Donnerstag, 15. November 2012

Fortsetzung folgt...

Das Tagebuch der Novizin endet hier. Aus der Novizin wurde eine Jungprofessin. Aber das Leben geht natürlich weiter. Und auch das Bloggen geht weiter - und zwar hier: nonnenleben.blogspot.de
An dieser Stelle ein dickes Danke an alle Leser hier! Es hat mir sehr viel Freude gemacht für Euch zu schreiben und ich hoffe Ihr bleibt dabei. Denn eins kann ich euch versprechen: Das Leben bleibt spannend!

Mittwoch, 14. November 2012

Tag 365: Profess

Heute während der Vesper war es soweit. Ich habe meine Profess abgelegt. Ich habe für zwei Jahre Beständigkeit Gehorsam und monastischen Lebenswandel versprochen. Nach Psalmen, Lesung und Responsorium des heutigen Hochfestes (Christkönig) wurde der Veni Creator Hymnus gesungen. 
Dann stand ich auf, trat in die Mitte und warf mich nieder. 

Prostratio - Geste totaler Hingabe
Dann fragte die Äbtissin: "Liebe Schwester, was erbittest Du?"
Worauf ich antwortete: "Die Barmherzigkeit Gottes und des Ordens." 

Nach einem Abschnitt der Regel des Heiligen Benedikt und einer kurzen Ansprache wurde ich befragt, ob ich wirklich bereit bin. Drei Fragen, auf die ich jeweils mit "Ich bin bereit" antworten musste:
"In der Taufe wurdest Du durch das Wasser und den Geist Gott geweiht. Bist du bereit, dich durch das neue Band der Ordensprofess enger an IHN zu binden?"
"Bist du bereit, Gehorsam, Beständigkeit in der Gemeinschaft und klösterlichen Lebenswandel zu versprechen, um Christus mit ganzer Hingabe nachzufolgen?"
"Bist du bereit, auf dem engen und schmalen Weg, den die Regel zeigt, entschlossen und beharrlich nach jener Liebe zu Gott und dem Nächsten zu streben, die, wenn sie vollkommen ist die Furcht vertreibt und in unsere Herzen durch den Heiligen Geist eingegossen wird?"

Auf diese Befragung folgte die eigentliche Ablegung der Profess. Ich las die von mir von Hand geschriebene Professurkunde vor und unterschrieb sie dann. Dabei hat meine Hand so gezittert, dass ich schon dachte ich schaffe es nie meine Unterschrift auf das Papier zu bringen. Aber irgendwann hatte ich es dann doch geschafft.
Unterschreiben der Professurkunde
Danach wurde der Friedenskuss ausgetauscht und ein Gebet für mich gesprochen und dann wurde ich umgekleidet. Das weiße Skapulier und Zingulum wurden durch Schwarze ersetzt. Ich glaube ich habe mich niemals so gefreut, wie in dem Moment, als mir das schwarze Skapulier übergestreift wurde. Mir war als würde ich platzen vor Freude.
Mit dem Magnifikat schloss die Vesper und es folgte die Feier mit meinen Gästen und Schwestern. Eine riesen Überraschung kam von meiner Schwester. Sie hatte mir eine Professtorte gebacken. Es war toll meine ganze Familie wiederzusehen. Dieser Tag war einfach der perfekte Abschluss meines Noviziates.
Danke an alle, die mich da durchgetragen und unterstützt haben!


meine Professtorte

Dienstag, 13. November 2012

Tag 364: Ende eines Noviziates

Christus - König - meines Lebens
Es ist soweit. 
Der Vorabend meiner Profess. 
Eine Woche wunderbarer Exerzitien liegt hinter mir und ein ganzes wunderbares Leben mit Gott vor mir. ER hat mir das Rüstzeug gegeben, um den Weg mit IHM zu gehen. Vor allem die Zusage: ICH bin da. ICH bin bei dir und ICH werde immer bei dir sein.
Was kann da noch schiefgehen?
Ich lege mich fest.
Nach dreieinhalb Jahren, die ich dieses Haus und dieses Leben jetzt kenne, entscheide ich mich. 
Ich bin mir sicher: Das ist es.

Montag, 12. November 2012

Tag 309: Altenheim oder Schule?

Es stimmt schon, wenn meine Mutter sagt, dass ich hier mit lauter alten Frauen zusammenlebe. Aber die meisten von ihnen sind unglaublich fit und rüstig für ihr Alter und ich kann so viel von ihnen lernen.
So ist es ein bisschen wie in einem Altenheim, aber für mich ist es vor allem eine Schule - meine Lebensschule.
Ich kann mir einfach nichts richtigeres vorstellen, als hier jetzt dieses Leben zu führen.
Und das geistliche Leben bleibt spannend. Immer wieder gibt es etwas zu entdecken . Dinge, die man vieleicht schon wusste, die im "Paket irgendwie mit drin waren, die man aber vorher nie so klar oder unter diesem oder jenem Aspekt gesehen hat.
Heute entdeckte ich z.B. folgenden Satz:
Wir sind etwas, was der Vater von sich her verschenkt hat.
Ist das nicht wunderschön?

Freitag, 9. November 2012

Tag 298: Geburtstag

von einer echten Geburtstagstorte konnte ich heute leider nur träumen...
Letztes Jahr, an meinem ersten Geburtstag im Kloster, starb eine Mitschwester. Als gestern vor der Komplet ihrer gedacht wurde, da dachte ich zuerst: "Was? Nein! Jetzt doch noch nicht - es ist doch noch lang hin...", aber dann kam es mir: "Nein, es stimmt: morgen habe ich Geburtstag." Das Päckchen von meinen Eltern stand ja auch schon in meiner Zelle und wartete darauf, dass ich es heute auspacke.
Ich hatte mich nur auf meinen Geburtstag gefreut und war in keinster Weise auf die Welle der Gefühle gefasst, die mich dann am Morgen erfasste. Ich hätte non-stop heulen können, ohne dass ich gewusst hätte warum. Es hat mich riesige Mühe gekostet mich während Laudes und Messe zusammenzureißen. Und nach nach dem Frühstück konnte ich dann im Kapitelsaal den Tränen freien Lauf lassen. Und nachdem sie irgendwann versiegt waren, ging es mir den Rest des Tages gut. 
Eine Mitschwester übernahm meinen Nachmittagsdienst, sodass ich mich eine Weile im Garten in die Sonne legen konnte. Die übrige Zeit des Tages ging - abgesehen, von zwei Stunden Unterricht, ein bisschen putzen und ein bisschen beisammen sitzen - komplett für's Telefonieren mit meiner Familie drauf.
Es war ein schöner Tag, der ein noch viel schöneres Jahr abschloss.
Ich bin gespannt, was das nächste Lebensjahr so alles für mich bereithält.

Donnerstag, 8. November 2012

Tag 295: Loslassen

Im Kloster lehren einen Kleinigkeiten, wie weit der geistliche Weg noch ist...
Es erstaunt und erschreckt mich immer wieder in unterschiedlichen Situationen, wie sehr ich mich darüber ärgern kann, wenn andere mir Gutes tun wollen. Egal, ob es darum geht meine gewaschene und gebügelte Wäsche selbst aus dem Wäscheraum zu holen, oder meinen Teller selbst der Mikrowelle zu entnehmen, wenn ich mir etwas aufwärme. Kommt mir jemand zurvor, so ärgere ich mich und fühle mich bevormundet, obwohl ich weiß, dass die Mitschwester in bester Absicht handelt. 
Man muss wirklich ein großes Stück Selbständigkeit aufgeben, wenn man ins Kloster geht. Andere entscheiden, wann man betet, was man isst und wo man arbeitet. Da fängt man scheinbar an sich an jedes noch so kleine Stück Selbständigkeit zu klammern. Ich muss lernen loszulassen. 
Meine Vorstellungen loslassen und wirklich offen werden für meine Mitmenschen, in denen Christus wohnt.

Mittwoch, 7. November 2012

Tag 294: Räumaktion

Nachdem ich einer Mitschwester beim Möbelrücken geholfen habe, hat mich das Fieber gepackt und ich habe gleich bei mir weitergemacht. Dabei war ich eigentlich glücklich gewesen mit meiner Einrichtung, aber sie hat sich jetzt schon lange, lange nicht geändert.
So wurde heute alles, was sich bewegen ließ, bewegt und an einen anderen Platz gestellt. Jetzt ist alles ungewohnt und ich bin mir noch nicht sicher, wie gut es mir gefällt. Ich werde es mal ein paar Tage auf mich wirken lassen. Ich glaube der Raum wirkt jetzt größer. 
Als nächstes werde ich meine Schränke ausmisten. Da hat sich wieder viel angesammelt, was ich nicht brauche. Wenn das alles raus ist, wird es vielleicht auch leichter Ordnung zu halten.

Dienstag, 6. November 2012

Tag 270: Peter und Paul

Wieder ein Hochfest. Diese Woche hat nur einen einzigen "De ea"-Tag (also ganz gewöhnlichen Tag ohne Gedenken).
Heute war ein Fernsehteam da. Es wurde eine kleine Sendung mit der Äbtissin gedreht. Am Nachmittag wurde ich dazu gerufen, um mit einigen anderen als Statisten im Hintergrund durchs Bild zu laufen. 
Bei dem Team war sogar jemand aus meiner Gegend dabei. Jemand, der hier - am anderen Ende von Deutschland - mein Dorf kennt! Das kommt wirklich selten vor.
Die waren alle sehr nett und nach fünf oder sechs Anläufen waren sie zufrieden mit dem, was sie für diese Szene im Kasten hatten.
Mein erster Fernseh-Auftritt! Aber er dauert nur wenige Sekunden und man wird mich kaum erkennen...

Montag, 5. November 2012

Tag 269: aufhören

Wann werde ich es wohl endlich lernen?
Aufzuhören, wenn die Zeit dazu gekommen ist.
Egal, ob ich ein Buch lese, einen Film sehe, arbeite, Vokabeln lerne oder schlafe - es fällt mir wahnsinnig schwer damit aufzuhören, wenn ich erstmal mittendrin bin.
Ich kann von Glück sagen, dass ich in einem Kloster lebe, denn so bin ich gezwungen immer wieder zu unterbrechen, um in der Gemeinschaft zu beten und zu essen.
So habe ich vielleicht eine Chance es irgendwann gelernt zu haben.

Freitag, 2. November 2012

Tag 267: das ganz Andere

noch immer stehe ich ganz am Anfang eines Weges
Wir leben im Kloster als eine Art Familie zusammen. Wir sind Schwestern und bleiben es wahrscheinlich bis zum Tod. Also egal welcher Art die Differenzen sein mögen, man muss lernen miteinander auszukommen. Konflikte müssen gelöst werden und es ist eher wie in der Familie, als unter Freunden und Kollegen.
Aber es gibt einen großen Unterschied zur leiblichen Familie: man muss lernen das ganz Andere im Anderen zu akzeptieren. Und das völlig Andere gibt es in der eigenen Familie eher nicht. Irgendwie haben leibliche Verwandte meistens doch die ein oder andere Ähnlichkeit.
Es ist wirklich ein spannendes Zusammenleben in der Gemeinschaft - und ein sehr Schönes.
Ich kann zwar eigentlich noch gar nicht so weit denken (und jetzt freue ich mich erstmal auf die zeitliche Profess), aber ich freue mich darauf als vollwertiges Mitglied aufgenommen zu werden (also eines Tages ewige Profess abzulegen).