schatteneffekten wird.
Wenn man die Verben, die grammatischen Subjekte und die Objekte mit dem Stift unterstreicht, gewinnen die einzelnen Satzteile unversehens an Gewicht."

Diesen eher wissenschaftlichen Ansatz möchte ich ergänzen mit einer "monastischen Methode", wie sie Edgar Friedmann in seinem Buch "Die Bibel beten" beschreibt:
"Der Mönch sitzt über dem Text der Schrift und liest ruhig und aufmerksam. Wenn ein Wort oder ein Satz oder eine Begebenheit seine Vorstellungskraft oder sein Herz anspricht, legt er das Buch beiseite, macht eine Pause und betet. Wenn seine Aufmerksamkeit nachlässt, greift er von neuem zum Buch und liest weiter, bis wieder ein Gedanke oder eine Regung der Liebe in ihm aufsteigt. Auf diese Weise stößt das Wort nach und nach in alle Bereiche meines Menschseins vor, durchdringt sie, verwandelt sie, ja es wird Mensch in mir. Ich begegne dem Herrn in allen Schichten meiner Existenz und verkoste seine Gegenwart. 
Ich antworte in Glaube, Hoffnung und Liebe, so dass ER mich mit sich eins machen kann.
Diese Begegnung hat nichts Außergewöhnliches oder Dramatisches an sich, sie vollzieht sich in stiller Freude und innerem Frieden, aber sie ist lebendige Wirklichkeit."

Möge die intensive Beschäftigung mit den zentralen Texten dieser Tage diese Freude und diesen Frieden in Ihnen allen wecken!
Ich wünsche segensreiche Kartage!                                                                          

Mittwoch, 4. April 2012

Tag 103: Gesundheit


Die ganze Schöpfung ist beeindruckend - am allermeisten jedoch der Mensch!
Wie wenig sind wir uns doch die meiste Zeit über bewusst, dass unsere Gesundheit nicht selbstverständlich ist. Wie froh und dankbar können und müssen wir sein, wenn wir keine Schmerzen haben und alle Organe ihre Funktion erfüllen. 
Tag für Tag und Mahlzeit für Mahlzeit bringe ich im Moment einer kranken Mitschwester das Essen. Immer wieder hat sie neue und andere Beschwerden auszuhalten. Schmerzen an den verschiedensten Stellen, Probleme mit den Augen, mit dem Mund, mit dem Magen und vieles mehr. Zu sehen, was alles schieflaufen kann im Körper lässt mich dankbar erkennen welch großes Geschenk es ist, wenn alles im Leib funktioniert und gesund ist. 
Der Mensch ist ein unglaubliches Wunderwerk!

Dienstag, 3. April 2012

Tag 102: Haare schneiden


meine Haare  wurden heute ein gutes Stück kürzer
Heute war ich es leid ständig meine Haare zurück unter den Schleier schieben zu müssen, sodass ich kurzentschlossen zur Schere griff und mir das erste Mal im Leben selbst die Haare geschnitten habe. Glücklicherweise war die Schere nicht sehr scharf, sonst hätte ich hinterher eine blutige Hand gehabt.
Ich hatte auch keinen Handspiegel, dass ich hätte sehen können, was ich da eigentlich am Hinterkopf tue. Ich habe einfach blindlings ohne Hemmungen und völlig angstfrei drauflos geschnitten.
Ich hätte nie gedacht, dass es so einfach ist und dann am Ende auch noch einigermaßen ordentlich aussehen könnte. Wer weiß, vielleicht mache ich das jetzt häufiger, es ist wirklich praktisch, wenn man keinen Friseur braucht.

Montag, 2. April 2012

Tag 101: bald zwei


Einkleidung = neue Gewänder + neuer Name
Eine unserer Kandidatinnen befindet sich gerade in ihren Exerzitien und in wenigen Tagen werden wir dann zwei Novizinnen sein. Ich bin schon sehr gespannt auf den Namen. Es ist das erste Mal, dass ich dabei so mitfiebern kann. 
Meinen eigenen Namen hatte ich mir gewünscht, das war also keine große Überraschung für mich. Für alle anderen Schwestern ist es immer ein großes Geheimnis und Rätselraten bis dann während der Einkleidung der neue Name genannt wird.
Mir war es wichtig bei der Wahl einen Namen zu finden, dessen Klang und Bedeutung mir gefällt und mit dessen Heiligen ich etwas verbinde. Es ist irgendwie eine merkwürdige Sache für sich selbst einen neuen Namen auszusuchen.  Aber es war mir doch lieber selbst zu wählen, als am Tag der Einkleidung von irgendeinem Namen überrascht zu werden.
Mein neuer Name setzt sich nun so langsam überall durch. Er steht mittlerweile auf meinem Wäschekorb, meinen Fernkurs-Unterlagen und meiner Krankenversicherungskarte. Ich muss auch nicht mehr überlegen, wenn ich mich am Telefon melde und wenn der Name fällt, fühle ich mich sofort angesprochen.
Mal sehen, wie es sein wird nicht mehr die einzige ganz in weiß zu sein.

Sonntag, 1. April 2012

Lectio: Henri Nouwen zu Stille und Schweigen

Mit dem heutigen Palmsonntag, an dem wir die Menge fast in einem Atemzug rufen hören "Hosanna!" und "Ans Kreuz mit ihm!", treten wir ein in die Karwoche. In eine Woche, die es uns ermöglicht in besonderer Weise in das Geheimnis unseres Glaubens einzutauchen. Ich möchte Sie einladen in dieser Woche einmal bewusst das Schweigen einzuüben. Dazu ein paar Worte von Henri Nouwen:

"Stille, Schweigen bedeutet Ruhe; Ruhe des Körpers und des Geistes. In der Stille und im Schweigen werden wir verfügbar für Gott. Das ist sehr bedrohlich. Es ist, als würden wir die Kontrolle über unser Tun und Denken aufgeben und zulassen, dass etwas Schöpferisches geschieht, nicht durch uns, sondern an uns. 
Stille ist der Moment, in dem wir nicht nur die Diskussionen mit anderen beenden, sondern auch die inneren Gespräche mit uns selbst; der Moment, in dem wir frei atmen und unsere Identität als eine Gabe annehmen können. 'Nicht ich lebe, sonder ER lebt in mir.' In dieser Stille kann der Geist Gottes in uns beten und sein Schöpferwerk in uns fortsetzen ... Ohne Stille und Schweigen stirbt der Geist in uns. Die schöpferische Energie unseres Lebens entflieht und lässt uns allein zurück, erkaltet und müde. Ohne Stille und Schweigen verlieren wir unsere Mitte und werden Opfer der vielen, die unablässig unsere Aufmerksamkeit einfordern."