Mittwoch, 26. September 2012

Sendepause

Ich möchte alle treuen Leser um etwas Geduld und Verständnis bitten, da ich mich für einige Tage nicht melden werde. Ich darf ein paar Tage in einem anderen Kloster verbringen und werde dort Stille und Gebet ganz ohne Internet genießen.
Ich wünsche allen gesegnete Tage und hier geht es dann Ende nächster Woche weiter.
Danke euch allen!

Tag 241: Gewitter

Während wir in der Komplet waren hat es angefangen zu gewittern mit schönen Blitzen und lautem Donner und viel Regen. Herrlich! Gewitter ist einfach etwas Tolles. Aber es war eine neue Erfahrung für mich bei so einem heftigen Gewitter in einer Kirche zu sein. Eine schöne neue Erfahrung.
Ich bin danach noch raus in einen Schuppen gegangen um etwas zu erledigen und während es draußen in Strömen goss habe ich drinnen gesungen.
Einen Lobpreis auf meinen Gott und Herrn.

Dienstag, 25. September 2012

Tag 240: Wenn Kinder fragen...

Heute abend sollte ich unsere Sakristanin vertreten. Und die kleinen Ministranten haben mir einige Fragen gestellt.
Ob ich denn schon als Kind eine Schwester war und ob ich das nie ausziehe, was ich anhabe. Was ich denn zum schlafen trage und warum ich Schwester werden wollte.
Wie erklärt man das einer Erst- oder Drittklässlerin?
Ich glaube ich brauche noch viel Erfahrung im Zeugnis ablegen vor Kindern. Im ersten Moment bin ich immer so überrascht über ihre Fragen, dass ich gar nicht weiß, was ich sagen soll. Erst später kommen mir dann Ideen. 
Es ist wirklich ein Lernprozess - welche Antworten können Kinder nachvollziehen, womit können sie etwas anfangen und womit überhaupt nicht?

Montag, 24. September 2012

Tag 239: Sonntag!

In den letzten Tagen habe ich es tatsächlich geschafft schon früher aufzustehen, als notwendig, um vor der Laudes noch zu beten. Es ist wunderschön.
Obwohl ich mich frage, wie lange ich das wohl so durchziehen werde. Ob ich das auf Dauer schaffe, oder ob es nur eine Phase ist, die bald wieder vorübergeht. (Das ist leider meistens bei mir der Fall...)
Heute bin ich also wieder früher aufgewacht und hatte genug Zeit zum beten. Trotzdem habe ich es geschafft während der Predigt der Messe wach zu bleiben und aufmerksam zuzuhören (das ist nicht immer der Fall...)
Mit dem Mittagessen hat wieder mein einwöchiger Tischdienst angefangen und da wir heute außerdem Refektordienst hatten, habe ich danach gleich für's Abendessen gedeckt. 
Dann habe ich mir die Slackline geschnappt und bin raus in den Garten gegangen. Unterwegs habe ich noch gedacht wie dumm es war, den frischen Habit anzulassen, aber ich bin das Risiko eingegangen mir Grasflecken einzuhandeln und es ist zum Glück alles gut gegangen.
Eine Mitschwester hat mitgemacht und wir hatten einen wirklich schönen Nachmittag!

Sonntag, 23. September 2012

Lectio: Piet van Breemen zum Gebet

Ich habe in diesen Tagen ein Buch von Piet van Breemen gelesen. Ganz allgemein kann ich diesen Autor wärmstens empfehlen. Hier ein kleiner Abschnitt aus dem Buch "Gerufen und gesandt":
Ein Gebetsleben führen heißt, aufmerksam sein, auf Gott warten, innerlich leer und still werden. Beten heißt nicht, sich selbst reden hören, sondern vielmehr, sich so still machen, dass Gottes Wort vernehmbar wird. Gebet ist nicht ein Ausschütten des Herzens in einem gefühlsgeladenen Wortschwall, es ist vielmehr ein beharrliches Suchen nach Gott und nach dem Weg zu Ihm, ein Suchen, das nicht nachlässt, mag das Herz nun voll oder leer sein. Gebet ist durchaus nicht immer spontan; es fordert oft ernste Willensanpassung. Es ist eine Vertrautheit mit dem Unsichtbaren, eine Hingabe, Preisgabe, eine Bereitschaft, alles zu tun, was ER verlangt, ein Staunen über Seine Güte, ein wachsendes Einswerden mit seinem Wort, eine Einsamkeit mit Gott und um Gottes willen, eine sich immer mehr vertiefende Stille, in deren Fülle wir vorstoßen möchten.

Freitag, 21. September 2012

Tag 237: Beerdigung

Heute war die erste Urnenbeisetzung auf unserem Friedhof. Da es so etwas noch nie gab waren einige Unklarheiten da, was die Zeremonien betraf - aber nichts Gravierendes und es war eine schöne und würdige Feier.
Auch das Wetter hat mitgespielt. Nachdem es wochenlang viel zu trocken war, hatte es die ganze Nacht und am Morgen geregnet. Während der Beerdigung blieb es trocken und als sie vorbei war hat es wieder für den Rest des Tages geschüttet.

Momentan habe ich wieder etwas Heimweh. Zuletzt von zu Hause gehört habe ich an Ostern und ich habe das Gefühl, dass das ewig her ist. Sehnsuchtsvoll warte ich auf einen Brief von meinen Eltern.

Donnerstag, 20. September 2012

Tag 236: Lobpreis

Den ganzen Tag blieb ich von tiefer Freude und einem völlig neuen Bewusstsein der Gegenwart Gottes erfüllt. Bei allem, was ich tat hatte ich ein Gebet im Herzen und auf den Lippen. Ich pries IHN stumm inmitten der anderen und laut wann und wo immer ich mich allein wähnte. Ich sang zu IHM mit mir unbekannten Worten und Melodien. Noch immer weiß ich nicht, ob ich da nicht einfach irgendetwas erfinde, aber ich weiß ganz sicher, dass selbst wenn dem so wäre, es mir gut tut und mich näher zu Gott hinzieht.
Ich denke mehr an IHN im Laufe des Tages und freue mich einfach ohne Ende über seine Liebe und Herrlichkeit.
Der Heilige Geist wohnt in mir - in jedem Getauften - und ER wirkt mit Macht, wenn wir es zulassen.

Mittwoch, 19. September 2012

Tag 235: Geisttaufe

Schon mal drum gebeten?
Ich nie. Bis heute!
Und was geschah?
Nicht viel - könnte man sagen.
Alles hat sich verändert - könnte man auch sagen.
Ich habe in Zungen gebetet. Oder habe ich mir nur selbst etwas vorgemacht und irgendwelche Laute gestottert, weil ich es wollte?
Spielt es eine Rolle?
Ich habe mich neu und ganz bewusst Gott hingegeben.
Mich IHM geöffnet und ausgeliefert.
Ich gehöre IHM allein.
Will IHN lieben, IHM dienen und treu sein - alle Tage bis in Ewigkeit.
Das ist wirklich alles, was zählt.
Und ganz gewiss wohnt und wirkt in mir sein Heiliger Geist und wartet auf mein Mitwirken am Werk Gottes.

Dienstag, 18. September 2012

Tag 234: abwechslungsreich

Heute vormittag habe ich das erste Mal jemand anderem so richtig die Haare geschnitten. Aus Not lernt man wirklich so einiges im Kloster! Aber es hat Spaß gemacht und das Ergebnis kann sich sehen lassen ... auch wenn es das gar nicht muss mit dem Schleier.
Dann war ich wieder in der Bibliothek beschäftigt. Nach dem Mittagessen habe ich mich zu ein wenig Fernsehen hinreißen lassen. Dann hatten wir wieder eine kleine Singstunde und dann habe ich mich mit dem Thema der Gottsuche für mich und in der Regula Benedicti für den Noviziatsunterricht auseinandergesetzt.
Nach der Komplet und dem Gießen habe ich jetzt noch italienisch Vakabeln gelernt. Vokabeln lernen ist auch so etwas, was ich stundenlang tun kann, ohne dass mir langweilig wird. Aber das wird's im Kloster sowieso nie.

Montag, 17. September 2012

Tag 233: Aussprache

Heute hatte ich mit einer Schwester eine Aussprache, vor der ich schon seit ein paar Tagen Angst hatte. Aber sie war viel besser, als ich erwartet hatte. Es ist verblüffend, in was für Vorstellungen man sich verrennen kann, wenn man nicht miteinander redet. Und wie unterschiedlich doch die Wahrnehmungen sein können!
Das Leben hier im Kloster ist wirklich eine lehrreiche Schule für uns alle. Man muss sich mit Menschen auseinandersetzen, die anders sind, und die man sonst einfach meiden würde. Man muss lernen einen Weg zur Gemeinschaft mit ihnen zu finden, um wirklich mit ihnen zu leben.

Freitag, 14. September 2012

Tag 232: ein ungewöhnlicher Wunsch

Ich schätze mal so etwas ist hier noch nie vorgekommen. Unsere verstorbene Schwester hatte den Wunsch verbrannt zu werden. Da ihr offensichtlich sehr daran gelegen war, wird man diesem Wunsch nachkommen. Sie wird morgen aus der Reha-Klinik, wo sie gestorben ist, nach Hause gebracht. Hier wird dann so wie sonst auch die Aussegnung sein und dann wird im Laufe der Woche der Sarg zum Krematorium gebracht und Ende der Woche wird die Beerdigung sein.
Ganz normal, nur dass statt eines Sarges eine Urne ins Grab hinabgelassen werden wird.
Diese Ankündigung hat heute viele Schwestern überrascht - um nicht zu sagen geschockt. Es ist doch ein sehr ungewöhnlicher Wunsch für eine Ordensschwester. Aber sie war auch eine ungewöhnliche Schwester.

Donnerstag, 13. September 2012

Tag 231: erneuter Todesfall

Vor wenigen Tagen ging der sogenannte Dreißiger für unsere im letzten Monat verstorbene Mitschwester zu Ende. Es ist eine Zeit, in der sie noch sehr präsent, da ihr Platz am Chor und im Refektor freigehalten wird und jeden Tag beim Totengedenken ausdrücklich ihr Name genannt wird.
Heute in der Früh ist nun wieder eine von uns gegangen. Sie war schon länger schwer krank und wollte nichts anderes mehr als sterben. Eine Mitschwester meinte dann heute zu mir: Wenn der Tod kommt, dann holt er immer gleich drei. So unwahrscheinlich ist das mit unserer Altersstruktur gar nicht.
So schaut man sich um und fragt sich, wie schnell der Konvent zusammenschrumpfen wird und wie sich das Leben wohl ändert, wenn wir ein ganzes Stück weniger geworden sind.
Sicher ist jedenfalls, dass ich hier in den nächsten Jahren sehr viel mehr mit dem Thema Tod konfrontiert werde, als das "draußen" der Fall wäre.

Mittwoch, 12. September 2012

Tag 229: Mittagspause

jetzt kann man in unseren Bäumen "abhängen"
Seit neuestem gibt es eine tolle Möglichkeit in der Mittagspause "die Seele baumeln" zu lassen. In unserem herrlichen Garten hängt jetzt von einem Baum eine Art Sessel, oder Affenschaukel. Darin zu sitzen und sanft hin und her zu schwingen ist wunderbar gemütlich und vor allem bei dem momentanen Sonnenschein und hohen Temperaturen einfach eine Wohltat.
Alles rundherum ist grün - Blumen blühen und Vögel zwitschern. Da kann man leicht die Zeit vergessen und einfach nur genießen.
Am Besten wäre es, wenn den Sommer über am Tag strahlender Sonnenschein und etwa jede zweite Nacht Regen wäre. Dann bräuchte ich nicht viel im Innenhof zu gießen. Obwohl - eigentlich ist eine ganz schöne Aufgabe...

Dienstag, 11. September 2012

Tag 228: Thérèse

Wir haben heute mal den alten Film (von 1986) über die heilige Thérèse von Lisieux angeschaut. Man muss zugeben, dass er sehr eigen ist. Völlig ohne Filmmusik und mit ganz schlichten Kulissen.
Er ist wohl kaum in allen Details ganz lebensecht, aber er schein mit doch ein Gefühl vom Karmel zu vermitteln. Mich hat dieses Gefühl einmal mehr bestätigt, dass ich hierhin und nicht dorthin berufen bin. (Wirklich nichts gegen den Karmel - aber es sind einfach unterschiedliche Berufungen)
Aber Thérèse ist eine beeindruckende Heilige. Vor allem die Biographie von Waltraud Herbstrith, die ich über sie gelesen habe, hat sie mir näher gebracht. 
Und ich wünschte ich könnte mehr wie sie Christus auch in den Menschen, die ich nicht leiden kann, sehen und lieben.

Montag, 10. September 2012

Tag 227: Geburtstag

Heute hatte eine Mitschwester Geburtstag. Ich habe ihr ein kleines Ständchen gesungen und wir haben gemeinsam Mohrenkopf-Brötchen gegessen. Es war ein wirklich nettes Beisammensein zur Feier des Tages.
Ansonsten gab es mal wieder einen mittelgroßen Krach im Noviziat. Es ist mir einfach ein Rätsel, wie man aus einer Kleinigkeit eine so große Sache machen kann und wie man es schafft ständig alles auf sich zu beziehen und persönlich zu nehmen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht die geringste Ahnung, wie ich mich verhalten soll.
Ich habe nie jemanden erlebt, der mir so wenig gute Absichten zutraut.

Sonntag, 9. September 2012

Lectio: Gertrud von Helfta

Ein paar Zeilen aus dem Buch der Geistlichen Übungen von Gertrud von Helfta:

O Liebe, die du nicht Licht trägst, sondern Gott trägst: gleich jetzt mögest du zu mir kommen reichlich und freigebig, dass ich durch dich schmelze süß dahin. Von mir, zu einem Nichts geworden, möge ich vollkommen in dich fließen ganz und gar, dass ich mich von jetzt an niemals mehr in mich zurückziehn mag in dieser Zeitlichkeit; statt dessen möge ich durch den Leim der Liebe mit dir zusammengefügt bleiben in Ewigkeit.

Freitag, 7. September 2012

Tag 226: Studium?!

Es ist wieder kalt geworden. Aber die Freude bleibt. Der Alltag ist ein Geschenk und jeden Tag darf ich leben in dem Bewusstsein, dass Gott mich liebt.
Im Moment mache ich mir ziemlich viele Gedanken darüber, dass ich wahrscheinlich nach dem Noviziat wieder an die Uni muss.
Es gibt so viele gute Gründe dafür, dass ich das nicht will. Aber wenn es doch sein muss, bin ich sicher, dass Gott noch viel mehr und bessere Gründe dafür hat.
Obwohl ich IHM wirklich vertraue, fällt mir ein vollständiges und rückhaltloses Ja dazu schwer - obwohl ich durchaus auch positive Seiten daran sehen kann.
So habe ich also völlig gemischte Gefühle, was das angeht. Jedenfalls muss ich ständig daran denken, sodass es für den Moment mit meiner inneren "Noviziatsruhe" erstmal aus ist...

Donnerstag, 6. September 2012

Tag 224: neues Projekt

Bild von Sieger Köder, ziert jetzt mein Ringbuch
Ich habe gerade ein Buch gelesen, das beschreibt, wie man ein Gebetstagebuch führt. Ich kann ehrlich gesagt kaum erwarten es in die Tat umzusetzen und so mit dem Stift in der Hand in den Dialog mit Gott einzutreten. Der erste Schritt bestand nun darin ein Ringbuch zu diesem Zweck schön herzurichten. Ich habe es eingebunden, mit Bildern und Trennblättern versehen und freue mich jetzt über mein "Kunstwerk". 
Es ist unterteilt in die Abschnitte Wort Gottes, Lob und Dank, Fürbitte, Bitten und Umkehr und Vergebung.
Ich habe das Gefühl, dass es sich zu einem wahren Schatz für mich entwickeln kann und ein weiterer wichtiger Schritt auf meinem Weg zu Gott ist.

Mittwoch, 5. September 2012

Tag 221: Frucht bringen

Wir haben heute im Noviziatsunterricht eine Gruppenmeditation zu Joh 15,1-17 gemacht. Manche Geringe.danken haben mich den Tag hindurch begleitet und es folgt eine kurze Essenz dessen, wohin mich meine Gedanken geführt haben.

Auf keinen Tag habe ich ein Recht. 
Jeder einzelne ist mir geschenkt.
Gott schenkt ihn mir aus Geduld, in der Hoffnung, dass ich vielleicht doch noch zu IHM umkehre und Frucht bringe.
Aber jeden Moment könnte es soweit sein, dass ich "abgehauen" und "aus der Stadt geworfen" werde. Ich habe nur diesen einen Tag - heute - diesen einen Augenblick - jetzt - um das Richtige zu tun.
Das, was war, kann ich nicht mehr ändern und das was vor mir liegt habe ich nicht in der Hand. Aber diesen Moment kann ich gestalten.
Und das Wichtigste dabei: Alles tun, um immer mehr in der Liebe zu wachsen.

Dienstag, 4. September 2012

Tag 220: Konzert

Die heutige Maiandacht war verbunden mit einem Konzert.
Wegen der Proben in der Kirche haben wir unser Chorgebet in den Kapitelsaal verlegt. Die Akustik und die Atmosphäre darin sind ganz anders und es ist immer wieder nett darin zu beten.
Das Konzert war wunderschön. Orchester, Duos, Chöre und Musik zum Gänsehaut-kriegen. Die Stücke umrahmten die Gebete, Betrachtungen und Anrufungen und erst ganz am Schluss, nach dem Segen, wurde geklatscht.
Ich habe selten vorher erlebt, dass während des Auszugs des Priesters und der Ministranten die Kirche erfüllt war von Applaus. Aber den hatten sich die Musiker(innen) wirklich redlich verdient.

Montag, 3. September 2012

Tag 219: zum Umfallen müde

Aber was kann man auch anderes erwarten, wenn man die ganze Nacht kaum ein Auge zumacht. Ich bin tatsächlich erst eingeschlafen, als die ersten meiner Mitschwestern schon wieder aufgestanden waren. Aber dafür muss ich sagen, hab ich den Tag eigentlich ganz passabel rumgekriegt. Mein Kopf war zwar die ganze Zeit ziemlich zermatscht und beim Abtrocknen am Mittag ist mir ein bisschen schwummrig geworden, aber ich habe meinen Chordienst akzeptabel gemeistert, Gymnastikstunde gehalten und den Noviziatsunterricht überstanden, obwohl ich die ganze Zeit an nichts anderes denken konnte, als ans Schlafen!