Dienstag, 31. Juli 2012

Tag 189: Sonne getankt

Heute habe ich mich fast zwei Stunden in den Garten gesetzt und den wunderschönen Frühling genossen. Es ist unglaublich wieviele Blumen überall blühen und wie warm es ist. Mein Arm ist jetzt ziemlich rot. Sieht fast so aus, als hätte ich mir den ersten Sonnenbrand für dieses Jahr geholt. 
Für meinen Rom- Aufenthalt im Sommer möchte ich etwas Italienisch lernen, um mich mit möglichst vielen Leuten unterhalten zu können. Heute hatte ich meine erste Italienisch-Stunde und im Garten habe ich dann gleich meine Hausaufgaben erledigt. Mal sehen, wie sehr es mich verwirren wird gleichzeitig Italienisch und Latein zu lernen.

Montag, 30. Juli 2012

Tag 188: gute Nachrichten

immer wieder gibt es Gründe zur Freude
Heute bekam ich mit der Post dreimal gute Nachrichten. Eine Karte von meiner Schwägerin, dass mein Neffe an Ostern getauft werden soll - inklusive dem Angebot Taufpatin zu werden. Das ist einerseits sehr schön, andererseits wird es Ostern noch einmal schwerer machen, als es letztes Jahr schon war. Es ist einfach furchtbar an diesem Hochfest nicht bei meiner Familie sein zu können. 
Dann ein Brief einer Freundin, die einen Besuch zu Ostern ankündigt. Ich freue mich riesig darauf sie zu sehen und das wird mir Ostern wieder etwas erträglicher machen.
Zu guter letzt kam heute auch endlich die Bewertung meiner Hausarbeit. Bestnote. Ich freue mich natürlich, aber frage mich auch wieder einmal, warum mir alles so leicht fällt.

Freitag, 27. Juli 2012

Tag 187: Kopf unter

Betrachtung: Eintauchen in den Ozean Gott
Bei der Betrachtung habe ich das Gefühl, dass sich mein Herz und mein Kopf in zwei unterschiedlichen Ebenen befinden. Das Herz ist in der Tiefe des Meeres. Ganz umhüllt und erfüllt. Voll Frieden und Ruhe. Mein Kopf ist an der Oberfläche. Die Gedanken treiben auf den Wellen, die mal sanft auf und ab schwappen und sich mal wild auftürmen.
Ein langsam im Geist gesprochenes Gebet vermag diesen Wellengang ruhig zu halten und es beeinträchtigt in keinster Weise das Verweilen des Herzens in der Tiefe bei Gott.
Und manchmal taucht der Kopf unter und ich werde völlig umfangen von Gott und gehe ganz in ihm auf, ohne mich selbst noch wahrzunehmen.

Donnerstag, 26. Juli 2012

Tag 186: Gedankensplitter nach einem Vortrag über Mystik

wieder-holen, was die Seele nährt und still werden.
Atmen.
Eine Spiritualität, die den Alltag kennt und respektiert.
Die ihn immer wieder bewusst unterbricht, um ihn ganz zu machen.
Damit das Leben kein Stückwerk bleibt, sondern der Hoffnungsbogen, der es umspannt, erkennbar wird.
Die Balance finden zwischen Kopf und Herz, zwischen Weg nach innen und nach außen.
Zu sich finden, ohne bei sich stehen zu bleiben.

Das macht den Wert und das Glück des Lebens aus: in einem anderen aufzugehen, der größer ist, als ich.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Tag 185: Die Kleine Große

Im Moment lese ich ein Buch über die hl. Therese von Lisieux. Manche, nein eigentlich viele, ihrer Gedanken und Worte scheinen mir ganz nah und vertraut zu sein. Aber ein Punkt, der bei ihr immer wieder kommt, ist mir fern und fremd. 
Es ist die regelrechte Sehnsucht nach dem Leiden. Leiden und Schmerz sind Dinge vor denen ich mich eher fürchte, die ich eher meide, als dass ich mich mit offenen Armen und Freude hineingeben würde. Vielleicht liegt es daran, dass sie früh und viel damit konfrontiert wurde, dass sie das Positive darin finden konnte. 
Ich habe in meinem Leben noch nicht viel gelitten. Um mit Bernhard's Worten zu sprechen, kann ich sagen: Der Herr fand es nötig mich mit Honig und Milch zu verwöhnen. So habe ich (noch?) nicht gelernt den Geschmack des trockenen Brotes zu schätzen.

Dienstag, 24. Juli 2012

Tag 184: nicht ausgehalten

im Kloster hält es nicht jeder immer aus...
Geplant waren vier Wochen hier mit uns, jetzt  ist unser Gast schon nach nicht einmal einer Woche wieder abgereist.
Das Klosterleben kann einen schon ziemlich umhauen. Und wenn man es dann auch noch ernstlich für sich in Betracht zieht, dann wird es richtig hart. Die Gefühle fahren Achterbahn, die Gedanken drehen sich im Kreis, man meint es zerreißt einen schier. Dann kann man nur noch eines tun: nichts wie weg und der ganzen Sache mehr Zeit geben. Irgendwann weiß man dann schon, was der richtige Weg ist und hat Frieden statt Zerrissenheit. Ich kann gut nachfühlen, was in ihr vorgeht - es ging mir genauso. 
Und ich bin sehr froh diese Phase hinter mir zu haben.

Montag, 23. Juli 2012

Tag 183: nur wegen IHM

Jede einzelne von uns ist wegen IHM hier. Nicht wegen irgendwas oder irgendwem - allein wegen IHM. ER ist für jede das Wichtigste. Wichtiger als der Beruf, als die Familie, als die Freunde, als die Gemeinschaft, als das eigene Leben. 
Seit genau einem halben Jahr bin ich jetzt Nonne. Aber ich habe das Gefühl erst jetzt so richtig anzufangen dementsprechend zu leben. Immer mehr versenke ich mich in IHN und lebe in aus seiner Gegenwart. Mit Worten lässt sich die Ruhe in meinem Herzen, das Glück, das ich gefunden habe, seit ich Seinem Ruf hierher gefolgt bin, einfach nicht beschreiben. Ich versuche zu lernen im Hier und Jetzt zu leben - nicht zu hängen an gestern - nicht zu grübeln über morgen. Nur der Augenblick zählt.
Dabei weiß ich mich getragen und geliebt.

Freitag, 20. Juli 2012

Tag 182: Beziehungen

jeder ist irgendwie ein Knoten in einem komplizierten Beziehungsgeflecht
Es ist schon merkwürdig, wie sich mit manchen Menschen eine Vertrautheit bewahrt, die man kaum, oder über Jahre hinweg gar nicht mehr sieht, während einem andere, mit denen man jeden Tag zu tun hat, immer fremder werden. Jeder entwickelt sich ständig weiter. Trotzdem scheinen manche Freundschaften ewig zu halten. Man entwickelt sich (auch unabhängig voneinander) so, dass man sich immer nahe bleibt. Andere entwickeln sich so von einander weg, dass sie sich nicht mehr verstehen und nur noch aneinander vorbeireden. Beziehungsgeflechte sind wirklich spannend. Jeder steckt in einem drin und keiner kennt die gleichen Leute auf die gleiche Weise.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Tag 179: Beginn einer Reise

alles gepackt - es kann losgehen!
Ich durfte mit einer Mitschwester ein neues Projekt starten. Einmal die Woche treffen wir uns für eine "Einzelsitzung". Bei den Vorbesprechungen habe ich gemerkt, dass ich gut evangelikal geprägt wurde. Es gibt manches, das ich aus meiner Studentenzeit vermisse. 
Heute ging es in unserer Sitzung um die Betrachtung. Mit einigen Tipps und konkreten Aufgaben kann ich also nun beginnen mich ernsthaft diesem Aspekt des klösterlichen Lebens zu widmen, den ich bisher so sträflich vernachlässigt habe. Man sollte nicht meinen, dass ich nach einem ganzen Jahr im Kloster noch so wenig Übung darin habe. 
Aber ich habe das Gefühl, dass es seinen Sinn hat, wie es gelaufen ist. Man kann nicht gleich von Null auf Hundert und ich muss sagen, dass ich mich erst jetzt so langsam wirklich an den Tagesablauf gewöhne. 
Es kommt mir so vor, als hätte ich das letzte Jahr alles organisiert und "zusammengepackt", was ich brauche, um mich jetzt auf den Weg nach Innen zu machen. 
Und ich bin mir sicher, dass das eine spannende Reise wird!

Mittwoch, 18. Juli 2012

Tag 177: ins Fernsehen?

Wir hatten heute viel Unterricht. Eine Einheit war eine lange Besprechung über unsere Konstitutionen (bei der wir auch etwas vom Thema abkamen, als ich die Fragen stellte, ob man sich irgendwann weniger über die anderen ärgert und warum wir nach Regeln leben, von denen wir wissen, dass wir sie nie ganz einhalten können) und am Abend kam eine "Filmemacherin", die nach Novizinnen sucht, die bereit sind sich von einem Kamerateam bis zur Profess begleiten zu lassen. Ich hab keine Ahnung, ob das eine gute Idee wäre oder überhaupt nicht. Denn einerseits ist es gut und wichtig Zeugnis zu geben, aber andererseits ist es eine sehr intensive und intime Phase im Leben. Es ist eine unglaublich wichtige Entscheidung zu treffen, und ich bin mir nicht sicher, ob die Präsenz von Fernseh-Leuten da gut tun würde.

Dienstag, 17. Juli 2012

Tag 176: Das weiße Buch

Ich habe heute viele freie Minuten zum Schlafen genutzt - vor der Messe, nach der Messe, nach dem Mittagessen - und es geht mir schon viel besser. Ich glaube Schlaf ist für mich noch wichtiger als frische Luft. Außerdem habe ich die restliche Zeit genutzt um ein Buch über Kartäuser-Novizen (In der Stille vieler kleiner Stunden von Nancy Klein Maguire) in England nahezu zu verschlingen. 
Es ist wirklich eine völlig andere Welt, in der sie leben. Manches mag hier ähnlich sein, aber vieles ist doch ganz anders. Und schon allein die all-nächtlichen Schlaf-Unterbrechungen würden es mir unmöglich machen ein solches Leben zu führen.
Aber das Buch hat mir trotzdem sehr gut gefallen.

Montag, 16. Juli 2012

Tag 175: Rückfall?

Heute im Verlauf der Vesper kam mit aller Härte der Halsschmerz zurück. Es war nur mit einer Lutschtablette nach der anderen einigermaßen erträglich. Es ist jedes mal ein ganz komisches Gefühl am Chor zu stehen und stumm zu bleiben und nur dem Gesang der anderen zu lauschen. Vor dem Schlafengehen habe ich dann noch ein paar getrocknete Salbeiblätter mit kochendem Wasser übergossen und dann inhaliert, das hat den Hals etwas beruhigt und ich konnte wenigstens einschlafen - übrigens in einem neuen Schlafanzug. Ich durfte mir im Vestiarium (so etwas wie das Kleiderlager im Haus) aus einer Handvoll Exemplare einen raussuchen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber darunter war tatsächlich einer, der wie für mich gemacht ist.

Freitag, 13. Juli 2012

Tag 174: erster Geburtstag

vor genau einem Jahr: Warten auf die Einführung
Ein Jahr Klosterleben liegt hinter mir. Obwohl heute zudem noch Hochfest war, habe ich gar nicht das Gefühl gebührend gefeiert zu haben.
Am Morgen hatte ich ein Gespräch mit der Novizenmeisterin, aber da sie nicht gefragt hat, wie es mir geht, habe ich ihr nichts von dem erzählt, was mir im Moment die größten Probleme bereitet, sondern nur organisatorische Notwendigkeiten geklärt.
Am Nachmittag hatten wir Unterricht, aber ich war so müde und wenig aufnahmefähig, dass ich jetzt schon nicht mehr sagen könnte, was wir eigentlich besprochen haben. Trotzdem fiel es mir am Abend schwer mich von meiner Arbeit zu lösen um endlich ins Bett zu kommen...

Donnerstag, 12. Juli 2012

Tag 173: gesagt - dabei geblieben

Maria unterm Kreuz
In der Nokturnlesung hieß es heute, dass Maria nichts von dem Ja, dass sie zu gesagt hat zurückgenommen hat - auch nicht unter dem Kreuz. Das sind eindrückliche Worte, um Maria's Treue zu beschreiben und sie haben mich daran erinnert, dass auch ich Ja zu Gott gesagt habe.
Wenn schwere Zeiten kommen muss ich mir das vor Augen führen und mir bewusst machen, dass ich nichts von diesem Ja zurücknehmen will. Dass ich tatsächlich für alles bereit sein - alles annehmen - will, das mich Gott in seiner Güte erfahren lassen will. Er ist der "Souverän" in meinem Leben, dem ich mich ganz überlasse.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Tag 172: Was wäre, wenn...?

Licht und Schatten sind die Folgen jeder Entscheidung...
An manchen Tagen trifft man schwerwiegende Entscheidungen, die die folgenden Jahre - oder auch das ganze Leben stark prägen. Nach vielen Jahren kann man sich rückblickend die Frage stellen: "Hätte ich mich anders entschieden, wenn ich damals gewusst hätte, was daraus wird?"
Ganz sicher kann man sich nie sein und im Grunde sind alle Fragen der Kategorie "was wäre, wenn...?" immer müßig, aber wenn ich jetzt zurückblicke (ich weiß - nach noch nicht allzu vielen Jahren...), dann glaube ich, dass ich keine große Entscheidung anders getroffen hätte. Es gibt Details bei der Umsetzung, die ich vielleicht ändern würde, aber nicht die große Richtung.
Bis hierher würde ich mein Leben als sehr schön und geglückt bezeichnen. Es ging alles mehr oder weniger glatt und problemlos, sodass ich mich manchmal sogar frage, ob mich all das Gute stärken soll für großes Leid, das mich noch erwartet....

Dienstag, 10. Juli 2012

Tag 171: erwachsen!?

Ich glaube es liegt noch ein langer, ein sehr langer Weg vor mir, bis ich wirklich erwachsen, reif und weise geworden bin. Neun Jahre ist es jetzt her, dass ich mit meiner ersten großen Liebe zusammengekommen bin. Und trotz allem, was ich seit dem gelernt und erlebt habe, habe ich manchmal das Gefühl, dass ich noch immer der gleiche "junge, dumme Teenager" bin wie damals. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich in den neun Jahren verändert habe. Man kann jede Menge Wissen ansammeln, ohne auch nur das Geringste dazu zulernen. Das ist wirklich erschreckend, wenn man mal darüber nachdenkt

Montag, 9. Juli 2012

Tag 170: aufgeregt!

Ort zum Vorlesen der Fürbitten
Ich glaube ich war das ganze letzte Jahr nie so aufgeregt wie heute, als ich am Ambo stand und die Fürbitten vorlas. Fast das schlimmste daran war, dass ich auf diese Aufregung überhaupt nicht gefasst war. Etwas vor anderen vorzulesen ist normalerweise überhaupt kein Problem für mich.
Heute habe ich gelernt, dass es einen riesigen Unterschied macht, ob man irgendetwas vorliest, oder ob man Dinge, die einem am Herzen liegen öffentlich vor Gott bringt. In gewisser Weise ist es ein Stück Seelenstriptease, der es den anderen erlaubt tiefer in mich rein zu schauen.
Das hat mich wahnsinnig nervös gemacht, zumal ich ja überhaupt keine Möglichkeit habe festzustellen, wie meine Mitschwestern fanden, was sie da sahen...

Sonntag, 8. Juli 2012

Exkurs: Klosterwahl

Taucht eines Tages die Frage auf: "Bin ich berufen zu einem Leben im Kloster?", so fragt man sich fast automatisch auch: "Wenn ja, woher weiß ich dann, welches Kloster das Richtige für mich ist?"
Schaut man sich beispielsweise auf Orden-online das Klosterverzeichnis an, so könnte man bei der Fülle an unterschiedlichen Kongregationen und Orden schon fast in Panik ausbrechen. Sie alle kennenzulernen und womöglich jedes einzelne Haus zu besuchen, ist sicher in keiner angemessenen Zeit möglich. Aber es ist wie bei der Ehe, man muss nicht alle potentiellen Partner gesehen haben, um sich dann für den Einen zu entscheiden.
Die Fragen, die man sich stellen muss, und die Kriterien, die man anlegen muss, sind jedoch bei der Klosterwahl durchaus anders als bei der Partnerwahl.
Grundlegende Fragen, über die man sich klar werden muss sind die Folgenden:

1. Fühle ich mich eher berufen zu einem Leben, das stabil an einem Ort bleibt, zu einem Leben in einem monastischen Orden mit dem Gelübde der stabilitas loci, oder zu einem Leben mit einer höheren räumlichen Flexibilität, einem Leben in einer Kongregation, in der mein Einsatzort in der Regel alle paar Jahre wechselt?

2. Wie wichtig ist mir das gemeinsame Gebet der Psalmen nach einer festen Ordnung? Soll eher das einzelne, private Gebet oder das gemeinschaftliche Gebet einen großen Teil des Tages einnehmen? Liegt mir eher eine feierliche Liturgie oder ein schlichtes Gespräch mit Gott am Herzen?

3. In welchem Tätigkeitsfeld kann ich mir vorstellen zu arbeiten? Neige ich zu stillem, kreativen Tun wie Kerzenverzieren oder Paramentesticken, oder möchte ich lieber mit Menschen in der Seelsorge oder Bildung arbeiten? Möchte ich viel Zeit im Freien bei landwirtschaftlicher Tätigkeit oder lieber im Haus bei hauswirtschaftlichen Aufgaben verbringen? Entspricht es mir mehr immer wieder wechselnde Aufgaben zu haben, oder sollte es eine feste Aufgabe für lange Zeit sein?

4. Bin ich eher geeignet für eine kleine Gemeinschaft von weniger als zehn Ordensleuten, oder sollte es besser eine größere Gemeinschaft mit womöglich mehr als dreißig Mitgliedern im Haus sein?

Wenn man diese grundlegenden Fragen für sich geklärt hat, so kann man schon sehr viele von den potentiellen Gemeinschaften ausschließen.

Spätestens dann sollte man doch das ein oder ander Kloster mal kennenlernen. Es bieten eigentlich alle Häuser Kloster auf Zeit an und wenn man vor Ort ist merkt man normalerweise recht schnell, ob das passen würde oder nicht.
Mein Beichtvater hat mir damals geraten nicht gleich ins erstbeste Kloster zu gehen und mir aufgetragen mir wenigstens noch ein Kloster anzuschauen. 

Es gibt noch einen wichtigen Punkt, den man nicht vergessen sollte. In der ersten Begeisterung übersieht man schnell alles, was negativ sein könnte. Aber ein gewisser realistischer Blick ist schon sinnvoll bei einer solchen Entscheidung. Immerhin will man sich ja für den Rest seines Lebens an ein Kloster oder eine Kongregation binden.
Daher finde ich, dass es mehr als angebracht ist, sich ein Bild darüber zu machen, wie es mit Nachwuchs, der finanziellen Lage und der generellen Zukunftsperspektive aussieht.
Natürlich ist es möglich, dass mein Platz in einer Gemeinschaft ist, in die seit Jahren niemand eingetreten ist, aber meiner Ansicht nach bedarf es dazu nochmal einer eigenen Berufung und ganz besonderen Gnade. 

So, das wären erstmal ein paar Gedanken zu dem Thema "Klosterwahl", wenn ihr noch Fragen habt, nur raus damit!

Freitag, 6. Juli 2012

Tag 169: neuer Dienst

aufsteigender Weihrauch - Symbol für das zu Gott steigende Gebet
In der neuen Woche habe ich einen Dienst, den ich bisher noch nie hatte: die Fürbitten. Täglich ist es nun für eine Woche meine Aufgabe die Fürbitten für die hl. Messe zu formulieren und vorzubeten. Dabei muss man gut aufpassen, dass man keinen Profess-, Namens- oder Geburtstag einer Mitschwester vergisst. Es ist interessant, dass wirklich jede Schwester einen ganz eigenen Stil hat bei der Formulierung der Fürbitten.
Ich hoffe, dass es mir weniger darum gehen wird möglichst schön zu formulieren, als darum, um das zu bitten, was wirklich notwendig ist und so zu formulieren, dass die Schwestern von Herzen mitbeten.
Eines darf ich jedenfalls in dieser Woche auf keinen Fall: verschlafen!

Donnerstag, 5. Juli 2012

Tag 168: St. Josef

Teil des Weges von der Küche zum Refektor
Dass wir jetzt woanders essen, hat zur Folge, dass das Geschirr und auch die Speisen einen viel weiteren Weg zurücklegen müssen. Heute, am Hochfest des hl. Josefs, war zudem gesprochener Tisch und es gab eine Nachspeise. So kam es, dass wir mit unserem Spül-Abtrocknen- und Aufräumdienst bis halb drei beschäftigt waren (also etwa eine Stunde länger als sonst). Ein neuer Rekord.
Gut nur, dass der Sport heute eh ausgefallen ist - das wäre sonst richtig stressig geworden. So konnte ich mich wenigstens 'ne halbe Stunde hinlegen, bevor es zu der vierteljährlich stattfindenden französischen Messe ging. Ich durfte mit der Klarinette begleiten und es wieder sehr nett.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Tag 167: noch etwas ungewohnt und chaotisch...

beim Tischgebet
...ist die Situation in unserem provisorischen Refektor. Es fühlt sich noch komisch an in dieser neuen Umgebung zu essen und vor allem das Tischdienen läuft noch überhaupt nicht routiniert ab. Dadurch, dass die Sitzordnung ganz anders ist, muss man sich gewaltig umstellen.
Aber wir Jungen sind aus der "Schusslinie" (sitzen also nicht mehr in der Mitte auf dem Präsentierteller, so dass jeder genau beobachten kann, was und wieviel wir essen...) und ich genieße mein ungestörtes Essen hinten im Eck sehr. Und wer isst sonst schon noch in so einem schönen Raum mit Deckengewölbe?
Aber es ist zugegebenermaßen etwas eng und ich frage mich, wie es wohl gehen soll, wenn Gäste da sind. In  (knapp) zwei Wochen kommt ja schon eine junge Frau für einen Monat. Ich freue mich schon auf die Zeit, die sie da sein wird. Da kommt wieder neuer Schwung ins Noviziat...

Dienstag, 3. Juli 2012

Tag 166: nicht vom Brot allein...


...lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
So heißt es. Und tatsächlich: genauso wichtig, ja noch wichtiger, wie das tägliche Brot, ist die tägliche Begegnung mit dem lebendigen Gott. Sein liebender Blick schenkt Kraft und Zuversicht. Seine Gegenwart vermag uns ganz zu erfüllen, sodass all unsere Sehnsüchte gestillt werden und unser Herz tiefen Frieden findet. Vor unserem Schöpfer bekommt unser Leben Sinn und Richtung.

Oh Herr, wollest Du mich doch immer wieder auf Dich ausrichten, auf Dich meinen Sehnen und Hoffen lenken und aus Deiner Liebe heraus mein Herz überströmen lassen von Liebe zu meinen Mitmenschen. Lass mein Sinnen und Trachten allein auf Dich, das einzig unvergängliche Gut gerichtet sein.

Montag, 2. Juli 2012

Tag 165: bei der Frauenärztin

ich bin zwar keine Jungfrau mehr, aber schwanger war ich trotzdem nie....
Nachdem ich zum Klostereintritt auch meinen Wohnort gewechselt habe, musste ich auch - wieder einmal - meine Gynäkologin wechseln. Das ist nun von geschätzten sieben Frauenarztterminen in meinem Leben die vierte Frauenärztin gewesen. Ich hoffe mal, dass es nun der letzte Wechsel für lange Zeit war, denn sie war in meinen Augen die bisher Beste. Super nett, offen, ehrlich und gründlich.

Grinsen musste ich bei der Frage, ob ich schon mal schwanger war...

Sonntag, 1. Juli 2012

Lectio: Gottes Garten von Teresa von Avila

Heute früh in der Nokturnlesung kam ein schönes Gleichnis von Teresa von Avila, das ich mit euch teilen möchte.

"Wer mit dem geistlichen Leben beginnt, sollte sich vorstellen, dass er einen Garten anlegen will, damit der Herr sich darin mit Freuden ergehe. Doch das Grundstück ist verwildert und voller Unkraut. Seine Majestät reißt selbst das Unkraut aus, um sodann wertvolle Pflanzen zu setzen.
Wir müssen uns also klarmachen, dass diese Arbeit schon getan ist, wenn eine Seele sich zum kontemplativen Beten entschloss und auch schon damit begann. Und mit Gottes Hilfe müssen wir uns nun bemühen, als gute Gärtner diese Pflanzen zu pflegen und zu begießen, so dass sie nicht verwelken, sondern wachsen, blühen und herllich duften, damit unser Herr sich daran erfreue. So wird er denn oft in diesen Garten kommen und sich gern ergehen zwischen den Blumen der Tugend.
Jene, die das kontemplative Gebet zu erlernen beginnen, sind es, die das Wasser ganz mit eigener Kraft aus dem Brunnen ziehen. Das heißt, sie müssen sich sehr anstrengen, ihre Sinne zu sammeln, die daran gewöhnt sind, sich in alle Richtungen zu zerstreuen. Das ist sehr schwer. Darum müssen die Beginnenden lernen, weder Hören noch Sehen wichtig zu nehmen und das in den Gebetsstunden ins Werk zu setzen.
So beginnt man Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen, und wolle Gott, dass er auch Wasser habe! Aber das liegt dann wenigstens nicht an uns, die wir zum Wasserholen gehen und tun, was wir können, um die Blumen zu tränken."

Gebe der Herr, dass wir gute Gärtner Seines Gartens werden!