Mittwoch, 14. November 2012

Tag 365: Profess

Heute während der Vesper war es soweit. Ich habe meine Profess abgelegt. Ich habe für zwei Jahre Beständigkeit Gehorsam und monastischen Lebenswandel versprochen. Nach Psalmen, Lesung und Responsorium des heutigen Hochfestes (Christkönig) wurde der Veni Creator Hymnus gesungen. 
Dann stand ich auf, trat in die Mitte und warf mich nieder. 

Prostratio - Geste totaler Hingabe
Dann fragte die Äbtissin: "Liebe Schwester, was erbittest Du?"
Worauf ich antwortete: "Die Barmherzigkeit Gottes und des Ordens." 

Nach einem Abschnitt der Regel des Heiligen Benedikt und einer kurzen Ansprache wurde ich befragt, ob ich wirklich bereit bin. Drei Fragen, auf die ich jeweils mit "Ich bin bereit" antworten musste:
"In der Taufe wurdest Du durch das Wasser und den Geist Gott geweiht. Bist du bereit, dich durch das neue Band der Ordensprofess enger an IHN zu binden?"
"Bist du bereit, Gehorsam, Beständigkeit in der Gemeinschaft und klösterlichen Lebenswandel zu versprechen, um Christus mit ganzer Hingabe nachzufolgen?"
"Bist du bereit, auf dem engen und schmalen Weg, den die Regel zeigt, entschlossen und beharrlich nach jener Liebe zu Gott und dem Nächsten zu streben, die, wenn sie vollkommen ist die Furcht vertreibt und in unsere Herzen durch den Heiligen Geist eingegossen wird?"

Auf diese Befragung folgte die eigentliche Ablegung der Profess. Ich las die von mir von Hand geschriebene Professurkunde vor und unterschrieb sie dann. Dabei hat meine Hand so gezittert, dass ich schon dachte ich schaffe es nie meine Unterschrift auf das Papier zu bringen. Aber irgendwann hatte ich es dann doch geschafft.
Unterschreiben der Professurkunde
Danach wurde der Friedenskuss ausgetauscht und ein Gebet für mich gesprochen und dann wurde ich umgekleidet. Das weiße Skapulier und Zingulum wurden durch Schwarze ersetzt. Ich glaube ich habe mich niemals so gefreut, wie in dem Moment, als mir das schwarze Skapulier übergestreift wurde. Mir war als würde ich platzen vor Freude.
Mit dem Magnifikat schloss die Vesper und es folgte die Feier mit meinen Gästen und Schwestern. Eine riesen Überraschung kam von meiner Schwester. Sie hatte mir eine Professtorte gebacken. Es war toll meine ganze Familie wiederzusehen. Dieser Tag war einfach der perfekte Abschluss meines Noviziates.
Danke an alle, die mich da durchgetragen und unterstützt haben!


meine Professtorte

1 Kommentar:

  1. "...Doch wie kam es dazu, dass sich im Laufe der Geschichte diese beiden Linien – die der Inititiation und die der Steinmetze – im Freimaurertum kreuzten? Witzigerweise war es wieder Richard Rohr, der mir das fehlende Puzzleteil zu dieser Frage lieferte. In seinem Buch “Adams Wiederkehr” beschreibt er fast schon beiläufig ein altes Ritual, das der Mönchsorden der Benediktiner in den ersten Jahrhunderten seines Bestehens praktiziert hat: Zur Feier des Gelöbnisses lag der Kandidat in ein Leichentuch gehüllt vor dem Altar, während um ihn herum Kerzen standen, die entzündet waren und Requiem gesungen wurden. Das Bild einer Beerdigung. Im Laufe der Zeremonie erstand der Kandidat aus diesem Grab auf und wurde in den Orden aufgenommen. Das alte initiantische Bild von Tod und Auferstehung. Richard Rohr erklärte dies damit, dass der Benediktiner-Orden, der einzige Mönchsorden ist, der auf Grund seines Alters noch mit archaischen Intitiationsriten in Berührung gekommen ist..."

    https://hagenunterwegs.wordpress.com/2016/01/19/die-sehnsucht-der-maennlichen-seele/

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